Ortskern

Häuser vor dem Abriss retten

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Die Schlossstraße mit ihren Fachwerkhäusern steht längst unter Denkmalschutz. Doch nicht nur diese Gebäude sollen erhalten bleiben.

Heusenstamm - Bausünden kommen immer wieder vor, auch in Heusenstamm. Doch während man in den 60er und 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts dazu neigte, alte Häuser abzureißen, weiß man deren Wert heutzutage besser zu schätzen. Von Claudia Bechthold

„Geraden zum Beispiel bei den Fachwerkhäusern in der Unnergass sind wir heute froh, dass wir diese noch haben“, sagt auch Bürgermeister Peter Jakoby über die gedrungenen, oft stockwerkweise Gebäude in der Schlossstraße.

Bausünden will die Stadt also vermeiden – vor allem eben im alten Ortskern. Aus diesem Grund haben die Stadtverordneten schon vor einiger Zeit beschlossen, eine sogenannte „Erhaltungssatzung“ aufzustellen. Jetzt hat der damit beauftragte Diplom-Ingenieur Ulf Begher von der Planungsgruppe Darmstadt einen entsprechenden Entwurf vorgelegt, der gestern Abend den Stadtverordneten im Bauausschuss vorgelegt und erläutert worden ist.

„Neuer alter Ort“

Gerade die alten Gebäude prägen das Stadtbild und machen es interessant, meint der Bürgermeister. Und das gelte nicht nur für den so genannten alten Ort zwischen Schloss und Torbau. Das gelte auch für den Stadtteil südlich der Frankfurter Straße, von Heusenstämmern gern „neuer alter Ort“ genannt. So nennt der Verwaltungschef die Häuser entlang der Bürgermeister-Kämmerer-Straße als gutes Beispiel.

Doch mit der Satzung geht die Stadt sogar noch weiter. Sie soll im Westen bis zu den Grundstücken an der Erzbergerstraße gelten, auch ein Stück Schillerstraße, Schönbornstraße und den unteren Teil der Hohebergstraße einbeziehen. Denn gerade in diesem Quartier steht so manche Villa aus der Gründerzeit oder dem Jugendstil. Besucher der jüngsten Ausstellung des Heimat- und Geschichtsvereins konnten dies eindrucksvoll bewundern.

Beide Seiten der Schlossstraße unter Denkmalschutz

Östlich der Bahn begrenzen Friedrich-Ebert-Straße und Mozartstraße das Gebiet im Süden, das Ende der Bebauung zu den Bieberauen hin im Osten. Im Norden endet die Satzungs-Zuständigkeit östlich der Bahnlinie am Neuen Weg, westlich an der Frankfurter Straße.

Zwar gelten zumindest für Teile dieses Gebietes schon andere baurechtliche Eingriffsmöglichkeiten für die Verwaltung. Doch dies reiche nicht aus, erläutert Peter Jakoby. So stehen zum Beispiel beide Seiten der Schlossstraße als Gesamtanlage ohnehin unter Denkmalschutz. Und für den Teil des neuen alten Orts zwischen Frankfurter Straße und Paulstraße gibt es einen Bebauungsplan.

Außerdem gilt schon lange eine Gestaltungssatzung für den größten Teil des Ortskerns. Damit kann die Verwaltung auch ein Wort mitreden, wie ein Gebäude aussehen soll, wenn es neu errichtet oder umgebaut werden soll. Doch eines können all diese Vorschriften nicht: Den Erhalt eines Hauses, das für das Stadtbild wichtig ist, sichern.

Aus diesem Grund, davon sei der Magistrat überzeugt, der den Entwurf jetzt in die Gremien gab, bestehe öffentliches Interesse an einer Erhaltungssatzung. „Wenn wir nicht aufpassen, sehen unsere Häuser bald alle gleich aus, weil wir sie dämmen“, warnt der Bürgermeister.

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