Tag der offenen Tür

„Angespannte Situation“ in Kindereinrichtungen spürbar

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Sabrina Stein und Andreas John mit Mila bei Jona-Kita-Leiterin Kerstin Wunderlich (rechts).

Heusenstamm - Mehr als 700 Plätze bietet die Stadt Heusenstamm derzeit zur Betreuung von Kindern bis zum Alter von sechs Jahren. Dennoch gibt es Wartelisten. Beim Tag der offenen Tür konnten sich Eltern die verschiedenen Kitas ansehen. Von Julia Jäger 

Um Eltern die Möglichkeit zu geben, sich einen Überblick über die verschiedenen Betreuungsangebote in der Schlossstadt zu verschaffen, haben Heusenstamms Kindereinrichtungen ihre Türen geöffnet. Sowohl in den städtischen Einrichtungen, als auch in den konfessionellen und freien Kindertagesstätten konnten sich Eltern einen Eindruck vom Konzept der Einrichtung verschaffen. Mila ist vier Monate alt und soll im nächsten Jahr eine Kinderkrippe besuchen. Ihre Eltern Sabrina Stein und Andreas John haben sich deshalb bereits zwei Einrichtungen angeschaut, bevor sie in der evangelischen Kindertagesstätte Jona an der Leibnizstraße ankommen. Die Situation in den Kitas sei spürbar angespannt, viele Plätze seien bereits vergeben, berichtet Sabrina Stein.

24 Krippenplätze für Kinder unter drei Jahren stehen in der evangelischen Einrichtung zur Verfügung. „Wenn sie einen dieser Plätze bekommen möchten, sollten sie sich am besten gleich nach der Geburt mit uns in Verbindung setzen“, erläutert Kerstin Wunderlich, Leiterin dieser Tagesstätte. Aber auch um einen Platz für Kinder zwischen drei und sechs Jahren müssten sich Eltern rechtzeitig bemühen. Jedes Jahr könnten höchstens 25 Kinder neu aufgenommen werden. „Das ist eine überschaubare Zahl, verglichen zu den Anfragen, die wir erhalten“, berichtet Wunderlich weiter. Die Warteliste sei daher sehr lang und es sei wichtig, dies den Eltern offen mitzuteilen. „Trotzdem darf ich ihnen die Hoffnung natürlich nicht nehmen“, sagt Wunderlich lächelnd. Auch für die Kitas sei es von Vorteil, wenn Eltern einen Platz in der Wunscheinrichtung bekommen, von deren Betreuungsangebot sie wirklich überzeugt sind.

Etwa hundert Kinder stehen im Moment auf der Warteliste für einen Kindergartenplatz, bestätigt Kerstin Stanek, Leiterin des Fachdienstes Jugend, Soziales und Senioren auf Anfrage. Allerdings werde es noch in dieser Woche eine weitere Leiter-Runde geben, bei der noch freie Plätze vergeben werden sollen. 587 Plätze gibt es derzeit für Kinder zwischen drei und sechs Jahren. Das sind 36 weniger als auf dem Papier, da Gruppen wegen integrativer Kinder verkleinert sind. Außerdem gibt es 101 U3-Plätze sowie etwa 30 Plätze bei Tagesmüttern.

Klagen auf den Kita-Platz - aber wie?

Die evangelische Kita Jona bietet ein offenes Konzept, in dem die Kinder zwar feste Strukturen wie den täglichen Morgenkreis kennenlernen, in dem sie aber dennoch eigenständig entscheiden. Deshalb gibt es in der Kita keine festen Gruppen, sondern die Kinder bewegen sich selbstständig durch Räume, die verschiedene thematische Schwerpunkte bieten. Vom Lesezimmer, in dem auch Brettspiele zur Verfügung stehen, über einen Raum, in dem Rollenspiele gemacht werden können, bis hin zum Bewegungs- und zum Kreativraum, ist für jeden etwas dabei. Betreut werden diese Räume von Erzieherinnen, die für das jeweilige Thema besonders qualifiziert sind.

Freilich spielt in einer evangelischen Einrichtung auch der Glaube eine wichtige Rolle. Dennoch müssen die Eltern nicht der Kirche angehören, um einen Platz zu bekommen. Die Zustimmung zur religionspädagogischen Arbeit sei ausreichend, sagt Wunderlich. 65 Prozent der Kinder in der Kita haben Migrationshintergrund. Auch Kinder aus Flüchtlingsfamilien werden betreut. In der Praxis ergebe sich daraus „eine positive Vielfalt, die uns alle bereichert“, freut sie sich. Da Milas Eltern christlich erzogen wurden und das Mädchen evangelisch getauft werden soll, spielt die religiöse Ausrichtung der Kita für Sabrina Stein und Andreas John durchaus eine Rolle bei ihrer Entscheidungsfindung. Wichtig sei aber vor allem, „dass ein Wohlfühlmoment entsteht, wenn man die Räumlichkeiten betritt und dass der Austausch mit den Betreuern offen und sympathisch ist“, erklärt Andreas John. Damit konnte die Kita Jona schon mal punkten.

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