Skibrillen bleiben liegen

Folgen des Lockdowns machen dem Einzelhandel in Heusenstamm das Leben schwer

Sport Kurz an der Rudolf-Braas-Straße ist seit Mitte Dezember geschlossen.
+
Sport Kurz an der Rudolf-Braas-Straße ist seit Mitte Dezember geschlossen.

Warme Sportbekleidung für den Winter, das wäre jetzt eigentlich das Geschäft für Thomas Kurz. Seit 1989 betreibt der Heusenstammer seinen Laden an der Rudolf-Braas-Straße, hat die 1962 gegründete Textildruckerei seiner Eltern um das Fachgeschäft für Sportartikel erweitert. Doch derzeit ist der Laden nur zur Ausgabe am Fenster geöffnet – seit Mitte Dezember.

Heusenstamm – Das lohne sich für ihn kaum, sagt er. Die Umsätze an der Fensterausgabe finden fast nur mit Stammkunden statt, sind nicht mit dem normalen Tagesumsatz zu vergleichen. Was ihn über Wasser hält, ist der Online-Shop. Das laufe ein bisschen, sagt er, aber vergleichbar mit den Umsätzen im Laden sei das freilich nicht.

Auf staatliche Hilfen habe er bisher nicht zurückgreifen können. Jetzt soll es die sogenannte Überbrückungshilfe 3 geben, aber damit werde auch nur ein Teil der Fixkosten erstattet. „Das ist nur eine kleine Unterstützung, wirklich helfen wird uns das nicht“. Dennoch bleibt Thomas Kurz zuversichtlich, obwohl er auch einräumen muss, „je länger der Lockdown dauert, desto schwieriger wird es“.

Der Heusenstammer war nicht nur mehr als zehn Jahre Vorstandsmitglied des Gewerbevereins. Auch sonst engagiert er sich in der Schlossstadt. So zählt er zum Beispiel zu jenen Sponsoren, die vor allem Jugendmannschaften etwa im Fußball immer wieder mal Trikot-Sätze spendiert.

Über mehr als 400 Quadratmeter Ladenfläche verfügt Sport Kurz, der als Spezialist gilt für Running, Fitness, Outdoor und Teamsport wie Fußball oder Handball. Das Weihnachtsgeschäft ist quasi ausgefallen. Und auch das Zubehör für den Wintersport liegt wie Blei in den Regalen. Skibekleidung zum Beispiel inklusive Helme und Brillen wurden in dieser Saison einfach nicht gebraucht. Das Skifahren war ja bislang so gut wie nicht möglich.

Ein bisschen Umsatz kann Thomas Kurz indes mit Fitness-Zubehör machen. Matten, Therabänder oder sogenannte Blackrolls werden gekauft. Letztere sind harte Rollen für das Faszien-Training. Und Schuhe für das Laufen im Freien gehen ganz gut.

Zubehör für Running und Outdoor waren vor allem im Sommer nach dem ersten Lockdown ein gutes Geschäft, berichtet der Inhaber. „Im Sommer und Herbst hatten wir gute Umsätze, da konnten wir vieles ausgleichen.“ Aber seit Dezember laufe es eben wieder in die andere Richtung.

Und inzwischen kämpft nicht nur Thomas Kurz mit einem weiteren Problem. Weil Lebensmittelmärkte auch während des Lockdowns geöffnet bleiben dürfen, bieten vor allem die Discounter in ihren Läden derzeit verstärkt auch Artikel an, die nicht zu ihrem Kerngeschäft zählen. Das gelte vor allem für Sportartikel, die im Moment „übermäßig“ dort zu finden seien. Es gebe zwar einen Appell der Bundesregierung an jene Discounter, den Fachhändlern das Geschäft nicht wegzunehmen. Aber daran halte sich kaum einer der großen Handelskonzerne. Und die Kunden nutzen diese Angebote natürlich.

Thomas Kurz hofft nun, dass er möglichst bald seinen Laden wieder öffnen darf. Damit er wenigstens mit dem Umsatz im herannahenden Frühling versuchen kann, die Verluste der vergangenen Monate wieder auszugleichen. (Von Claudia Bechthold)

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare