Rennigishausen taucht wieder auf

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Immer wieder bleiben Radler und Spaziergänger am Ausgrabungsort stehen.

Heusenstamm - Heimlich, still und leise ist er am Ausgraben einer Überraschung, der Trupp von Kreisdenkmalpflegerin Gesine Weber. Direkt neben der alten Brücke über den Bieberbach zwischen Heusenstamm und dem Patershäuser Hof tauchen nach wenigen Grabungstagen schon klare Konturen einer ehemaligen Mühle auf. Von Reinhold Gries

Der berühmte Heimatforscher und Bodendenkmalpfleger Karl Nahrgang hatte sie im Kartenwerk „Landschaftentwicklung des Kreises“ von 1963 noch selbst eingezeichnet. Die Karte stellt das Kreisgebiet auch im Jahre 1750 dar.

In der Flurkarte 4/143 zum Jahr 900 findet man das zugehörige kleine Dorf Rennigishausen oder Reinigishausen südlich des ebenfalls untergegangen Dorfes Bellingen, dem nachbarlichen Vorläufer des späteren Heusenstamm. Immerhin war nach dem 816 letztmals erwähnten Bellingen die ganze Mark im Maingau benannt. Und nun findet man schon bei der ersten Orientierungsgrabung dickwandige Feldsteinfundamente, die einen direkten Bezug zur benachbarten Wüstung Rennigishausen haben, noch 1220 als Dorf im Lorscher Klosterbesitz erwähnt.

Deutlich kann man schon nach wenigen Tagen der Grabungen an der Bieber die Grundmauer der ehemaligen Mühle von Rennigishausen erkennen.

Die Mühle am Bieberbach blieb davon übrig; sie ist 1385 genannt und zum letzten Mal 1576, stand wohl aber noch bis ins 18. Jahrhundert.

Archäologin Weber jedenfalls weiß zu berichten, dass auch Scherben aus dem 15. und 16. Jahrhundert gefunden wurden. Aber sie bleibt in ihrer Bewertung vorsichtig und lässt auf einem eingeschweißten Info am Wegesrand mitteilen: „Schätze werden wir hier keine finden.“

Wer weiß das jetzt schon so genau. Sie hofft von nahe an der archäologischen Grabungsstätte Vorbeilaufenden oder -fahrenden - bei aller berechtigter Neugierde - auf Rücksicht: „Bitte nicht betreten.“

Eigentlich hat sie schon einen Schatz gefunden, auf den sie durch eine Bodenradarmessung aufmerksam wurde. Nach Ostern will sie die Grabung mit Hochdruck in die Tiefe treiben, wenn sie sich mit der Stadt Heusenstamm über das weitere Vorgehen besprochen hat. Bei den jetzt schon klar erkennbaren Grundmauern ist es kaum vorstellbar, dass man diese raren Zeugnisse eines alten Ortes einfach wieder zuschüttet. Aber man gräbt hier am entsprechend benannten „Mühlwäldchen“ mitten im feuchten Landschaftsschutzgebiet, wo andererseits erst kürzlich wieder Bäume für die dort verlaufenden Hochspannungsleitungen fallen mussten.

Problematisch ist auch die südliche Mühlenwand, die weit auf den befestigten Fahrrad- und Wanderweg hineinragt und kaum durch ein rotweißes Band abzusperren ist. Aber vielleicht fällt ja der Unteren Denkmalbehörde oder der Stadt Heusenstamm etwas ein, zumal man mit dem in Sichtweite liegenden ehemaligen Kloster und heutigen Hofgut Patershausen etwas Passendes zu bieten hat. Anderswo macht man aus solchen Funden kleine „archäologische Parks“.

Das einst zwischen Heusenstamm und Patershausen gelegene Dorf Rennigishausen ist laut Heimatforscher Karl Nahrgang nach der Gründung des Klosters Patershausen 1252 „wüst gegangen“, also verlassen worden, weil die Bewohner sich im Umfeld des Zisterzienserinnenklosters ansiedelten. Die Rennigishausener Mühle bestand jedoch noch Jahrhunderte weiter. Weitere Einzelheiten kann vielleicht auch die Ausgrabung der Kreisdenkmalpflegerin klären, wenn man entsprechendes Material zu Tage fördert.

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