Aus für Reiter und Landwirt?

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Wenn der Reitverein zum Fest einlädt, kommen stets viele Besucher, wie etwa im vergangenen Juni.

Heusenstamm - Schon lange hat der Reit- und Fahrverein Heusenstamm sein Domizil am Waldrand nahe des Nieder-Röder Wegs. Und schon lange werden die Gebäude, die dort stehen, geduldet. Das soll nun vorbei sein. Von Claudia Bechthold

Eigentümer Markus Wöhl liegt eine Abrissverfügung bis April 2013 vor. Nicht nur für den Reitverein würde dies das Aus bedeuten – auch Landwirt Markus Wöhl sieht seine Existenz in Gefahr.

Die Ställe am Waldrand stehen schon viele Jahre. Das Gelände gelte als Ackerland, sagt Wöhl. Als er das Grundstück gekauft hat, waren die Gebäude schon da. Und immer seien sie geduldet worden. Doch damit sei es nun vorbei. Bis April nächsten Jahres müsse alles abgerissen sein.

Immer wieder habe es Gespräche gegeben, sagt Markus Wöhl. Zum letzten Mal im Frühsommer. Aber zu einer Einigung sei es nicht gekommen. Eine Duldung für weitere drei Jahre habe man ihm danach noch angeboten. Aber, „das ist für mich keine Perspektive“, sagt der Haupterwerbslandwirt. „Ich muss noch 30 Jahre arbeiten. Da muss ich längerfristig denken.“ Denn die „Pferdepension“ sei ein Teil seines Betriebs.

Zehn Hektar Wiese gehören zu seinem Land. Die produzieren Heu, das genutzt oder verkauft werden will. Ein großer Teil seiner Heuernte geht an den Reitverein. Mit dem kleineren Rest beliefert er noch einen weiteren Reitstall, zudem gebe es Einzelabnehmer. Vom Reitverein hat er im Gegenzug den Pferdemist zum Düngen der Felder erhalten.

30 Pferde haben Platz in den Gebäuden auf dem Grundstück. 20 Pferde, allesamt Tiere, die Mitgliedern des Reitvereins gehören, stehen derzeit dort. Auch für den Reit- und Fahrverein würde der Abriss des Gebäudes das Ende bedeuten.

Drei Betriebszweige hat Markus Wöhl in seiner Landwirtschaft. Gemüseanbau, Getreide und Heu. Wenn er für das Heu keinen Abnehmer mehr habe, könne er seine Existenz auf lange Sicht nicht halten. Nicht in den nächsten zwei bis drei Jahren könnte der Betrieb dann zusammenbrechen, aber auf lange Sicht bestimmt. „Ich kann ja nicht einfach eine Schweine- oder Rinderzucht aufmachen; das würde auch gar nicht nach Heusenstamm passen“, sagt der 39-Jährige. Seit mehreren Generationen lebt seine Familie von der Landwirtschaft.

Die Gespräche mit den Behörden bestätigt auch Bürgermeister Peter Jakoby auf Anfrage. Eine Lösung des Problems könne er nicht aus dem Ärmel ziehen, betont er. Zumal dabei nicht nur Baurecht, sondern auch Vorschriften der Unteren Naturschutzbehörde zu beachten seien. So müsste das Gelände erschlossen, Wasser und Abwasser gelegt werden.

Wie es nun weitergeht, ist offen. Gegen die Abrissverfügung sei Widerspruch eingelegt, bestätigte Ursula Luh von der Kreisverwaltung in Dietzenbach gestern auf Anfrage.

Und für Samstag, 22. September, lädt der Reit- und Fahrverein Heusenstamm von 12 bis 16 Uhr zu einem Tag der offenen Tür auf das Gelände am Nieder-Röder Weg ein. Für die Kleinen wird Ponyreiten angeboten, für die Großen Informationen.

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