Zwölfjähriger macht einen geschichtlichen Fund im Wald

Schieferplatte mit Geheimnis

Die geheimnisvolle Schieferplatte, gehalten von Roland Krebs und Jan-Josef Schütze.
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Die geheimnisvolle Schieferplatte, gehalten von Roland Krebs und Jan-Josef Schütze.

Ein rätselhafter, fast ein wenig gruselig anmutender Fund beschäftigt derzeit die Heimatforscher in der Schlossstadt. Im vergangenen Herbst fand der zwölf Jahre alte Jan-Josef Schütz von der Heusenstammer Waldjugend in dem kleinen Wäldchen östlich des Schlosses eine Schieferplatte, an der mit einer Schraube ein Knochen befestigt ist.

Heusenstamm –  Die Platte war nur mit etwas Blattwerk bedeckt, als der Schüler sie während eines Rundgangs mit der Waldjugend entdeckt hat. Vielleicht haben Wildschweine sie beim Durchwühlen des Bodens zu Tage befördert, vermuten die jungen Naturschützer.

Schnell entdeckten Jan-Josef und seine Kameradinnen und Kameraden, dass die Schieferplatte eine Aufschrift trägt. Und da dort unter anderem die Zahl 1813 eingeritzt ist, dachte sich der Zwölfjährige, dass diese vielleicht für die Dauerausstellung des Heimat- und Geschichtsvereins im Haus der Stadtgeschichte interessant sein könnte.

Also wandte er sich an Dr. Roland Krebs, den Vorsitzenden des Vereins. Und stieß bei diesem auf großes Interesse. Denn mit einem spitzen Gegenstand eingeritzt, trägt die Platte folgende Inschrift: „Jean-Jacques Pierre, Soldat de Grand Armée allez à la mort pour N., Steinheim 1813.“ (Jean-Jacques Pierre, Soldat der großen Armee, in den Tod gegangen für N.)

Dazu gibt es einen plausiblen geschichtlichen Hintergrund, sagt Roland Krebs. Die „Grand Armée“ war die Armee Napoleons („N.“), die 1813 auf dem Rückzug nach der verlorenen Völkerschlacht bei Leipzig bei Hanau von österreichischen und bayrischen Truppen gestellt wurde. Nach verlustreichen Kämpfen, die als die Schlacht von Hanau am 30. und 31. Oktober 1813 in die Geschichte eingingen und bei denen die Franzosen Hanau zunächst für kurze Zeit einnehmen konnten, zogen sich Napoleon und seine Truppen dann weiter zurück. Die Schlacht von Hanau gilt als sein letzter gewonnener Kampf, bevor die Niederlage bei Waterloo sein Schicksal endgültig besiegelte. Sie ist mit dem eingemeißelten Wort „Hanau“ als eine seiner „Heldentaten“ auch auf dem Arc de Triomphe in Paris verewigt.

Aus Schönbornschen Akten wissen die Lokalhistoriker, dass in der fraglichen Zeit das Heusenstammer Schloss als Lazarett genutzt wurde, erläutert Roland Krebs. Aus Angst vor Ansteckungen habe man damals verstorbene Soldaten schnellstmöglich begraben. Ob dies allerdings den rätselhaften Fund erkläre, sei ungewiss. Zwar spielte sich die Schlacht von Hanau vor allem östlich der Stadt im Lamboywald ab, doch könnte diese auch bis Steinheim Auswirkungen gehabt haben,

Roland Krebs und Jan-Josef Schütze hoffen, dass vielleicht jemand ein wenig mehr Licht in das Dunkel bringen kann. Eventuell stammt die Platte ja aus einem Privatbesitz. Wer helfen kann, schreibt eine Mail an vorstand@hgv-heusenstamm.de. (Claudia Bechthold)

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