Platz für 912 Post-„Schüler“

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Postbildungszentrum ist der Komplex am nördlichen Rand Heusenstamms längst nicht mehr.

Heusenstamm - Das Wohnheim mit 912 Einzel- sowie sechs Doppelzimmern, die beiden Schulen mit 62 Unterrichtsräumen sowie die Mensa mit mehr als 500 Sitzplätzen und die Sporthalle: Das Bildungszentrum der Post, der heutige Campus, bestimmt das Bild Heusenstamms mit. Von Claudia Bechthold

Heute sind es genau 40 Jahre her, dass der Grundstein für das rund 80 Millionen Mark teure Projekt feierlich gelegt wurde. Knapp dreieinhalb Jahre hat es nach dem 15. September 1972 noch gedauert, bis sich die ersten Postler und Fernmelder dort weiterbilden lassen konnten. Am 5. Mai 1976 wurde das Zentrum offiziell in Betrieb genommen. Und heute sind Post- und Fernmeldeschule längst Vergangenheit.

Alles genaustens dokumentiert

Ganz genau hat Richard Lill, Leiter der Verwaltungsabteilung des Bildungszentrums, die Planung, Errichtung und Eröffnung der Campus-Gebäude in einem Heft aus der Reihe „Hessische Postgeschichte“ dokumentiert. Bis hin zu den ersten Seminaren mit der jeweiligen Zahl der Teilnehmer ist die Historie genau festgehalten.

Hans Staab, ein Heusenstammer, war damals Präsident der Oberpostdirektion Frankfurt. Er dürfte großen Anteil daran gehabt haben, dass sich die Deutsche Bundespost, die sie damals noch war, für die Schlossstadt entschieden hat. Wobei zumindest die Postschule schon seit 1954 im Schönbornschen Schloss untergebracht war. Dem Grafen Schönborn hat auch das mehr als 120 000 Quadratmeter große Stück Wald gehört, das die Post für den Bau erworben hat.

Arbeitsplätze wurden geschaffen

Aber auch der damalige Bürgermeister Hans Hemberger dürfte großes Interesse am Bau des Postbildungszentrums gehabt haben. Zum einen wurden Arbeitsplätze geschaffen. Zum anderen brachte es regelmäßig viele Menschen in die kleine Stadt, die zum Beispiel dem Handel Umsatz bescherten. Und schließlich haben sich auch etliche Familien im damals gerade wachsenden Heusenstamm angesiedelt.

Längst ist das Bildungszentrum Geschichte. Die Gebäude gehören seit 2004 einem Investor, wurden aber von der Deutschen Telekom zurückgemietet. Diese wird dort vertreten von der Corpus Sireo Asset Management Commercial. Aus Einzelzimmern für Weiterbildungshungrige des gehobenen Post- und Fernmeldedienstes sind längst Büros geworden. Und zu den Nutzern des Komplexes zählt die Telekom, so dass auch heute noch ein wenig vom Wind derer durch die Räume bläst, die den Bau einst errichten ließen.

Und in der Edelstahl-Kassette, die in den Grundstein eingemauert wurde, schlummert eine Offenbach-Post vom 15. September 1972.

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