Stadt versteigert 22 Fund-Fahrräder

Reparaturen inbegriffen

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Thomas Goniwiecha (rechts) nimmt die Gebote entgegen.

Heusenstamm - Einmal im Jahr versteigert das Ordnungsamt Fahrräder und Nippes. Für die Stadt eine kleine Einnahme, für die Kundschaft ein Event.

„30 zum ersten, 30 zum zweiten. Und? 30 zum dritten!“ Wer am Samstag den Hof des Hammerhauses an der Schlossstraße passierte, konnte Ungewöhnliches vernehmen: Thomas Goniwiecha von der Stadt leistete den Kollegen Amtshilfe und versteigerte lautstark Fahrräder. Solche, die im vergangenen Jahr im Stadtgebiet gefunden oder im Fundbüro abgegeben worden sind. Richtiger Schrott werde vorher aussortiert, erläutert Stefanie Makaryk vom Ordnungsamt. Viele andere Stücke schaffen es auf die Bühne der Versteigerung. Insgesamt 22 Exemplare. Auch wenn an manchen einiges zu reparieren ist oder gar ganze Teile, wie Sattel fehlen. „Muss man halt ein wenig mehr im Stehen treten“, sagt Goniwiecha.

Mindestens ein halbes Jahr müssen die Sachen nach gesetzlicher Pflicht gelagert werden, so Makaryk. Eigentümer, die sich eines Besseren besinnen und ihre Gegenstände im Fundbüro abholen, müssen mittels Rechnung oder bei Diebstahl mit der Strafanzeige nachweisen, dass sie die rechtmäßigen Eigentümer sind. „Größtenteils werden die Räder nicht abgeholt“, kann Makaryk die Anzahl der Versteigerungsgüter beziffern. Die Daten der Käufer werden aufgenommen. So kann der eigentliche Eigentümer, der sein Eigentum nie aufgegeben hat, dieses auch wieder zurückzufordern. Der Kauf der Räder kann sich also zum Vabanquespiel entwickeln.

Eine Dame ersteigert ein Kinderrad. „Da muss man was machen“, erklärt sie der Tochter, die am liebsten gleich aufsteigen würde. „Reifen und so“ müssten erst instand gesetzt werden, so die Mama. „Aber für zehn Euro ist das völlig ok“, betont sie. Goniwiecha outet sich als Entertainer. Nur wer gut anpreisen kann, bekommt die Dinge auch für einen Wunschwert los. Die Menschenmenge um ihn herum staunt, amüsiert sich. „Meine Stimme macht nix mehr. Aber Hauptsache, sie haben Spaß“, feixt er krächzend mit dem Publikum.

Andere scheinen den Kauf gewerbsmäßiger zu sehen. Klappen beim Bezahlen ein Bündel Geldscheine auf. Die Ersteigerer zahlen direkt in bar. Und können die Sachen gleich mitnehmen. Schön anzusehen ist ein Holland-Rad. „Da kommen die Retros“, raunen zwei Männer im Publikum. Das Ding ist begehrt. Für 70 Euro geht es weg.

Schätzchen ist ein Mountainbike. „Auf dieses Stück haben sie doch alle gewartet“, unkt Goniwiecha. Man merkt: viele haben es tatsächlich darauf abgesehen. „Ich warte auf das Fahrrad“, sagt einer und deutet mit dem Kinn auf das Stück. Ein anderer telefoniert, outet sich als Mittelsmann. Es werden die Merkmale des Bikes durchgegeben. „Da bleiben wir gleich bei Zehnerschritten“, sagt Goniwiecha. Bei 85 Euro stockt es ein wenig. 110, 150 Euro. Nach den Rädern kommen Kleinigkeiten unter den Hammer. Turnschuhe, ein Edel-Sweater, Herrenhemden und vier Uhren.. Die meisten Bieter sind da schon weg. (dh)

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