Robotertanz mit Dialekt

Trio „Die hessisch Dreidabbischkeit“ sorgt für Unterhaltung auf der Bühne am Bannturm

„Ich geh’ allaa zum Ebbelwei“: Mit hessischem Dialekt setzt die Dreidabbischkeit die Lachmuskeln in Bewegung.
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„Ich geh’ allaa zum Ebbelwei“: Mit hessischem Dialekt setzt die Dreidabbischkeit die Lachmuskeln in Bewegung.

Gibt es einen Bembel nach dem Tod?“ Was einen waschechten Hessen wie Rainer Weisbecker eben so umtreibt. „Gibt es Kultur nach der dritten Welle?“ – diese Überlegung bewegte Veranstalter Martina und Thomas Hartmann. Während die Gastgeber bislang mit wortreichen Entschuldigungen alles abgesagt haben, was laufen könnte, lädt die Heusenstammer Agentur „echt Hartmann“ nun zu zwei Dutzend hochkarätigen Auftritten an sechs Spielstätten zwischen Alzenau, Seligenstadt und Büdingen ein. Die Auswahl in der Schlossstadt startete mit der „Dreidabbischkeit“.

Heusenstamm – „In dem Trio verbergen sich neben Weisbecker, die eine Hälfte des „Ersten allgemeinen Babenhäuser Pfarrerkabaretts“, Clajo Hermann, und Stefani Kunkel alias „Hilde aus Bornheim“. Die Besetzung setzt also eingängige Sprachkenntnisse des rheinhessischen Idioms voraus, über die der gemeine Heusenstammer – an der Lacher-Frequenz gemessen – verfügt. Hilde schildert ihre Reise nach Heusenstamm, das sie trotz Stau und Navi gefunden hat.

Topaktuell hat sie sich mit dem „autogenen Fahren“ auseinandergesetzt, und Hilde kann auch Roboter. Zum Scharnierquietschen bewegt sie Kopf und Glieder ruckartig im Hip-Hop-Rhythmus. Weisbecker schluchzt mit Gitarre und Mundharmonika sein „furchtbar trauriges Liedche’“, das erzählt, wie er als Kind zum hessischen Nationalgetränk kam. Wie er „ganz allaa vorm Weihnachtsbaum“ saß: „Ich krieh’ mein traurig Lebe’ net uff die Reih’, ich geh’ allaa zum Ebbelwei.“ Der Niederräder „Bluesbub’“ beherrscht auch die Konzertina.

Hermann baut auf Situationskomik. So hat er, der mit seinem Jahrgang ‘55 kokettiert, sich bei der Polio-Impfung ob des süßen Zuckerwürfels gleich zweimal angestellt. Ausführlich und aufgebracht schildert er einen Waldorfschüler, der sich im Auto vor der Ampel „erstmal auf die Farbe einlässt“, seine Freunde anruft und eine WhatsApp-Gruppe zur Grün-Erfahrung bildet. Das bringt einen, für den die Playstation noch der Sandkasten war, freilich auf die Palme. Künstlich regt er sich über Geschlechtsgenossen auf, die mit 65 „nochmal Babba wern“ wollen und über „krümmungsfreie Bananen“.

„Ohne staatliche Hilfe geht’s nicht“, verdeutlicht Martina Hartmann an der „doppelten Schachbrett-Bestuhlung“, die nur 120 Besucher zulässt. Machbar sei Kultur jetzt nur, weil Familie und Freunde anpacken. Folgt die vierte Corona-Welle mit weiteren Einschränkungen, müssen die Vorstellungen zum Teil erneut verschoben werden, erklärt die Organisatorin. Die „Dreidabbischkeit“ hätte bereits vor einem Jahr auftreten sollen. (Von Michael Prochnow)

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