Kulturtage auf der Theaterbühne

Im Portal der Wahrheit

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Die Wundergläubigen der Musiktheater-AG am Gymnasium schauen durch Wunderbrillen, die Rebellen an der Seite sind rational orientiert.

Heusenstamm - Statt einzelner Aufführungen, die für sich stehen, hat das Adolf-Reichwein-Gymnasium (ARG) Kulturtage unter dem Titel „Arg schön!“ gebündelt. „So bekommen wir für ein paar Tage Theaterfeeling“, meint Lehrerin Sina Kuhlins, die dafür mitverantwortlich ist. Von Sonja Drücke

Das Adolf-Reichwein-Gymnasium hat jetzt Kulturtage. An drei Tagen haben Schüler drei Stücke je zweimal aufgeführt. „Einfach wunderbar“, „Mind Blowing – werden wir manipuliert?“ und „Woyzeck – zwischen Wut und Wahnsinn“ heißen die Werke, die zum ersten Teil dieser Kulturtage nun präsentiert wurden. Eine weitere Aufführung wird es im Mai zum Thema Zeit geben. Mit einem Sommerkonzert im Juni werden die Kulturtage dann beendet.

Albert Einstein hat gesagt: „Es gibt zwei Arten, sein Leben zu leben: entweder so, als wäre nichts ein Wunder, oder so, als wäre alles eines. Ich glaube an Letzteres.“ Mit diesen gegensätzlichen Positionen beschäftigten sich die Schülerinnen und Schüler der Musiktheater-AG seit Beginn des Schuljahres. Unter dem Titel „Einfach wunderbar“ zeigten sie nun, was sie schauspielerisch und musikalisch können. Gleichzeitig regten sie dabei die Zuschauer an, sich selbst über „Wunder“ klar zu werden.

„Wirklich, unfassbar, natürlich, durcheinander, einzigartig und richtig.“ Mit diesen Worten stiegen die jungen Talente in die Vorführung ein – Worte, deren Anfangsbuchstaben das Thema des Auftritts bilden. Aber auch das Wort kommt oft im Sprachgebrauch vor: Wundertüte, Wunderkerze, wunderschön. Was aber sind eigentlich Wunder und gibt es sie wirklich? Daran zweifeln die Wunderrebellen, die eine ausschließlich rationale Sicht auf die Dinge haben. Sie betonen immer wieder: „Wunder sind reine Fantasie.“

Ob mit Gesten, Worten oder Liedern, die teilweise selbstkomponiert sind, belehren sich Wunderbefürworter und Wundergegner gegenseitig immer wieder eines Besseren. Unterstützt werden sie dabei vom Streicherensemble „Young Strings“ unter der Leitung von Werner Fürst und dem Chor der AG. „Bist du ein Wunderkind oder für Wunder blind?“, singen sie in ihrem finalen Lied und kommen zu dem Schluss, dass jeder seine eigene Vorstellung hat. Der Glaube an Wunder kann aber die Hoffnung stärken, dass alles möglich ist.

„Schokolade erregt Krebsleiden“ – ist das wahr oder gelogen? Nicht jeder Schlagzeile darf blindlings Glauben geschenkt werden. Fake News sind überall zu finden. Soziale Medien bieten eine gute Plattform, falsche Nachrichten schnell und weit zu verbreiten. Die Gefahr, die von ihnen ausgeht, und wie am besten damit umgegangen wird, war Thema des Theaterstücks „Mind Blowing – werden wir manipuliert?“, das Schüler der neunten Klassen im Wahlpflichtfach Darstellendes Spiel einstudiert haben.

„Wahrheit und Wirklichkeit sind sehr komplizierte Dinge“, stellt das Institut „Fuck Fake News“ fest. Diese imaginäre Einrichtung steht im Zentrum des Stückes. Seine Aufgabe ist es, Fake News aufzudecken, richtig zu stellen und in korrekter Form weiter zu verbreiten. Doch wie erkennt man falsche und richtige Nachrichten? Bei einer Fragerunde konnte das Publikum seine Fähigkeiten in dieser Hinsicht unter Beweis stellen.

Generell baute die Vorstellung auf der Interaktion mit dem Publikum auf. So wurden alle Zuschauer durch ein Portal der Wahrheit geschickt, um zu sehen, wer schon einmal gelogen hat. Die Darbietung der Neuntklässler überzeugte das Publikum. „Das ist sehr real“, bewertet Zuschauerin Birgit Barthel das Thema. „Es ist wichtig, alles gut zu hinterfragen“, findet sie daher den richtigen Weg, mit Nachrichten aller Art umzugehen. Die Aufforderung „Macht mit!“ am Ende des Stücks wird gewiss jedem ein Anliegen geworden sein, kritisch auf Nachrichten zu reagieren.

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