Vor Hunger zusammengebrochen

Projekt „Hilfe für Eritrea“ bittet um Unterstützung für Familie

Ein Bild aus der Zeit vor dem tragischen Unfall: Nun sind Ghenet Beyene und ihre fünf Kinder auf Hilfe angewiesen.
+
Ein Bild aus der Zeit vor dem tragischen Unfall: Nun sind Ghenet Beyene und ihre fünf Kinder auf Hilfe angewiesen.

Angesichts der aktuellen Coronkrise lernt Deutschland wieder den Blick aufs Wesentliche und vor allem, was es heißt, solidarisch zu sein. Diese Solidarität braucht auch Afrika. Denn auch in diesen Zeiten darf man diejenigen, die es noch viel schwerer haben, nicht vergessen.

Heusenstamm –  Es ist der 16. Januar: Ghenet Beyene kann nicht mehr. Tagelang hat sie nichts gegessen. Sie leidet Hunger. Alles, was sie an Essen auftreiben kann, gibt sie ihren fünf Kindern. Sie wohnt in einer kargen Hütte in einem Dorf in Eritrea unweit von Feledareb. Dort hat die „Hilfe für Eritrea“, das Partnerprojekt unserer Schwesterzeitung EXTRA TIPP, jahrelang ein Krankenhaus unterstützt. 

Deren Leser spendeten jährlich bis zu 40 000 Euro, um die Einrichtung mit Medikamenten zu versorgen. Vor ein paar Monaten ließ der Staat das Krankenhaus jedoch schließen. Aus einem Umkreis von 100 Kilometern sind Patienten zum Hospital gelaufen, wenn sie Beschwerden hatten. Jetzt sind sie auf sich alleine gestellt – so wie Ghenet Beyene.

Not in Eritrea: Junge Mutter bricht vor Hunger zusammen

An jenem Tag im Januar gehen ihr endgültig die Kräfte aus. Als sie aufsteht und ein paar Schritte gehen will, verliert sie das Bewusstsein. Sie stürzt. Ungebremst landet sie mit dem Gesicht im Erdfeuer der Hütte, das an diesem kalten Abend ihr und den fünf Kindern Wärme spenden soll und als Kochstelle dient.

Sie überlebt. Zunächst geht das Dorf davon aus, dass sie einen epileptischen Anfall erlitten hat. Sie wird in ein Krankenhaus in der Hauptstadt Asmara gebracht. Nach der Versorgung der Verbrennungen im Gesicht und nach Abschluss aller Untersuchungen steht fest: Sie war so schwach, so unterernährt, dass sie gestürzt ist.

Ob sie jemals wieder voll leistungsfähig ist, bleibt offen. Ihr Mann ist Soldat. Einmal im Jahr kommt er für 14 Tage nach Hause und bringt den Sold. 25 Euro verdient er umgerechnet im Monat. Drei Euro kostet eine Ein-Kilo-Packung Nudeln.

Projekt „Hilfe für Eritrea“ hilft seit 25 Jahren

„Wir müssen ihr helfen“, sagt Heinz Schiedhering und weiß auch wie. Der Projektkoordinator der „Hilfe für Eritrea“ organisiert seit über 25 Jahre Unterstützung für das ostafrikanische Land. Er hat jahrelang Hilfscontainer dorthin verschiffen lassen, Feledareb und ein weiteres Krankenhaus maßgeblich unterstützt, Ausbildungscenter und Kitas bauen lassen – alles mit Spendengeldern. Zudem haben Spender auch Patenschaften übernommen, um in besonders schwierigen Situationen zu helfen.

Schiedhering: „Man gibt 20, 25 oder 30 Euro im Monat und erhält eine Spendenquittung. Das Geld wird dann an die Kapuziner-Schwestern vor Ort transferiert, die Lebensmittel kaufen und es an die Bedürftigen verteilen.“

Paten helfen Menschen in großer Not

Insgesamt 17 solcher Patenschaften gibt es. Unterstützt werden ein Aids-Waise, ein Kind mit Behinderung oder eine schwer an Diabetes erkrankte Frau, bei anderen wird das Schulgeld übernommen oder Unterhalt gezahlt. „Ich wäre glücklich, wenn wir auch so einen Paten für Ghenet Beyene und ihre fünf Kinder finden“, sagt der inzwischen 87-jährige Schiedhering. Leider sind einige Paten zuletzt abgesprungen. „Ich wäre noch glücklicher, wenn sich mehrere Spender melden würden. Dann würde ich ihnen andere Fälle anbieten, die jetzt gar kein Geld mehr bekommen.“

Wer helfen möchte, meldet sich bei Heinz Schiedhering unter 06104 3627. Spendenkonto: Kath. Kirche Maria Himmelskron, Hilfe für Eritrea, IBAN: DE 87 5019 0000 4103 2979 96.

von Axel Gryscyk

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare