Nach Sturmtief „Egon“ wird Kritik am System zur Einsammlung von Verpackungsmüll laut

Säcke sind Entsorgern lieber

Heusenstamm - Sturm „Egon“ in der Nacht zum vergangenen Freitag hat in Sachen Verpackungsmüll ganz Arbeit geleistet. Von Claudia Bechthold 

Er trieb die damit befüllten Gelben Säcke nicht nur vor sich her, er ließ sie auch gegen Hindernisse prallen, so dass die dünne Kunststofffolie aufreißen und den Inhalt freigeben musste. Das löst nun wieder einmal eine Debatte aus: Tonne oder Plastiksack? Matthias Post ärgert sich. Seit vergangenem Freitag fliegen überall in der Stadt ausgediente Verpackungen und die Reste zerfetzter Gelber Säcke durch die Gegend beziehungsweise sie liegen herum. Der Heusenstammer weiß, das ist keine Absicht, sondern eine Folge von Sturmtief „Egon“, das in der Nacht von Donnerstag auf Freitag auch über Heusenstamm gebraust ist. Die hohe Anzahl zerfetzter Säcke hat vor allem damit zu tun, dass in einem der beiden dafür vorgesehenen Bezirke ausgerechnet der Freitag Abholtag für den Verpackungsmüll war. Die Anwohner hatten die Säcke also vor ihre Häuser gestellt. Zudem hatte die mit der Abfuhr beauftragte Firma Remondis am Donnerstag wegen einer Panne den anderen Bezirk nicht komplett bedienen können.

Für Matthias Post ist dieses Ärgernis allerdings Anlass für die Nachfrage, warum man in Heusenstamm das System nicht auf Tonnen umstellt. „Das wäre doch viel hygienischer“, sagt er. Denn oft würden die Gelben Säcke bis zur Abholung im Freien oder in Holzverschlägen gelagert. „Das Ergebnis ist, dass die dünne Plastikfolie von Mäusen angefressen wird“, berichtet er. Stünden die Säcke dann zur Abholung meist über Nacht am Straßenrand, machten sich auch noch die Raben daran zu schaffen. „Das ist doch einfach unhygienisch.“ Ein weiterer Punkt sei der Umweltaspekt: „In Supermärkten und Kaufhäusern werden die Plastiktüten abgeschafft, aber nicht für den Verpackungsmüll.“ Das sei doch eigentlich ein Widerspruch.

Ob Tonnen oder Säcke, das sei die Entscheidung des Unternehmens, das mit der Entsorgung des Verpackungsmülls beauftragt sei, erläutert Erster Stadtrat Uwe Michael Hajdu auf Anfrage. Finanziert werde dies in jedem Fall über die entsprechenden bundesweiten Verträge, nicht über die Müllgebühren, die in der Schlossstadt zu bezahlen seien. Die Stadt gebe im Grunde nur die Rollen mit den Säcken aus.

Zuständig für den Kreis Offenbach ist derzeit das in Pegnitz ansässige Unternehmen Belland-Vision, eine Tochter des privaten Entsorgungsunternehmens Suez Deutschland, das seinerseits zum französischen Konzern Suez Environnement zählt. Im Kreis Offenbach, so berichtet Belland-Vision-Sprecher Philipp Saar auf Anfrage, gebe es nur in Dietzenbach, Langen und Rodgau Tonnen für den Verpackungsmüll. In allen anderen Kommunen würden die Gelben Säcke genutzt. Zudem sei eine Umstellung nicht ganz einfach, weil zur Leerung andere Fahrzeuge benötigt würden. Alle drei Jahre werde die Abholung neu ausgeschrieben, der jüngste Vertrag habe erst zu Beginn dieses Jahres seine Gültigkeit erhalten und laufe nun bis Ende 2019. „Alles wird besprochen mit der Rhein-Main-Abfall GmbH sowie mit dem zuständigen Mitarbeiter der Stadt Heusenstamm.

Sturmtief "Egon" sorgt für Chaos

Gleichzeitig betont Philipp Saar, dass den Entsorgern der dünne, leicht durchsichtige Sack grundsätzlich lieber sei als die Tonne. So gehe die Einsammlung sehr viel schneller als bei Tonnen. Vor allem aber sei die sogenannte Fehlwurfquote viel geringer. „In den Tonnen liegen oft Dinge, die dort nicht hinein gehören“, berichtet der Unternehmenssprecher. Und diese fänden die Mitarbeiter meist zu spät. Bei den Säcken könne man schon von außen sehen, ob Fehlwürfe enthalten seien. Ein wenig Hoffnung in Sachen Tonne statt Sack kann Philipp Saar dennoch machen. Bundesweit werde derzeit über die Einführung einer Wertstofftonne diskutiert, in die nicht nur Verpackungen, sondern auch andere Wertstoffe geworfen werden können.

Rubriklistenbild: © dpa

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