Gert Klein schreibt über Heusenstamm und das Leben

Mit Reimen durch die Stadt

Neun Bücher fertig, noch mehr im Hinterkopf: Gert Klein in seinem Büro. Foto: schubert

Heusenstamm – Los geht es mit einer kurzen Liebeserklärung. „Heusenstamm, du schöne Stadt, die so viel zu bieten hat. Charme mit Geschichte und Kultur, in grüner Umgebung der Natur“, dichtet Gert Klein, ehe er den Leser auf eine lyrische Reise durch seine Wahlheimat mitnimmt. VON MANUEL SCHUBERT

In Versform geht es einmal quer durch die Stadt, vom historischen Ortskern vorbei an Schloss Schönborn, Marktstubb und Bannturm bis zum Wochenmarkt am Bahnhofsplatz. „Heusenstamm ist ein Gedicht“, lautet der passende Titel.

Um den Ort zu erreichen, an dem Klein die Stadt aufs Papier bringt, muss man die schmale Treppe eines Reihenhauses am Stadtrand erklimmen. Man landet in einem kleinen Büro im zweiten Stock, Dachschräge, zugezogene Jalousien, schwarzer Holz-Schreibtisch. Auf einer Kommode stehen Modellschiffe, darüber hängt eine Weltkarte, auf einem Couchtisch stapeln sich Bücher, vom Schrank lunst eine Matrjoschka-Puppe herunter.

Klein, 78, verbringt hier „mindestens fünf Stunden“ pro Tag. Er lacht. „So gehe ich meiner Frau nicht auf den Wecker.“ 2006 ging der gebürtige Kieler, der viele Jahre in der Werbebranche tätig war, in Ruhestand, seither hat er sein lebenslanges Hobby – das Schreiben und Dichten – intensiviert. Neun Bücher hat Klein weitestgehend fertiggestellt, weitere sind in Arbeit. Dieses Jahr plant er, auf die Suche nach dem passenden Verlag zu gehen. Er wolle nichts überstürzen, betont er mit kratziger Stimme. „Ich schreibe nicht des Geldes wegen, sondern weil es mir Spaß macht.“ Sein erstes Gedicht hat er im Alter von neun Jahren verfasst.

Klein, das graue Haar nach hinten gekämmt, den Kinnbart gerade getrimmt, schwarze Weste, braune Lederschuhe, lehnt sich in seinem Schreibtischstuhl zurück. Ein Gedicht müsse Emotionen wecken, sinniert er. „Das kann Trost oder Mut sein, zum Lachen oder zum Weinen bringen.“ Ähnlich vielfältig sind auch die Werke des gebürtigen Kielers, der Ende der Siebzigerjahre mit seiner Ehefrau nach Heusenstamm zog. Gedichte, Kurzgeschichten und Limericks (humoristische Fünfzeiler mit festgelegtem Reimschema) über Heusenstamm hat er verfasst, über die Apotheke am Torbau, die Buchhandlung „Das Buch“, den Metzger Ott oder über Rembrücken („das Kleinod zum Entzücken“).

Des Weiteren hat er Sprüche von König Salomo gesammelt („Ich gehöre keiner Religion an, aber sie treffen haarscharf auf die heutige Zeit zu“), ebenso skurille Horrorfilm-Rezensionen aus TV-Zeitschriften. Er hat die „Trinkerlebnisse“ zu Papier gebracht – abendliche und öfter mal feucht-fröhliche Begegnungen mit Prominenten, die er durch den Job kennenlernte – und unter dem Titel „Tanz auf dem Seil“ seine Biografie aufgeschrieben. Von 1969 bis 2002 arbeitete Klein bei Nestlé, wo er zum Marketingmanager für den Bereich Milch aufstieg, von Los Angeles bis Kopenhagen die ganze Welt bereiste und Hinz und Kunz kennenlernte.

An der Wand in seinem Büro, neben der Weltkarte, hängt ein Bild, das davon zeugt. Es zeigt ihn neben Altkanzler Helmut Kohl und dessen erster Ehefrau Hannelore, aufgenommen Mitte der Neunziger. Wo, das weiß Klein nicht mehr sicher, vermutlich auf einem von Kohls großen Kinderfesten. Vor allem Hannelore Kohl habe ihn „mit ihrer Bescheidenheit“ tief beeindruckt. „Eine fantastische Frau.“

Auch Leute wie Alfonso Prinz zu Hohenlohe-Langenburg („ein Charmeur der alten Schule“), Norbert Blüm („ein unheimlich lustiger Mensch“) oder den sowjetischen Botschafter Valentin Falin („hatte ein zurückhaltendes Wesen“) habe er getroffen. Und Schauspieler Manfred Krug, den er bei einem Werbedreh kennenlernte – „ein prächtiger Kerl“. Der frühere Hamburger „Tatort“-Kommissar, 2016 verstorben, habe ihm sogar einige selbstgeschriebene Limericks hinterlassen. Klein will sie, zusammen mit seinen eigenen und denen seines Vaters Rudolf, unter dem Titel „Die Gezeiten der Seele“ veröffentlichen.

Seine Tochter Christiane Klein-Luser ist ihm einen kleinen Schritt voraus: Vergangenes Jahr hat sie das Kinderbuch „Der Räuber Stinkematze“ herausgebracht. Gert Klein möchte dieses Jahr mit seinen ersten Veröffentlichungen nachziehen. Weitere Buchideen hat er schon im Hinterkopf. Sein Plan: „Ich will 100 Jahre alt werden, damit ich das alles schaffe.“

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