Von Räubertöchtern und Robotern

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Arbeiten mit „Ronja Räubertochter“: Das Buch von Astrid Lindgren diente den Fünftklässlern als Vorlage für mehrere Aufgaben.

Heusenstamm ‐ Vorbei die Zeiten, in denen Viertklässler kommentarlos auf die nächste Förderstufe überwiesen wurden. Heute müssen und sollen Eltern und Kinder individuelle Entscheidungen treffen. Die Adolf-Reichwein-Schule (ARS) besticht mit einem durchdachten und engagierten Profil. Von Michael Prochnow

Sie bietet zudem die einzige Orientierungsstufe rund um Offenbach und zieht daher auch zahlreiche Schüler aus den Nachbarstädten an. Was die Einrichtung außer einem an erkannten und erfolgreichen pädagogischen Konzept noch zu bieten hat, das zeigten Lehrkräfte mit ihren Klassen am Wochenende bei einem „Tag der offenen Tür“.

Einen Schwerpunkt legt die ARS auf eine qualifizierte Sozialarbeit. Die Basis bildet bereits seit mehr als zehn Jahren die Schulseelsorge in der Teestube. Mit Beginn des laufenden Schuljahrs nahm die Pädagogin Silke May ihre Arbeit auf, seit kurzem lädt sie in die umgestaltete, ehemalige Hausmeisterwohnung ein. Hier starten Projekte mit Familien und Klassen, soziales Lernen wird vermittelt, demnächst laufen eine Gesundheitsförderung für Mädchen und andere Aktionen in Zusammenarbeit mit dem Jugendzentrum der Stadt.

Vitrine mit ausgestopften Tieren

Silke May bemüht sich um einzelne Schüler und lädt in den Pausen jeweils bestimmte Jahrgangsstufen ein zum Plausch und an den Tischkicker. Derzeit werden in dem Treffpunkt, den das Diakonische Werk Hessen-Nassau trägt, noch Möbel aufgebaut, die von der Stadt und privaten Spendern bereitgestellt wurden. Das Angebot eröffne eine weitere Identifikation mit der Schule, freut sich die Förderstufen-Leiterin Simone Richter, was auch Lernerfolge begünstige.

Im zuvor genutzten Raum neben der Schülerbibliothek hat jetzt Larisa Kupinic ihr Büro eingerichtet. Die Pädagogin ist Ansprechpartnerin für Jugendliche, die eine Stelle für das Praktikum suchen oder aber einen Ausbildungsplatz. Dazu nutzt die Mitarbeiterin mit der halben Stelle Kontakte zur Kompetenzagentur und zu Firmen, verwaltet Anzeigen aus den Zeitungen.

Die Haupt- und Realschule kann auch mit ihrer Ausstattung werben. Der Fachbereich Naturwissenschaften erhielt modernste Arbeitsgeräte. So bewegten Jungs der Mechatronik-AG von Schulleiter Matthias Lippert Modellfahrzeuge mit der Taschenlampe. Die Wagen sind nämlich mit einem lichtempfindlichen Sensor ausgestattet, ihr Antrieb entsprechend programmiert. Im Physik-Hörsaal machten Zehntklässler das Verhältnis zwischen Weg und Zeit bei gleichförmigen Bewegungen sichtbar.

Im Biologie-Unterricht ermöglichten Fünftklässler Seh- und Reaktionstest sowie dreidimensionale Visionen. Eine neue Vitrine mit ausgestopften Tieren weist schon im Flur auf weiteren Lehrstoff hin. Für die Chemie-Stunden hatten Schüler Wasserproben aus ihren unterschiedlichen Wohnorten mitgebracht, die sie nun analysierten und mit Mineralwasser verglichen.

Regelmäßige Kontakte zu den örtlichen Grundschulen

Heimrechner und tragbare Computern gehören mittlerweile zum Standard, stellten die Besucher fest. Förderstufen-Klassen beschäftigten sich mit den Gästen und Ronja Räubertochter, schrieben ein Kapitel weiter und malten mit Wasserfarben.

In der Aula spielte die Schulband aktuelle Hits, im Foyer verkauften Redakteure die Schülerzeitung „You fn“, Siebtklässler bereiteten ein englisches Frühstück, in der Küche bewährten sich Hauptschüler aus Klasse 7. In der Reichweinschule bereitet jeweils ein Kochkurs täglich ein Mittagessen. Auch der Kiosk wird von Schülern betrieben.

Der Förderverein hat zudem eine Hausaufgabenbetreuung organisiert – Komponenten, die für Eltern immer wichtiger werden, stellte Konrektorin Richter fest. Sie informierte auch über Förderkurse, Schüleraustausch-Programme mit Einrichtungen in England, Frankreich und Polen, Freizeit-Angebote, Schulchor und -sanitäter, Streitschlichter sowie Bus- und Bahnbegleiter.

Die ARS pflege regelmäßige Kontakte zu den örtlichen Grundschulen, was Ängste nehme, betonte die Konrektorin. Viele der jungen Gäste stellten ihren Eltern stolz die Lehrkräfte vor, die sie schon von gegenseitigen Besuchen kennen. Auch zum nächsten Schuljahr werden wieder drei 5. Klassen gebildet. In der Jahrgangsstufe 6 wird dann in Mathematik und Englisch in Kursen nach Leistung differenziert.

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