Eigentümer gewechselt

Rainbow vor Umbau: Jugendliche Flüchtlinge ziehen ein

+
Der Hotelbetrieb soll noch bis zum Ende der Frankfurter Frühjahrsmesse aufrecht erhalten werden, weil die Gäste keine Chance hätten, im Rhein-Main-Gebiet noch Zimmer zu finden.

Heusenstamm - Das Rainbow-Hotel im Seligenstädter Grund hat endgültig den Eigentümer gewechselt. Damit kann der Mietvertrag erfüllt werden, den der Kreis Offenbach mit dem neuen Besitzer abgeschlossen hat. In das Hotel werden demnächst Flüchtlinge einziehen. Von Claudia Bechthold 

Gestritten haben die beiden Kontrahenten wohl bis zum Schluss. Der bisherige Eigentümer hätte den Kaufvertrag von Ende 2014 am liebsten rückgängig gemacht. Der neue Eigentümer wollte diesen erfüllt sehen. Zumal er bereits einen Mietvertrag mit dem Kreis Offenbach abgeschlossen hatte. Am Ende landete die Auseinandersetzung vor Gericht, wo der Richter beiden Parteien wohl deutlich gemacht hat, dass letztlich alles ordnungsgemäß abgewickelt wurde und der Vertrag nun erfüllt werden müsse. Am vergangenen Freitag haben die Schlüssel für das Rainbow-Hotel dann den Besitzer gewechselt. Schon am Montag hat der neue Eigner Michael Schramm gemeinsam mit dem künftigen Träger der Einrichtung und mit Baufachleuten erstmals das Hotel besichtigt. „Wir müssen jetzt erst einmal sehen, wie die Verhältnisse dort sind, an welchen Stellen umgebaut oder saniert werden muss und in welcher Zeit dies zu schaffen ist“, erläutert Kreisbeigeordneter Carsten Müller auf Anfrage.

Derzeit sei der Druck bei jugendlichen Flüchtlingen ohne Begleitung nicht so groß, so dass man diese Maßnahme mit Ruhe angehen könne, sagt Müller weiter. Dennoch ist noch nicht sicher, wie das Hotel dann belegt werde. Gedacht ist es für 90 Jugendliche, die ohne Eltern nach Deutschland gekommen sind. Für sie gelten besondere Regeln. So erhalten sie eine enge Betreuung und sollen schnell – auch sprachlich – auf einen Stand gebracht werden, damit sie die Schule besuchen und eventuell eine Ausbildung machen können. Drei bis vier Wochen werde es sicher dauern, bis man das Hotel belegen könne, schätzt Müller ganz vorsichtig. Eventuell dauere es auch noch ein wenig länger. Zumal das Landesjugendamt in Wiesbaden eine Betriebserlaubnis erteilen müsse. Und auch die Verhandlungen über die Leistungs- und Entgeltvereinbarung mit dem Paritätischen seien noch nicht ganz abgeschlossen, berichtet Carsten Müller. Der Paritätische soll die Trägerschaft für die Einrichtung übernehmen.

Wie genau das Hotel dann belegt werden wird, ist noch offen. Müller geht zwar davon aus, dass es Jugendliche unter 18 Jahren sein werden: „Aber in diesen Zeiten wissen wir ja nicht, was sich morgen wieder ändert.“ Daher könne es im Notfall auch sein, dass „ganz normale Asylbewerber“ ins Rainbow einziehen werden. Michael Schramm hat derweil mit den Mitarbeitern des Hotels gesprochen. Diese hätten von ihm erfahren, dass das Haus nun endgültig den Besitzer gewechselt habe. Buchungen für das Hotel werde man nun absagen. Mit einer Ausnahme. Während der Frankfurter Frühjahrsmesse sei das Haus komplett ausgebucht. Da in der Region für diese Zeit wohl kaum noch freie Zimmer als Ersatz für diese Buchungen zu finden seien, hat sich das Personal bereit erklärt, bis zum Ende der Messe weiter zu arbeiten. Erlöse, die während dieser Zeit erwirtschaftet werden, möchte Schramm im Gegenzug an die Mitarbeiter auszahlen. Zudem soll „möglichst viel Personal“ übernommen werden für den Betrieb des Rainbow als Unterkunft für unbegleitete Jugendliche.

Bayern fordert Kehrtwende in der Flüchtlingspolitik

Schramm will die Umwidmung des Hauses nun schnell und konsequent durchziehen. „Ich habe mit dem Kreis Offenbach einen langfristigen Vertrag, den ich auch erfüllen werde“, verspricht er. Und da werde er auch persönliches Engagement investieren. So möchte er einige Dinge für die Unterkunft kaufen, die der Kreis nicht anschaffen kann: einen Kleinbus zum Beispiel, einen Tischfußball und einen PC-Raum.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion