Prozess gegen Dietzenbacher

70-Jährige bei Einbruch fast umgebracht

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Nicht nur die Bieberauen (unser Bild) hatten Beamte der Bereitschaftspolizei nach der Tat nach Spuren durchsucht.

Heusenstamm - Nach einem langen Indizienprozess sind im Fall des Einbruch-Überfalls auf eine Rentnerin in der Bleichstraße am achten Verhandlungstag die Plädoyers gesprochen worden. Von Silke Gelhausen-Schüßler 

Das Urteil musste allerdings auf den 18. Februar verschoben werden, weil die elfte Strafkammer des Landgerichts Darmstadt gestern noch zwei weitere Sitzungen zu bewältigen hatte. So bleibt für den 48-jährigen Dietzenbacher Beschuldigten weiterhin alles offen. Er beteuert nach wie vor seine Unschuld, die Verteidigung fordert Freispruch. Komplett entgegengesetzt würdigt Staatsanwalt Dirk Schillhahn dagegen das Geschehen. Er sieht den Anklagevorwurf voll bestätigt und verlangt achteinhalb Jahre Gefängnis wegen versuchten Mordes aus Habgier und zur Verdeckung einer Straftat. Der bislang unbescholtene Familienvater soll am 12. Oktober 2012 bei der damals 70-jährigen Dame über die offene Balkontür in die Wohnung eingedrungen sein, um zu klauen. Als das Opfer den Täter überraschte, schlug ihr dieser fünf Mal mit einem stumpfen Gegenstand auf den Kopf, dann flüchtete er mit ihrer Geldbörse. Die Rentnerin erlitt ein offenes Schädelhirntrauma, sitzt seitdem im Rollstuhl und lebt im Pflegeheim.

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Während der Staatsanwalt sein Plädoyer nach 30 Minuten beendet hat, nimmt sich Verteidiger Andreas Bruszynski die dreifache Zeit, um Schillhahns Gesamtschau der Indizien zu entkräften. Eines von einem knappen Dutzend Anhaltspunkten sind die Faserspuren, die auf dem Fahrersitz des Angeklagten gefunden wurden. Die stammen laut LKA eindeutig vom lilafarbenen Bademantel des Opfers, mit dem sie in ihrem Blut liegend gefunden wurde. Da der Dietzenbacher aber sechs Wochen vor der Tat schon einmal in der Wohnung der Dame war, um einen Balkonsichtschutz zu montieren, könnten diese auch daher stammen: Die Rentnerin rauchte regelmäßig auf ihrem Balkon - manchmal auch im Bademantel. Dazu die Analyse des Rechtsanwalts: „Um die Fasern abzubekommen, braucht es keinen direkten Kontakt mit der Person. Bei einem solchen hätten im Übrigen laut Gutachterin wesentlich mehr als zwei Fasern auf dem Autositz gefunden werden müssen!“

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Eindeutig entlastend erscheint auch die Tatsache, das sonst keine Spuren im Auto gefunden wurden. Bruszynski: „Wenn man mit einem Hammer mehrmals in eine blutende Wunde schlägt, dann spritzt das Blut nur so. Wie erklären Sie sich, das trotz der massenhaften Beschlagnahmung von Beweismitteln kein einziger Blutkrümel bei meinem Mandanten gefunden wurde?“

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