Vor 350 Jahren erbaut

Schloss Heusenstamm hat Geburtstag

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Heute hat das Schönbornsche Schloss die Form, die Baumeister Clemens Hinckh ursprünglich entworfen hatte: eine quadratische, vierflügelige Anlage. Errichtet wurde der Anbau aber erst, nachdem die Stadt das Gebäude 1979 gekauft hatte.

Heusenstamm - Im Jahr 1638 wurde das Schloss Schönborn fertiggestellt und konnte bezogen werden. Damit wird der Renaissancebau, der das Ortsbild Heusenstamms bis heute prägt, 350 Jahre alt.

Clemens Hinckh, ein Baumeister, der zu den vielen Künstlern zählt, die an der Errichtung des Mainzer Doms beteiligt waren, hat die Pläne für das Heusenstammer Schloss entworfen. Es sollte eine quadratische, vierflügelige Wasserburganlage mit Ecktürmen und einem Innenhof werden. Tatsächlich gebaut wurde – vermutlich aus finanziellen Gründen – zunächst nur die Vorderfront. Von 1663 bis 1668 ließ Philipp Erwein von Schönborn das Schloss errichten. Damit ist es jetzt 350 Jahre alt.

Könnten die Mauern reden, sie könnten gewiss viele Geschichten erzählen – traurige, fröhliche, lustige und sicher auch beeindruckende. So berichtet etwa Fürst Johann Joseph Khevenhüller-Metsch, Obersthofmeister bei Kaiser Franz I., über den Aufenthalt der Majestäten in Heusenstamm im Jahr 1764: Der Kaiser hörte „immer die heilige Messe in dem im Tafelzimmer befindlichen Rondell, worinnen man ganz gemächlich den Altar zubereiten konnte“. Gemeint war offensichtlich einer Türme am Schloss.

In den 350 Jahren seit der Fertigstellung gab es viele Veränderungen. So wurden 1739 bis 1742 die kurzen Seitenflügel an der Rückseite angefügt. Es gab eine Kapelle, zu der vom südlichen Flügel aus ein Arkadengang führte. Und daneben muss eine „herrschaftliche Bierbrauerei“ gestanden haben.

Heute weiß man noch, dass das Schloss im Befreiungskrieg 1813 bis 1815 „durch österreichische, russische und preußische Lazarette bis auf einige Zimmer im Seitenflügel sehr ruiniert worden sein soll“. Anfang des 20. Jahrhunderts war es Sitz des gräflichen Rentamts und enthielt Beamtenwohnungen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg zog die Deutsche Bundespost in das gräfliche Gebäude, betrieb dort ihre Postschule. 1979 schließlich kauft die Stadt das Schloss und baut es zum Rathaus um und aus.

Heinrich Roth, Gräflich von Schönbornscher Sekretär, hat 1911 ein Büchlein über die Ortsgeschichte Heusenstamms veröffentlicht. Darin beschreibt er in wunderbarerer Weise das Schloss: „Aus der Tiefe des Wassergrabens, der bis 1880 gefüllt war, steigt in kräftigem Mauerwerk ein langgestreckter Bau empor; die an den beiden Enden vorspringenden Türme sind in ihren unteren Abteilungen von Schießscharten durchbrochen. Die Rundtürme schließen mit Holzgesimsen ab und sind von birnförmigen Bedachungen überragt.“

Gefeiert wird der Schlossgeburtstag am nächsten Sonntag, 9. September, dem Tag des offenen Denkmals. Gleich zweimal wird an diesem Tag das Foyer des Rathauses genutzt: Um 11 Uhr eröffnet das Ikebana International Chapter Frankfurt, das schon mehrfach mit dem Heimat- und Geschichtsverein zusammengearbeitet hat, eine Ausstellung unter dem Motto des Denkmalstags „Entdecken, was uns verbindet“. Die Künstlerinnen gestalten dabei „Street Art“, also Straßenkunst, die auf dem Weg vom Rathaus über die Schlossstraße bis zum Haus der Stadtgeschichte zu entdecken ist.

Und weil das Schloss Geburtstag hat, gibt es eine Mitmach-Aktion: Am Freitagnachmittag, 7. September, und ganztätig am Samstag, 8. September, können alle Heusenstammer alte und neue, kleine und große Vorhängeschlösser am Rathaus abgeben, die dann in Installationen eingearbeitet werden: „350 Jahre Schloss – 350 Schlösser“.

Bilder: White Dinner in Heusenstamm

Um 15 Uhr geht es weiter im Rathausfoyer mit einer Geburtstags-Lesung des Heimatlosen Gedichtsvereins. Lyrik und Texte über Schlösser allgemein und das Schönbornsche im Besonderen wollen Rudolf Fauerbach, Dr. Roland Krebs, Markus Rückert und Claudia Bechthold vortragen. Musik macht das Duo „Sax on strings“.

Dies ist auch die Vernissage zur Eröffnung der Ausstellung des Heimat- und Geschichtsvereins, die nach der Lesung und einem kurzen Spaziergang im Haus der Stadtgeschichte besichtigt werden kann. Dort erwarten die Besucher dann eine Diaschau, Bilder des Künstlervereins, Pläne, Zeichnungen, Gemälde, Texte und Objekte zum Thema „350 Jahre Schloss Heusenstamm“. Die Ausstellung bleibt dann bis 19 Uhr offen. Der Eintritt ist am Tag des offenen Denkmals frei. (clb)

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