Sommerrätsel führt zum Schloss

Tor statt Zugbrücke

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Teil drei unserer Sommerrätsels zeigte den Griff des grünen Tors am Schloss.

Heusenstamm - Ein kleines Detail des großen Schlosses ist diesmal die Lösung unseres Sommerrätsels. Fast jeder Heusenstammer ist schon daran vorbei gegangen, aber nicht immer fällt der Blick darauf.

Dennoch, es gab etliche richtige Einsendungen: Zu sehen war der schmiedeeiserne Griff des Grünen Tores, das zum Schlosseingang und zum Innenhof führt. Von 1663 bis 1668 wurde das Schloss im Stil der Renaissance errichtet. Graf Philipp Erwein Schönborn war der Bauherr, zwei Jahre zuvor hatte er die „Herrschaft Heusenstamm“ erworben. Bis zur Fertigstellung lebten die Schönborns im heutigen Hinteren Schlösschen. Geplant war zunächst eine Wasserburganlage mit vier Flügeln und Ecktürmen, gebaut wurde aber nur der vordere Flügel, vermutlich, weil den Schönborns das Geld ausgegangen war. Zu Zeiten der Gräfin Maria Theresia Schönborn (1698 bis 1751) sind vermutlich die beiden kleinen Seitenflügel angefügt worden. Die Grafen-Familie lebte im ersten Stock, im Erdgeschoss befanden sich auf der rechten Seite die Zimmer für die Angestellten, auf der linken Seite die Stallungen.

Maria Theresia hat wohl auch die bis dahin vermutlich bestehende Zugbrücke über den damals noch gefüllten Wassergraben durch eine steinerne Brücke ersetzen lassen. Diese soll mit Pfeilern geschmückt gewesen sein. Leider ist sie nicht erhalten, sie wurde im Zweiten Weltkrieg durch eine Bombe zerstört. Das Schloss selbst wurde lange nicht bewohnt. Im 19. Jahrhundert soll es kurzzeitig während der Befreiungskriege als Lazarett genutzt worden sei. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde es wieder bewohnbar gemacht und auch von Angehörigen der gräflichen Familie genutzt. 1954 verpachteten die Schönborns das Schloss an die Oberpostdirektion Frankfurt, die es bis 1976 als Postschule nutzte. Danach kaufte die Stadt Heusenstamm die Anlage und baute sie zum Rathaus aus. Der moderne Anbau schließt das ursprünglich geplante Viereck mit drei weiteren Flügeln.

Mittelaltermarkt im Schloss (2013)

Mittelaltermarkt im Schloss

Am Schlosstor kann man bis heute erkennen, dass sich einst eine Zugbrücke an dessen Stelle befunden haben muss. Die eisernen Rollen, über die die Brücke herabgelassen oder hinaufgezogen wurde, sind erhalten. Aber auch das heutige, grün angestrichene Tor dürfte nicht das erste gewesen sein, das die Zugbrücke zum Verschließen der Anlage ersetzt hat. Nicht mehr genutzte Scharniere in der Wand des Durchgangs zeugen davon, dass es ein weiteres Tor gegeben haben muss. Mehr weiß man heute nicht darüber. Unbekannt ist daher auch, wie alt das heutige Tor am Schloss ist. Ebenso können Heusenstamms Historiker wenig über den geschwungenen schmiedeeisernen Griff sagen. Einen Blick beim Gang durch das Tor ist der Griff aber bis heute allemal wert.

clb

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