Programm „Demokratie leben“: Junge Menschen an Politik beteiligen

Parlament für Jugendliche

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Eine Ecke, in der man klettern und balancieren kann, zählte zu den Wünschen, die Kinder während einer großen Gestaltungsaktion für den Spielplatz zwischen Düne am Galgen und Hohebergstraße äußern konnten. Diesem Wunsch wurde entsprochen.

Heusenstamm - Am Bundesprogramm „Demokratie leben – Aktiv gegen Rechtsextremismus, Gewalt und Menschenfeindlichkeit“ nehmen 261 Kommunen teil. 29 dieser Gemeinden liegen in Hessen, sechs in Stadt und Kreis Offenbach. Von Claudia Bechthold

Heusenstamm ist seit eineinhalb Jahren Mitglied dieser „Partnerschaft für Demokratie“. Ein Jugendforum gibt es bereits in Heusenstamm. Es entstand aus einem der ersten Projekte des Programms „Demokratie leben“, mit dem jungen Leuten aus der Schlossstadt eine Fahrt nach Berlin ermöglicht wurde, deren Ziel es war, ihnen politische Abläufe in der Bundeshauptstadt näher zu bringen. In der Folge haben die Mitglieder dieses Forums unter anderem Projekte im Jugendzentrum der Stadt initiiert. Doch daraus soll nun mehr werden. Möglichst noch in diesem Jahr soll in Heusenstamm ein Kinder- und Jugendparlament ins Leben gerufen werden.

Kommune und Arbeiterwohlfahrt (Awo) arbeiten bei „Demokratie leben“ eng zusammen. Britta Müller von der Stabsstelle Integration der Stadt und Mario Englert von der Awo veranstalten und koordinieren die einzelnen Projekte. Im vergangenen Jahr gab es nicht nur verschiedene Vorträge, sondern vor allem Theater-Aktionen an Schulen (wir berichteten). Lehrer der Adolf-Reichwein-Schule engagieren sich schon jetzt für die Fortsetzung dieser Aktion nach 2019, wenn das Bundesprogramm endet. Sie erachten diese Aktion als besonders wertvoll für ihre Schüler. Das Theater des Vereins „Creative changes“ versuchte mit theaterpädagogischen Inhalten, die Schüler direkt zu beteiligten und sie zu gewaltfreien Lösungen zu motivieren. Insgesamt 34.000 Euro wurden 2017 dafür ausgegeben.

Vorerst „nur“ 26.000 Euro stehen derzeit für das gerade begonnene Jahr für Heusenstamm bereit. Dies sei aber nur für das erste halbe Jahr gedacht, versichert Britta Müller. Sobald der Bundeshaushalt beschlossen sei, werde auch Geld für das zweite Halbjahr bereit gestellt.

Kindern und Jugendlichen wolle man mehr Chancen geben, sich an Entscheidungen in Heusenstamm zu beteiligen, betont Bürgermeister Halil Öztas: „Überall wird über Politikverdrossenheit geklagt. Ich denke, dies hat viel damit zu tun, dass die Menschen gar nicht wissen, wie Entscheidungen entstehen und wie in einer Kommunalverwaltung gearbeitet wird.“ Deshalb wolle man vor allem jungen Menschen die Chance geben, diese Abläufe besser kennen zu lernen.

Schon zweimal konnten in der Schlossstadt die Nutzer solcher Anlagen mitreden, als diese geplant wurden: bei der 2009 eröffneten Skateranlage im Kultur- und Sportzentrum Martinsee und beim Spielplatz zwischen Düne am Galgen und Hohebergstraße. Vor allem für den Spielplatz hatte es 2014 eine große Aktion gegeben, an der Schul- und Kita-Kinder beteiligt wurden. Nicht alle Wünsche des Nachwuchses konnten damals verwirklicht werden – meist aus Sicherheitsgründen. Dennoch weicht die Gestaltung dieses Treffpunkts bis heute von der „üblicher“ Spielplätze ab.

Bilder: Mittelaltermarkt in Heusenstamm

Doch solche Beteiligungen sollen nicht zur einzigen Arbeit für ein Kinder- und Jugendparlament werden. „Die Hessische Gemeindeordnung räumt jungen Menschen das Recht zur Beteiligung an Entscheidungen, die sie betreffen ein“, erläutert Öztas. Dazu muss es allerdings einen Beschluss der Stadtverordnetenversammlung geben.

Der Bürgermeister hofft, etwa Mitte des Jahres, dem Stadtparlament einen entsprechenden Antrag vorlegen zu können. Wird dies beschlossen, müssten erst einmal Wahlen stattfinden, um festzulegen, welche Kinder und Jugendlichen die Interessen ihrer Altersgenossen in diesem neuen Gremium vertreten sollen. Danach müsste sich diese Institution konstituieren. Sicher sei schon jetzt, dass Kinder von der vierten Klasse an Mitglied werden können. Öztas: „Denn ein Zehnjähriger hat doch ganz andere Interessen als ein Sechzehnjähriger.“

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