Profis für Kommunikation

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Cornelia Comitini, Reimund Schnitzer und Monika Heberer (von links) leiten die geschäfte in Heusenstamm.

Heusenstamm - Reges Treiben herrscht in dem großen Büro in Heusenstamm. Überall wird telefoniert. Auf den Bildschirmen der Mitarbeiter von digital-dialog erscheinen bunte Tabellen. Von Marc Kuhn

Dann beantworten sie Fragen ihres Gesprächspartners am anderen Ende der Leitung. „Interessant ist auch die Alterstruktur“, sagt Roy Reinelt. „Hier arbeiten Mitarbeiter aller Jahrgänge“, erklärt der Marketingfachmann des Callcenter-Betreibers. Seit mehr als zehn Jahren ist das Unternehmen am Markt. Es gehört nicht zu jenen, die Verbraucher mit Werbebotschaften und ähnlichem am Telefon nerven.

Vielmehr hat sich digital-dialog auf die Kommunikation zwischen Firmen spezialisiert. Der Erfolg gibt den Heusenstammern recht. Etwa 8,5 Millionen Euro würden im Jahr erwirtschaftet, berichtet Geschäftsführer Reimund Schnitzer, zuständig für die Finanzen. Gegründet wurde digital-dialog im Jahr 2000 unter anderem von Monika Heberer, verantwortlich für den Vertrieb, und Cornelia Comitini, die das operative Geschäft leitet. Damals boten sie als erste in Deutschland Kommunikation auf allen Kanälen - über Telefon, Fax, E-Mail und Post - an. Heute ist das Standard in der Branche.

Eine der Topfirmen in der Branche

Mehr als 4000 Unternehmen seien im Callcenterverband organisiert, erläutert Reinelt, der sich in der Organisation engagiert. Der Wirtschaftszweig wachse. Im vergangenen Jahr wurde ein Umsatz in Höhe von etwa 4,5 Milliarden Euro erwirtschaftet. Mittlerweile seien rund 500.000 Menschen dort angestellt, 2006 seien es erst etwa 300.000 gewesen, erklärt Reinelt.

Rund 10.000 Zulieferer verdienen ihr Geld mit den Callcentern. Gemessen am Umsatz pro Mitarbeiter gehöre digital-dialog zu den Top-30-Firmen der Branche, sagt Reinelt. Das Unternehmen habe sich national durchgesetzt. Ihre Kunden würden nicht nur im Rhein-Main-Gebiet, sondern auch in Berlin, München, Stuttgart und sogar in Italien sitzen.

„Wir nabeln uns von den schwarzen Schafen ab“, erklärt Schnitzer. Seine Firma würde keine Lose verkaufen. „Wir haben so etwas nicht gemacht, wir werden so was auch nicht machen.“ Stattdessen zählten beispielsweise namhafte Finanzdienstleister zum Kundenkreis. Schnitzer berichtet: „Banken haben uns mit den Worten gelobt: Sie sind ein echtes Vorzeige-Callcenter.“

Zwei Millionen Anrufe pro Jahr

Die Mitarbeiter in Heusenstamm seien neben den Banken auf Versicherungen, die Autoindustrie und Energieversorger spezialisiert, berichtet Heberer. Termine organisiert digital-dialog für sie, Informationen über Tarifänderungen werden weitergegeben, Probefahrten vereinbart, Kunden werden über ihre Zufriedenheit befragt und teilweise wird der komplette Service übernommen. Für Banken werde sogar Geld transferiert, sagt Schnitzer. „Wir arbeiten auf den Datenbanken der Kunden“, fügt Heberer hinzu. Mehr als zwei Millionen Anrufe würden von Heusenstamm aus pro Jahr getätigt.

Im Jahr 2002 sei ein Callcenter in Langenfeld bei Düsseldorf gegründet worden worden, in dem mittlerweile etwa 200 Menschen angestellt seien, erklärt der Geschäftsführer weiter. Von dort werde ein reines Verlagsgeschäft betrieben. Für die Rheinische Post, den Bonner General Anzeiger und die Westdeutsche Zeitung würden beispielsweise Anzeigen und Beschwerden angenommen. Wenn bei der Postbank zu viele Anrufe bei der Hotline eingehen, werden sie an das Callcenter von digital-dialog umgeleitet. So solle vermieden werden, dass die Anrufer lange in Warteschleifen ausharren müssten, berichtet Comitini.

Wirtschaftskrise gut überstanden

Die Heusenstammer sind in ihren Callcentern auf qualifiziertes Personal angewiesen und legen Wert auf eine gute Ausbildung, wie Heberer sagt. Bei der Ausgestaltung des Berufsbildes „Kaufmann für Dialogmarketing“ hätte digital-dialog mitgeholfen. Schwierigkeiten haben sie, Stellen zu besetzen. Das Image der Branche schrecke manchen ab, erklärt Schnitzer. Er betont, dass seine Firma ordentliche Gehälter zahle. „Mindeslöhne sind kein Thema für uns“, sagt Comitini. „Wir wären froh, wenn andere die zahlen würden.“ Das Unternehmen biete Chancen in der Region, „auch wenn wir im Osten reicher werden würden“, berichtet Schnitzer und verweist auf Subventionen und Zuschüsse, die dort gezahlt werden.

In der Wirtschaftskrise habe sich digital-dialog „ziemlich gut über Wasser gehalten“. Zwar habe es auch Einbußen gegeben, berichtet Schnitzer. Der Callcenter-Betreiber habe aber davon profitiert, dass Firmen Aufgaben ausgelagert hätten. „Im Augenblick sind wir mit der Auslastung sehr zufrieden“, sagt Schnitzer.

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