„Der Mensch ist das Wichtigste“

Oliver Schäfer ist neuer Diakon der katholischen Pfarrgruppe

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Neuer Diakon: Man sage ihm Humor nach, erwähnt Oliver Schäfer mit einem Schmunzeln. 

Das Kennenlernen der Menschen und das Sammeln von Eindrücken ist im Moment die Hauptbeschäftigung von Oliver Schäfer. Seit wenigen Tagen ist er Diakon für die katholische Pfarrgruppe in der Schlossstadt. 

Heusenstamm – Freilich kennt er den Ort – vom Sonntagsausflug oder einem Konzertbesuch –, denn er lebt mit seiner Familie schon seit vielen Jahren in Rodgau-Weiskirchen. Doch nun ist es für ihn etwas anderes,.

Aus Alsfeld im Vogelsbergkreis stammt Oliver Schäfer, Nach der Schule studierte er in Mainz Religionspädagogik, erwarb das dazugehörende Diplom. Seine erste Stelle als Gemeindereferent trat er in Büdingen in der Wetterau an. 2002 weihte ihn Kardinal Karl Lehmann zum Diakon. Danach wechselte er nach Offenbach, arbeitete 17 Jahre im Pfarreienverbund Innenstadt. Dort war er unter anderem fast zehn Jahre lang Seelsorger im Abschiebegefängnis, hat das Projekt „Kids im Nordend“ mit ins Leben gerufen und war sechs Jahre lang Dekanatsjugendseelsorger. Sehr viel hatte er zudem mit Menschen zu tun, die „wirklich arm“ sind.

An „irgendeinem Punkt“ habe er sich gedacht, er wolle seine Aufgabe noch einmal verändern, sagt er. Seine Tochter sei erwachsen, gehe inzwischen ihre eigenen Wege. Das sei doch der richtige Zeitpunkt für einen Tapetenwechsel.

Die freie Stelle in Heusenstamm war für ihn schon wegen der Nähe zu Weiskirchen interessant. Nach ersten Gesprächen war ihm klar, das wird eine völlig andere und neue Aufgabe als bisher. Und genau das scheint ihn gereizt zu haben.

Sein Büro hat der 53-Jährige im Pfarrhaus St. Cäcilia. Als Diakon hat er karitative Aufgaben, tauft, assistiert bei Trauungen, beerdigt und führt Wortgottesdienste. Aber auch die Seelsorge spielt eine wichtige Rolle. Und an der Otto-Hahn-Schule gibt er den Religionsunterricht.

Die Pfarrgruppe erlebt er derzeit als „sehr lebendig“. „Es gibt viele Kreise, die sehr aktiv sind, aber auch ihre Eigenständigkeit betonen“, schildert er seine ersten Eindrücke. Und er begegne hohen Erwartungen. Die er ein wenig zu dämpfen versucht: „Ich werde nicht eine ganze Stelle als Gemeindereferent erfüllen und zusätzlich Diakon sein können.“ Seine Vorgängerin Anne-Katharina Poppe hatte eine ganze Stelle als Gemeindereferentin.

Ein großes Thema der nächsten Zeit werde sicherlich der sogenannte Pastorale Weg sein, ist sich Oliver Schäfer sicher. Gemeint ist damit die künftige Entwicklung der katholischen Kirche im Bistum Mainz, zu der auch die Zusammenlegung von Pfarrgemeinden zählt.

Privat widmet sich Schäfer nicht nur seiner Familie. Die Kampfsportart Ju-Jutsu hat es ihm angetan. In Offenbach trainiert er unter anderem Erwachsene. Er hofft, dass ihm dafür auch weiterhin genügend Zeit bleibt. Außerdem spielt er gern Gitarre, Folk-Musik zum Beispiel: „Ich bin ein Fan von Bruce Springsteen.“ Gemeinsam mit seiner Frau wandert er gern in der Natur. Und er liest „querbeet alles von Fachliteratur bis Stephen King“.

Fragt man ihn nach seinem Motto für seine Aufgaben, zitiert er aus Kapitel 12 des Briefs von Paulus an die Römer den Satz 15: „ Freut euch mit den Fröhlichen und weint mit den Weinenden!“ Kein Kirchengesetz, keine gewohnte Ordnung sei wichtiger als der Mensch, der einem in seiner Not begegnet. Auch wenn man bei manchen „die 13 auch mal gerade sein lassen muss“. Und: „Kirche darf sich nicht um sich selbst drehen, sondern um die Menschen, die ihr anvertraut sind.“
VON CLAUDIA BECHTHOLD

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