„Auflagen bremsen Ehrenamt“

Sängerkreis für Stadt und Kreis tagt in Heusenstamm

+
Uneingeschränktes Vertrauen setzt die Basis des Sängerkreises Offenbach in die Führungsriege um Siegfried Roet (Mitte).

Heusenstamm - Inhaltlich und personell haben die Delegierten des Sängerkreises Offenbach die Weichen für die nächsten zwei Jahre gestellt. Von Harald H. Richter

Für die jährliche Hauptversammlung hatte der Dachverband der Chöre und Geangvereine diesmal den Saal für Vereine in der Schlossstadt ausgewählt. 101 Delegierte aus 68 Mitgliedsvereinen in Stadt und Kreis Offenbach wurden zunächst vom Gemischten Chor der gastgebenden Sängervereinigung musikalisch im Saal für Vereine begrüßt. Der Sängerkreis Offenbach gehört mit seinen mehr als 3100 erwachsenen Aktiven und mehr als 600 Kindern und Jugendlichen in 142 Chören beziehungsweise Chorgruppen zu den größten im Land. „Sie alle haben das kulturelle Leben auf vielfältige Weise bereichert“, stellt Vorsitzender Siegfried Roet und erwähnt vor allem das seit 20 Jahren erstmals wieder veranstaltete Wertungs- und Beratungssingen in Ober-Roden als beeindruckenden Leistungsnachweis sowie die Nacht der Chöre in Hausen, die vom Publikum großartig angenommen worden sei.

Roet schlägt auch kritische Töne an. „Wenn man weiß, dass noch nie so viel gesungen wurde wie heutzutage, und dass das Singen als solches positiv wahrgenommen wird, haftet dem Gesang im Verein ein mitunter verstaubtes Image an.“ Es müsse wohl hausgemacht sein. „Wir wollen als moderner Verband den Vereinen nach Kräften helfen, dass sich das ändert, und auch die Kommunikation verbessern.“ Das bedinge die Bereitschaft der Vereine, diese Hand zu ergreifen. Roet: „Doch wem sage ich das? Die es betrifft sind augenscheinlich heute nicht hier.“ Als ermutigend bewertet der Vorsitzende, dass die Aktion „Gesund durch Singen“ und eine Aufkleber-Kampagne Neugier und Interesse bei den Menschen weckte. Auch gebe es tolle Chorprojekte. So sorgten etwa die Vereine Reine Männersache Zellhausen sowie die Frauen der Frohsinn-Chöre Ober-Roden für frischen Wind durch unkonventionelle Initiativen. „Ihnen fällt etwas ein und sie bekommen Zulauf. Das ist nachahmenswert.“

Bedauerlich nennt Roet, dass Veranstaltungen und Feste für die Allgemeinheit durch immer mehr Auflagen befrachtet würden, Verordnungen und Vorgaben daher das Engagement vieler Ehrenamtlicher Menschen ausbremsten. Manche Vereine resignierten bereits und verzichteten auf die Ausrichtung öffentlicher Feierlichkeiten. „Einerseits ist das Ehrenamt der Kitt der Gesellschaft, auf der anderen Seite greift das Finanzamt den Vereinen bis in die letzte Schublade. Das passt nicht zusammen!“ Sollten Kulturschaffende ihre Aktivtäten einstellen, brächen trübe Zeiten an. Die Delegierten bestätigen ihren bisherigen Vorsitzenden Siegfried Roet (Hainburg) einstimmig im Amt. Ihm zur Seite steht in neuer Stellvertretung die Heusenstammerin Ute Hermsdorff. Sie tritt die Nachfolge von Hugo Graf (Rödermark) an, der nach 14-jähriger Tätigkeit in mehreren Vorstandsfunktionen nicht mehr im Gremium vertreten ist. Mit der Verleihung des „Werner-Como-Preises“ wird ihm für seine herausragenden Verdienste eine besondere Ehrung zuteil. Er ist nach Ehrenkreischorleiter und Musikkapellmeister Bernhard Seelbach erst der zweite Empfänger dieser Auszeichnung.

Konzert der Schulen aus Münster und Eppertshausen

Geschäftsführer bleibt Peter Kerbsties aus Hainburg, Beisitzer sindie bisher Brigitte Hutz (Frankfurt), Astrid Rebell (Rödermark) und Michael Gerheim (Seligenstadt). Neu dabei ist der Mühlheimer Peter Wetterich. Neben den Kreischorleitern Andrea Hermes-Neumann und Dr. Martin Trageser ergänzen Gesangspädagogin Ilka Bauersachs und Chorleiter Michael Knopke den Musikausschuss. Weiter vakant bleiben die Positionen der Frauenbeauftragten und des Verantwortlichen für die Jugendarbeit. Allerdings behalten diese Aufgaben die Vorstandsmitglieder Brigitte Hutz und Michael Gerheim im Blick. Akzente will der Sängerkreis 2016 setzen mit dem „Chor³“-Konzert am 16. September in Ober-Roden, dem Kinder- und Jugendchortag am 9. Oktober in Zellhausen (Motto „Best of musical“) und dem Adventskonzert am 11. Dezember im Büsingpalais Offenbach. Letzteres wird es auch 2017 geben.

Kommentare