Statistik für 2020

Kriminalität: Heusenstamm an dritter Stelle – Goldhändler treibt Zahlen hoch

Die Video-Überwachung am Bahnhof hat zum Rückgang bei den Fahrraddiebstählen beigetragen.
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Die Video-Überwachung am Bahnhof hat zum Rückgang bei den Fahrraddiebstählen beigetragen.

Platz drei der Kriminalstatistik geht an die Schlossstadt Heusenstamm. Über 1000 Straftaten zählt die Polizei dort insgesamt, davon hat ein Großteil jedoch mit einem Goldhändler zu tun.

Heusenstamm – „Durchaus zufrieden“ ist Erster Polizeihauptkommissar Harry Keckeis mit den Zahlen der Kriminalitätsstatistik 2020 für die Schlossstadt. Und dies, obwohl Heusenstamm bei der sogenannten Häufigkeitszahl im gesamten Zuständigkeitsgebiet des Polizeipräsidiums Südosthessen nach Offenbach und Hanau an dritter Stelle steht. Diese nennt die Anzahl der registrierten Fälle errechnet auf 100.000 Einwohner. Für Heusenstamm stehen da 5 513 Fälle.

Doch erschrecken sollte bei dieser Zahl niemand. Denn tatsächlich wurden „nur“ 1 045 Straftaten erfasst. Und auch diese Zahl ist weniger besorgniserregend, als es zunächst den Anschein erweckt. „Darin enthalten sind 515 Betrugsdelikte“, erläutert Harry Keckeis. Und diese sind zu einem sehr großen Teil auf das Betrugsverfahren rund um den ehemals in der Schlossstadt ansässigen Goldhändler PIM zurückzuführen. Wie berichtet, wird den Verantwortlichen inzwischen vor dem Landgericht Darmstadt der Prozess gemacht.

Und wie schon vor einem Jahr von Harry Keckeis vermutet, haben im vergangenen Jahr noch mehrere Hundert geprellter Kunden Anzeige erstattet. Das fließt in die Statistik ein, zählt aber zu den geklärten Fällen. Und so liegt die Aufklärungsquote bei den Betrugsdelikten bei 96,9 Prozent.

Heusenstamm: Kriminalitätsstatistik – Schlossstadt im Trend des Kreises Offenbach

Insgesamt liege Heusenstamm mit leicht rückläufigen Kriminalitätszahlen im Trend des Kreises Offenbach, betont der Leiter der Polizeistation am Frankfurter Weg. Leicht gestiegen – von zehn auf 18 – sind die Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung.

Zwölf dieser Fälle gelten als geklärt: „Das sind oft Beziehungstaten“, erläutert Harry Keckeis. Außerdem werde auf diesem Gebiet inzwischen intensiver ermittelt und es gebe bessere technische Möglichkeiten. Um gut elf Prozent gesunken ist die Zahl der Rohheitsdelikte (von 103 auf 91), dazu zählen Raub und Körperverletzung.

Kriminalitätsstatistik Heusenstamm: Diebstahlzahlen sind rückläufig

Ebenfalls rückläufig sind die Zahlen bei Diebstählen. Einbrüche werden zur Rubrik „Diebstahl unter erschwerenden Umständen“ gezählt. Auch diese Zahlen sind, zumindest bei den Wohnungen, leicht gesunken – von 38 auf 35 Fälle. Um zwei auf 15 Fälle gestiegen sind, trotz der Pandemie, die Tageswohnungseinbrüche, und von 14 auf 20 Delikte die Einbrüche in Büro-, Lager- oder Werkstatträume.

In den Zahlen zu jenen Diebstählen steckt übrigens auch der gescheiterte Versuch, den Geldautomaten einer Bank an der Frankfurter Straße zu sprengen. Wie berichtet, hatten die Täter im Februar vergangenen Jahres zunächst in Höhe der Beethovenstraße Mülltonnen auf die Fahrbahn der Frankfurter gerollt und angezündet – vermutlich, um der Polizei den Weg abzuschneiden. Dann hatten sich am Geldautomaten der Bankfiliale am Bahnübergang zu schaffen gemacht. Vertrieben wurden sie vermutlich von der Feuerwehr, die aus der entgegengesetzten Richtung angerückt war, um die Flammen zu löschen.

Sehr erfreut ist Harry Keckeis zudem über den Rückgang bei den Fahrraddiebstählen von 66 auf 28. Die Video-Überwachung am Bahnhof habe dazu sicher einen Teil beigetragen, meint er. Aber auch die Tatsache, dass immer mehr Menschen teure E-Bikes hätten und diese besser sichern. (Claudia Bechthold)

Trotz sinkender Fallzahlen war Heusenstamm schon im Vorjahr auf Platz vier von 43 Städten und Gemeinden in der Kriminalstatistik. Das hatte schon damals einen speziellen Grund.

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