Peter Jakoby zehn Jahre Bürgermeister

Gestalter mit Schokolade

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Die Bebauung des Sportplatzes Alte Linde mit Wohnhäusern und Supermarkt ist eines von Jakobys wichtigen Projekten.

Heusenstamm - 33 Jahre als Stadtverordneter hatte er bereits hinter sich, als er zum 1. Januar 2004 das Amt des Bürgermeisters antrat. Zehn Jahre steht Peter Jakoby (CDU) nun an der Spitze der Heusenstammer Verwaltung. Grund genug für einen Rückblick und Ausblick. Von Claudia Bechthold 

Als jüngste Stadtverordnete waren sein Parteifreund Lothar Fella und er 1972 als 22-Jährige ins Kommunalparlament eingezogen. Eine hauptamtliche politische Karriere hatte Peter Jakoby aber nicht geplant. Die Werbung war das Metier, in dem er sich einen Namen machen wollte. Und so hat er eine ganze Weile überlegt, als er 2003 mit der Frage konfrontiert wurde, ob er nicht für die Nachfolge von Josef Eckstein kandidieren wolle. Vor allem mit seiner Frau Brigitte hat er sich beraten, denn in seiner Firma hatte er eigentlich einen „Vertrag bis 65“. Und schließlich hatte er noch zehn bis 15 Jahre Arbeitsleben vor sich. „Ja“ gesagt hat er dann, weil er „etwas bewegen“ wollte: „So eine Stadt bietet für Kreativität ein ganz anderes Potential und auch eine andere Nachhaltigkeit als die Werbung, die letztendlich irgendwann mal im Papierkorb landet“, sagt er.

Nicht gerechnet hatte der heute 63-Jährige dabei allerdings mit den Mühlen der Verwaltung. Plötzlich habe er jeden Tag eine Fülle von Unterschriftsmappen auf dem Schreibtisch gehabt. „Da hab ich oft gedacht, hoffentlich ist das alles auch in Ordnung.“ Peter Jakoby ist ein Macher. Er liebt es, etwas voran zu bringen, etwas zu verändern. Nicht umsonst lautete seine Wahlwerbung „Gestalten statt verwalten“. Das Gestalten, das hat er gelernt. Und das macht er gern. Und er liebt es, wenn er dann Erfolge feiern kann, wenn das Neue gelingt. Darauf ist er dann auch stolz. Und das verheimlicht er auch nicht.

„Keine Angst vor Entscheidungen“

So sieht sich der Bürgermeister gern: Peter Jakoby (Mitte) bei der Übergabe einer Wärmebildkamera an die Feuerwehr.

Er steht gern im Mittelpunkt, daraus macht er gar keinen Hehl. Den „Onkel mit der Schokolade“ nennt er sich manchmal, wenn es etwa darum geht, anderen deutlich zu machen, wer den Löwenanteil trägt an den Kosten für die Kinderbetreuung zum Beispiel – wobei er sich damit nicht persönlich meint. Oder wer die Ideen für etwas hatte. Aber wenn etwas nicht so läuft wie er sich das vorgestellt hat, dann kann er auch mal laut werden. Wirklich nachtragend aber ist er nur, wenn man ihn enttäuscht.

Angst vor Entscheidungen dürfe man nicht haben, wenn man Bürgermeister werden will, warnt er. Und seinen Wählern wolle man nach Ablauf der Amtsperiode sagen können, dies und jenes habe ich vor der Wahl versprochen, und nun auch erfüllt. „Da hatte ich Glück“, sagt er heute, zum Beispiel, als ihm der auf Altbau--Sanierung spezialisierte Architekt Hans Mathis über den Weg gelaufen ist. Mathis sei genau der Richtige gewesen für den Umbau des Bahnhofs, den dieser gemeinsam mit Karl Wolf erneuert hat. Den Platz davor hat die Stadt renovieren lassen.

16 Bebauungspläne in zehn Jahren

Doch das war längst nicht das einzige Projekt, das schon am Anfang seiner Amtszeit anstand. So mussten weitere historische Gebäude erhalten, quasi vor dem Verfall bewahrt werden. In Rembrücken war viel zu tun, etwa mit der ehemaligen Sozialstation, die man heute als Haus der Begegnung kennt. Doch dort waren zunächst die Erneuerung der Kanalisation und ein Rückhaltebecken an der Reihe – viel Geld, das im Boden verschwindet. Der Dorfplatz vor der Alten Schule und die Ortsdurchfahrt kamen später dazu. „Rembrücken ist ein richtiges Schmückkästchen geworden“, freut er sich selbst.

16 Bebauungspläne wurden während der vergangenen zehn Jahre auf den Weg gebracht. Baugebiete wie jenes südlich der Hohebergstraße oder an der Alten Linde realisiert. Auch Einzelprojekte wie der Umbau eines alten Tankstellen-Geländes an der Frankfurter Straße zum Parkplatz oder die Nutzung des alten Tivoli-Geländes als neues Wohnhaus für Senioren zählen dazu. Der Umbau des Schwimmbades. Und natürlich der riesige Um- und Ausbau der Kinderbetreuung von U3 bis zum Schulkind. Die Liste ist lang.

Das alles, betont Peter Jakoby immer wieder, habe nur mit einer funktionierenden Verwaltung wirklich klappen können. Diese bedurfte allerdings auch erstmal eines Umbaus. Manchmal frage er sich, woher er all die Kraft genommen habe, sinniert er beim Blick zurück. Von seiner Frau Brigitte sicherlich, die ihm oft den Rücken frei hält. Die Mitarbeiter haben auch Anteil daran, weil sie mitziehen. Und die vielen Menschen, denen er begegnet, mit denen er sich austauschen kann.

Mittelaltermarkt im Schloss

Mittelaltermarkt im Schloss

Zwei Jahre läuft die aktuelle Amtszeit noch. Und es gibt noch einige Projekte, die er abschließen möchte. Den Umzug des Bauhofs zum Beispiel, die Verbesserung der Infrastruktur für das Ostend. Die Kinderbetreuung werde sicher weiter ein Schwerpunkt bleiben. Und die Wirtschaftsförderung, die schon mehrfach herbe Rückschläge einstecken musste. „Der Weg hat Spaß gemacht“, sagt Jakoby, „und mir persönlich viel gebracht“. Und was ist in zwei Jahren? „Schau’n wir mal“, meint er lächelnd.

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