Acht Jahre Haft für Juwelenräuber

Heusenstamm/Darmstadt - „Acht Jahre sind das unterste, was für Raimondas B. noch vertretbar ist.“ So beschloss Richterin Ingrid Schroff am Landgericht Darmstadt ihre Urteilsbegründung im Prozess um drei Überfälle auf Juweliergeschäfte in Berlin und Heusenstamm. Von Silke Gelhausen-Schüßler

Überdies ordnete sie für den 43-jährigen Angeklagten die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt an, allerdings nicht vor, sondern erst nach Verbüßung der Haftstrafe.

Wesentlich milder kamen die drei Komplizen davon. Sie müssen sich „nur“ für den einen versuchten schweren Raub verantworten, der am 11. März auf die Heusenstammer Goldschmiede stattfand. Durch lautes Geschrei sorgte die Angestellte P. damals für ein Scheitern des Beutezugs, nach dessen Flucht alle vier von der alarmierten Polizei geschnappt wurden.

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Brutaler Raubüberfall vor Gericht

Vitalijus J. (37) wurde zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt, Egidijus P. (24) und Marius A. (21) erhielten Bewährungsstrafen von einem Jahr und neun Monaten, beziehungsweise eineinhalb Jahren wegen Beihilfe. Sie wurden von Vitalijus J. mit falschen Versprechungen nach Deutschland gelockt und zur Mittäterschaft genötigt. Als Pluspunkte verbucht Schroff ihre weiße Weste und geständige Einlassung, negativ dagegen die Folgen für P. Sie leidet immer noch an Angstzuständen.

Geständnis am zweiten Verhandlungstag

Auch die beiden Überfälle in Berlin am 20. Oktober 2009 (Beutewert 74.000 Euro) und am 5. Oktober 2010 (Beutewert 40.000 Euro) hinterlassen traumatisierte Opfer. Der Angestellte K. wurde mit Mullbinden gefesselt, Inhaber G. mit einer Pistole vor den Kopf geschlagen und mit Spanngurten an den Verkaufstresen gefesselt. Er trug eine Nasen- und Augenhöhlenfraktur davon, die ihm bis heute Probleme bereitet. Die unbekannten Mittäter sind weiterhin flüchtig, dürftige DNA-Spuren am Tatort konnten mit relativ hoher Wahrscheinlichkeit Raimondas B. zugeordnet werden.

Nach anfänglichem Schweigen legte B. am zweiten Verhandlungstag ein umfangreiches Geständnis ab, welches den Verdacht der Spurensicherung bestätigte.

B. ist seit über 25 Jahren drogenabhängig und wurde bereits 1986 das erste Mal wegen Beschaffungskriminalität vorbestraft. Lange Zeit war der litauische Staatsbürger im organisierten Milieu zu Hause, hat sich dort eigenen Angaben zufolge wohl gefühlt und sich dem ganz bewusst zugewandt. Gutachter Dr. Peter Haag macht keinen Hehl aus der kriminellen Karriere von B.: „Sein Wort gilt unter Gefangenen in der JVA.“ Zur verminderten Schuldfähigkeit reiche die Opiatabhängigkeit nicht aus, da der Angeklagte keine tief greifende Bewusstseinsstörung vorweise. Lediglich von einer Enthemmung während der Straftaten könne die Rede sein.

Das letzte Wort nutzte der schwer kranke B., um seine Einsicht nochmals zu untermauern: „Ich bin schuldig und werde mich bemühen, eine erfolgreiche Therapie zu machen.“

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