Schlappmäuler und Schlagerstern

Bunter wird’s nicht: Rosa-Wölkchen-Sitzung in der Willy-Brandt-Halle

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Dauerbrenner bei der Sitzung: Gleich mehrmals unterhalten die Tänzerinnen und Tänzer vom Karnevalverein Frohsinn aus Oberursel in der Willy-Brandt-Halle.

Mühlheim – „Gay is schee“ hieß es wieder einmal bei der zweiten von vier „Rosa Wölkchen“-Vorstellungen in der Willy-Brandt-Halle. Mit Ross Antony trat ein beliebter Dschungel-Spezi auf. Moderator Jürgen Peusch, alias „Jutta P.“ von „Gerdas Kleine Weltbühne“, blickte nebenbei zurück, als Gay weniger als schön galt, sondern eher als Risiko, Job, Familie und Freunde zu verlieren.  Von Stefan Mangold

Nein, Jutta P. stimmte nicht in den Refrain ein, der bis in die Antike die Geschichte begleitet: Früher war alles besser. „Die stressig’ Zeit von heut’ ist die gute von morgen“, konstatierte Jutta, die abseits der Bühne als Jürgen Peusch durch Mühlheim läuft und nun erzählte, wie es sich in den 70er Jahren im Ort anfühlte, mit dem Lebensgefährten Gerhard Stein, alias „Gerda“, eine Wohnung zu suchen. Heute hingegen seien schwule Paare bei Eigentümern wohl gelitten, „die sind so ordentlich, die grüßen so freundlich“. Nur wenn die Miete ausfalle, „dann heißt es, ,die schwulen Dreckssäue zahlen nicht’“.

Immer ein gerne gesehener Gast: Hansy Vogt (rosa Kleid) tritt bei der Rosa-Wölkchen-Sitzung einmal mehr als Frau Wäber auf.

Was „Rosa Wölkchen“ vor allem ausmacht, ist der hessische Einschlag, was neben Jutta P. natürlich auch auf Olga Orange (Thomas Rau) zutrifft, die herzensgute und trotz aller Zoten doch auch irgendwie melancholisch wirkende „Frau“, die an Zeiten erinnert, als sich die Väter in der Kneipe das Licht ausschossen, wenn die Frau daheim ein Kind bekam: „Bis 1974 durften die Männer bei der Geburt nicht dabei sein.“

Für Lacher sorgen aber auch zahlreiche andere Gäste.

Auch nicht zum ersten Mal gab Hansy Vogt die „Frau Wäber“ in Mühlheim, die nicht mehr ganz juvenile Schwarzwälderin, die ihr ewiges Scheitern auf der Suche nach amourösen Abenteuern erstaunlich locker wegsteckt. Der Kofferträger im Frankfurter Nobelhotel bringt sie in ein Zimmer mit einem „Bock-Spring-Bett“. Auf der hoch platzierten Matratze findet die Frau keinen festen Schlaf, „die ganze Nacht wartete ich auf den Bock“. Von einer Option, die ihre Marktposition vermeintlich verbessern könnte, hält Frau Wäber rein gar nichts: Von „Schönheitsoperationen beim Änderungsfleischer“ will sie auch künftig die Finger lassen.

Tänzerisch traten neben „Naomi“ von der Weltbühne auch die Frauen und Männer vom Karnevalverein Frohsinn aus Oberursel gleich mehrfach auf.

Woody Feldmann, die Frau mit der ausgebildeten Gesangsstimme und dem hessischen Schlappmaul, gab den Männern im Saal einen Tipp fürs Leben, den einige wohl auch in Zukunft nicht beherzigen werden, „fragt doch nicht, ‘wie war ich ?’“. Wie solle eine Frau darauf denn reagieren, mit einem Zeugnis à la „stets bemüht“ oder der Montage „einer Zettelbox für Verbesserungsvorschläge?“.

Bilder: Ross Antony singt bei der "Rosa Wölkchen"-Sitzung

Jutta P. kündigte Ross Antony als viel gebuchten Mann an, „der vor kurzem noch Helene Fischer umarmte und beim Dschungelcamp auf der Couch saß“. Der einstige Gewinner der RTL-Show und frühere Musical- und Casting-Popband-Sänger konzentriert sich mittlerweile auf das Schlagergenre, wobei der gebürtige Engländer nicht nur stimmlich, sondern auch tänzerisch seine Fans in Wallung bringt. Textsichere Damen aus dem Publikum jedenfalls durften Liedgut wie „Michaela“ zusammen mit Anthony Ross auf der Bühne intonieren.

Höhepunkte des Abends waren die beiden Auftritte von Andy Ost, dem geerdeten Entertainer aus dem Main-Kinzig-Kreis, der es typisch hessisch schaffte, jede Dramatik auf ihren banalen Kern herunterzubrechen. Einen vermeintlichen Text von Eros Ramazzotti, zur Originalmelodie gesungen, übersetzte Ost dem Publikum aus dem Italienischen: „Ich muss mim Hund raus, sonst scheißt der mir aufs Sofa.“

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