Rainer Gebhard zeigt seine Anlage

18.000 Stunden an Modelleisenbahn gebastelt

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Nach einem Unfall bergen THW-Angehörige ein Auto, dahinter ist ein Sonnenblumenfeld zu sehen.

Heusenstamm - 25 Jahre lang hat Rainer Gebhard daran gearbeitet. Inzwischen ordnet er seine Modelleisenbahn-Anlage als „fertig“ ein. Das heißt aber nicht, dass nicht ständig an irgendeiner Stelle gebastelt werden muss. Von Claudia Bechthold

„Bei Tag oder bei Nacht“, fragt Rainer Gebhard schon direkt nach der Begrüßung. Bei Nacht, lautet die Antwort nach kurzer Überlegung. Man spürt, dass man seinen Nerv getroffen hat. Voller Stolz bittet er um etwas Geduld und verschwindet. Wenige Minuten später ertönt ein „jetzt“ aus dem Keller. Es ist alles vorbereitet. Wer den Raum mit der Modelleisenbahn-Anlage zum ersten Mal betritt, dürfte überwältigt sein. Es ist dunkel, aber überall leuchten kleinste Lichter, manche blinken sogar. Glockengeläut empfängt die Besucherin, Martinshörner heulen auf, dazwischen pfeift eine Lok. „Bitte behalten Sie Ruhe“, ertönt es plötzlich, „wir bereiten die Evakuierung der Gondelbahn vor“. Die Seilbahn am Berg in der Ecke des Raums ist hängengeblieben. Am Steilhang, der vom schneebedeckten Berg mit Skifahrern auf seiner Pisten in die Tiefe führt, hängt eine Seilschaft.

Nicht einmal einen halben Meter davon entfernt bewegen sich Autoskooter, ein Karussell und ein Riesenrad auf einem Rummelplatz. Daneben, in einem „verglasten“ Gebäude, tanzen Paare zu nicht vernehmbarer Musik. Auf einer Brücke „marschiert“ gerade eine Blaskapelle. Auf der anderen Seite der u-förmig errichteten Anlage steht ein großer Bahnhof im Mittelpunkt. An mehreren Gleisen stehen Züge, Menschen drängen sich auf den Bahnsteigen. „Lass mal den Süß-Zug fahren“, bittet Rainer Gebhard seinen Enkel Kai. Gemeint ist ein Güterzug, auf dessen Waggons die Werbung verschiedener Süßigkeiten klebt.

Mit seinem Enkel Kai lässt Rainer Gebhard (links) seine Modelleisenbahnen über seine etwa 20 Quadratmeter große Anlage „reisen“.

Beugt man sich ein wenig hinunter, öffnet sich der Blick auf eine U-Bahn-Station mit kleinen Geschäften auf dem Bahnsteig. „Da müssen Sie mal hinsehen“, sagt Rainer Gebhard und zeigt auf ein Gebäude mit sieben Geschossen. Innen sind Büros mit leuchtenden Computern zu erkennen und ein Aufzug, der rauf und wieder runter fährt. „Den hab ich selbst gebaut.“ Dahinter ist ein Wohnhaus, an dem die Feuerwehr löscht. Es ertönt ein leiser Knall, dann zieht Rauch aus den Fenstern. Davor ziehen ein Bus und ein Polizeiauto ihre Runden auf einer Straße. Sie halten vor roten Ampeln, der Bus zudem auch an den Haltestellen.

„Die habe ich alle einzeln festgeklebt“, zeigt der 65-Jährige auf ein Feld voller Sonnenblumen, „es sind 600“. Darunter versucht das THW ein Auto zu bergen, aus dem ebenfalls Rauch aufsteigt. Die mehr als 18.000 Stunden Arbeit, die Rainer Gebhard nach eigener Schätzung in 25 Jahren in seine Anlage investiert hat, sind sicher zu niedrig angesetzt. Da steckt vermutlich sehr viel mehr Zeit und Aufwand drin. Aber genau das ist es, was ihm Spaß macht. Sicher, seit er die Anlage für „fertig“ erklärt hat, genießt er es hin und wieder, einfach mal eine halbe Stunde am dazu gehörenden Computer zu sitzen und den Zügen beim Fahren zuzusehen. Aber ohne Basteln geht es nicht. „Als nächstes will ich das Feuerwehrhaus erneuern, das alte entspricht einfach nicht mehr heutigen Standards“, gibt er zu, dass die Arbeit an der Anlage das eigentliche Vergnügen ist. Bei dem ihm seine Frau Monika übrigens tatkräftig unterstützt. Nicht beim Basteln, das macht er allein. Aber beim Ausbau: „Ich habe irgendwo in einem Geschäft ein Zubehör gesehen, dann hab ich ihm gesagt, das brauchst du auch.“

Modelleisenbahn-Anlage von Rainer Gebhard: Bilder

Und Enkel Kai, dreizehn Jahre alt, ist ebenfalls schon dabei – „vor allem am Computer“, ergänzt sein Großvater. Denn die gesamte Anlage wird elektronisch gesteuert. Ein Zug muss einmal gestartet werden, dann sucht ihm der Computer freie Gleise und steuert ihn über die etwa 350 Meter Strecke. Und wie bei der echten Eisenbahn gibt es Signale, die die Loks stoppen oder starten lassen.

Schon als Sechjähriger hatte Rainer Gebhard seine erste Eisenbahn. „Aber die ist immer wieder entgleist“, erinnert er sich. Eines Tages bat er seinen Vater, die Anlage selbst zu Weihnachten aufbauen zu dürfen. Seitdem liefen die Züge und er war infiziert. Stolz ist er übrigens auf auf den Pater noster, der im „Untergeschoss“ verbaut ist. 24 Züge haben darin Platz und können nach Wunsch auf die Gleise geschickt und wieder geparkt werden. „Jetzt schauen Sie mal auf den Bildschirm“, zeigt er auf ein Fernsehgerät an der Wand. Und schon sieht man dort eine Fahrt aus der Perspektive eines Zuges. In einem der Waggons ist eine kleine Kamera versteckt.

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