Bauarbeiten geplant

Rembrücker Straße: Tunnel für Frosch und Kröte

Heusenstamm - Jedes Jahr, wenn die Temperaturen allmählich von Winter auf Frühling umschalten, sind sie unterwegs: Viele Helfer tragen meist im März und April am frühen Morgen Kröten und Frösche über die Rembrücker Straße, damit diese ihren Laichplätze erreichen. Damit soll nun bald Schluss sein. Von Claudia Bechthold 

Es ist mitunter ein mühsames „Geschäft“. Jahr für Jahr im Frühling drängen Frösche und Kröten an die Orte ihrer eigenen Geburt, um dort einer neuen Generation ihrer Art das Leben zu schenken. Und da der Instinkt der Tiere weder Straßen noch Autos kennt, den Weg aus dem Wald zum Laichgewässer aber sehr wohl, müssen ihnen die Menschen helfen, damit sie nicht in den sicheren Tod hüpfen.

Entlang der Rembrücker Straße werden daher jedes Jahr mobile Schutzzäune errichtet, die den Tieren den Weg auf die Fahrbahn verwehren. Gleichzeitig graben die Helfer Eimer in den Boden entlang dieser Zäune, in die die Kröten dann geraten. Und jeden Morgen tragen Menschen dann die Tiere über die Straße, um sie am Schermsee, dem Ziel der Amphibien, wieder auszusetzen.

Doch das könnte in diesem Jahr die letzte Aktion dieser Art werden. Denn es sollen – voraussichtlich im zweiten Halbjahr – Tunnel für die Tiere unter die Fahrbahn gebaut werden. Das bedeutet allerdings auch, dass die Rembrücker Straße zwischen Martinseekreisel und dem Stadtteil Rembrücken vermutlich im Spätsommer oder Frühherbst für acht bis neun Wochen halbseitig gesperrt wird. Denn die Fahrbahn muss aufgerissen werden, um die Röhren dort verlegen zu können. Geplant sind vier bis fünf Röhren auf einer Länge von etwa 300 Metern.

Die Kosten für diese Baumaßnahme in Höhe von etwa 180.000 Euro werden, das versichert Bürgermeister Halil Öztas auf Anfrage, zu hundert Prozent gefördert. Der größte Teil des Geldes stammt aus einem Naturschutz-Topf. Einen kleineren Teil trägt die Fraport AG bei.

Es sei eine interessante Amphibienpopulation, die in den feuchten, artenreichen Wäldern am Sportzentrum Martinsee lebe, heißt es in einer Pressemitteilung der Stadt. In diesem Frühjahr wird die Wanderung aus den feuchten Martinsee-Waldbiotopen zum Schermsee wie schon in den Vorjahren von der Heusenstammer Ortsgruppe der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) und der Stadt gemeinsam betreut.

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Dabei gilt es diesmal auch, die Wege der Kröten, Frösche und Molche noch einmal genau zu beobachten, um im Anschluss die Hauptrouten zu kennen. Erst dann kann die Baumaßnahme geplant und anschließend ausgeschrieben werden.

Für diese sich über mehrere Wochen hinziehende zeitaufwändige Aktion, die nur durch die zuverlässige und fachkundige Betreuung durch die SDW-Ortsgruppe gut gelinge, werden nun noch freiwillige Helfer und interessierte naturverbundene Menschen gesucht. Wer Näheres über diese Aktion erfahren und mithelfen möchte, ist willkommen zum ersten Treffen am Freitag, 26. Januar, um 15 Uhr am Parkplatz vor dem Eingang zum Kultur- und Sportzentrum Martinsee, Martinseestraße 2.

Dort wird zunächst ein Zeitplan erstellt. Anschließend gibt es einen Rundgang durch das Martinseewäldchen bis zum Kiesabbaugelände Martinsee und zurück. Der Biologe und Amphibienexperte Dr. Andreas Malten begleitet die Aktion und steht für Fragen zur Verfügung. Das Ende der Veranstaltung ist für 16.45 Uhr geplant. Nähere Auskünfte bei der Stadtverwaltung Hans-Peter Löw (Tel.: 06104/607-1340).

Rubriklistenbild: © Klau s-Dietmar Gabbert/dpa

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