Mit Qualität überzeugt

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Zweitklässler der Adalbert-Stifter-Schule lassen sich von Mitarbeitern des „Esswerks“ das Mittagsmahl aushändigen. Geschäftsführer Mike Gräf, Schulleiterin Christiane Knickel und Bürgermeister Peter Jakoby sind mit dem Angebot des Esswerks sehr zufrieden.

Heusenstamm ‐ Fröhliches Geschrei kündigt die Zweitklässler aus der Schulkindbetreuung an. Vor der geöffneten Glastür verharren sie und warten gespannt die Anweisungen der Rektorin ab. Von Michael Prochnow

In der Mensa sollen sie in die Kamera lächeln, was mit einem Probierteller Spagetti belohnt wird. Mit dieser „Trophäe“ zieht die Gruppe vergnügt zurück in ihre Räume im Altbau. Seit März diesen Jahres erhalten Kinder und Lehrerinnen der Adalbert-Stifter-Schule das Mittagessen von der „Esswerk gemeinnützige Integrationsgesellschaft“.

Mit Bürgermeister Peter Jakoby und Schulleiterin Christiane Knickel zog Mike Gräf, der Geschäftsführer des „Esswerks“, eine Zwischenbilanz des Konzepts. Es wird getragen von Menschen mit sozialen Beeinträchtigungen und psychischen Erkrankungen, die vom Offenbacher Verein Lebensräume betreut werden. Einige von ihnen aus der Tagesstätte in Hausen begannen im Jahre 2006 mit der Essensausgabe sowie mit dem Reinigen von Geschirr und Tischen im städtischen Hort am Schloss und in der Kita Rembrücken.

Das Angebot wurde gut angenommen, resümierte Gräf, so dass der Service auf alle drei Grundschulen und die städtischen Kitas in der Schlossstadt ausgeweitet wurde. Etwa ein Dutzend Mitarbeiter ist an jedem Standort tätig. „Die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ist dabei der Leitgedanke der Beschäftigung“, betont der Geschäftsführer. Das „Esswerk“ habe sich zu einem Dienstleistungsunternehmen mit Komplettservice entwickelt. Derzeit seien 180 Personen an rund 40 Schulen, Cafeterien, Kiosken, Kindereinrichtungen und in einer Betriebskantine beschäftigt.

Täglich werden mehr als 1000 warme Mahlzeiten in drei Großküchen frisch zubereitet. Dabei beachten die Köche die Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung, warb Gräf. „Wir kochen nach der ,Bremer Liste' für eine ausgewogene Ernährung in Schulen und Kindergärten.“

Dabei verwende der zertifizierte Betrieb ausschließlich Produkte aus biologischem Anbau. „Wir erledigen alles aus einer Hand und erfüllen mit Hilfe von Fremdanbietern auch besondere Wünsche.“ Die Speisepläne stehen im Internet, und online kann auch bestellt und bezahlt werden. Die Mitarbeiter werden zwischen einem und fünf Tage pro Woche zwei bis acht Stunden in der Essenszubereitung beschäftigt, bei der Ausgabe, als Bürohelfer oder Kassierer. Mike Gräf kann sich für die Zukunft auch Kollegen mit körperlichen Handicaps vorstellen.

„Die Welt hat Einzug gehalten in die Schule“, fasst Jakoby zusammen. So könnten die Einrichtungen „ein Erlebnis anderer Art“ vermitteln, freut sich der Bürgermeister, vermisst jedoch die Unterstützung durch das Land. Bei einer Ganztagsschule würde Wiesbaden die Kosten für den Mittagstisch übernehmen. Nach anfänglichen „schwierigen Diskussionen“ laute die Lösung nun „Kommunikation statt Berührungsängste“. Pädagogin Knickel stimmt zu, Schule sei kein isolierter Raum und für die Schüler sei das Personal in der Mensa längst ein „Teil der Gesellschaft“.

Bedenken hatten zunächst nur einige wenige Mütter und Väter geäußert. „Die Eltern wollen informiert sein“, lernte die Leiterin und möchte das Schulprofil transparent machen. In der Mensa überzeuge die Qualität durch regionale und vollwertige Produkte. Die Benutzer würden freundlich bedient, müssten nicht lange warten und pflegten oft einen regen Kontakt mit den Leuten vom „Esswerk“. Christiane Knickel schließt, „jeder Mensch hat seinen Platz im Leben“.

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