Bessere Chancen mit Korb-Gelenk

Stadt Heusenstamm beschafft eine neue Drehleiter für die Freiwillige Feuerwehr

Mann steht im Korb einer Drehleiter eines Feuerwehrwagens
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Die Ausbildung an der neuen Drehleiter hat bereits begonnen. Das Bild zeigt Vize-Stadtbrandinspektor Markus Konrad im Korb.

In der Fahrzeughalle der Freiwilligen Feuerwehr an der Rembrücker Straße steht sie schon einige Tage. Und auch dem einen oder anderen Bürger dürfte sie schon aufgefallen sein. Genutzt werden aber kann sie noch nicht. Denn zunächst müssen die Aktiven lernen, wie man damit umgeht: Die Stadt Heusenstamm hat eine neue Drehleiter angeschafft.

Heusenstamm – Auch der Laie sieht schnell, dass sich die neue Leiter mit der Bezeichnung DLK 23/12 von ihrer künftigen, inzwischen 28 Jahre alten Vorgängerin unterscheidet. Augenfälligste Neuheit an dem Fahrzeug ist ein Gelenk wenige Meter unterhalb des Korbs. Damit kann jener fast an jeder beliebigen Stelle auf den Boden abgesenkt werden. Mit dem starren Leitersatz des jetzigen Gefährts ist dies nur hinter dem Fahrgestell möglich. „Außerdem brauchen wir damit weniger Platz zum Aufstellen der Drehleiter“, erläutert Marco Schmidtke, stellvertretender Wehrführer der Freiwilligen. So könne man das Fahrzeug künftig auch zum Beispiel in den schmalen Gassen des Alten Orts ohne größere Schwierigkeiten aufstellen.

Die Ziffern 23/12 stehen übrigens für 23 Meter Nennrettungshöhe bei einer Ausladung von 12 Metern. Dies gilt auch für die „alte“ DLK. Tatsächlich liegt die eigentliche Rettungshöhe bei etwa 30 Metern.

Doch das ist nicht die einzige Neuerung des größten Fahrzeugs der Brandschützer. „Vor allem liegen 28 Jahre Entwicklung in Technik und Elektronik zwischen dem Bau der beiden Leitern“, sagt Schmidtke. Damit bieten sich der Feuerwehr ganz andere Möglichkeiten für die Rettung von Menschen und für die Brandbekämpfung.

So kann der Korb selbst mit bis zu fünf Personen oder 500 Kilogramm belastet werden. Das sind zwei Personen oder 130 Kilogramm mehr als bisher. Außerdem sind daran Vorrichtungen eingebaut, mit denen man normale Tragen ebenso schnell befestigen kann wie eine sogenannte Schleifkorbtrage oder eine Schwerlasttrage und eine Rampe für Rollstuhlfahrer. Die Rettung von Patienten über die Drehleiter wird damit einfacher. Und es gibt eine Absturzsicherung für Einsätze in der Höhe oder in der Tiefe, also zum Beispiel einer Grube.

Aber auch beim Ausleuchten einer Brand- oder Unfallstelle wird es anders. Zwei große Scheinwerfer am Korb und weitere neun an Korb und Fahrzeug sind fest installiert. 33 000 Lumen haben die beiden großen Leuchten – zum Vergleich: Eine 75-Watt-Glühbirne hatte etwa 1000 Lumen. „Das ist jetzt eine ganz andere Dimension, an der man die 28 Jahre Unterschied deutlich merkt“, freut sich Schmidtke.

Mit wenigen Griffen montieren kann man am Korb auch einen Elektrolüfter oder eine Kiste mit einer Elektro-Kettensäge. „So kann zum Beispiel mal eine Wohnung durch ein Fenster von außen belüftet werden und man hat bei Sturmeinsätzen das nötige Gerät griffbereit“, zählt der stellvertretende Wehrführer weitere Vorteile auf. Zumal beide Geräte über einen Stromerzeuger betrieben werden können, der ebenfalls in dem Fahrzeug installiert ist.

Und an einen leistungsstarken elektrischen Wasserwerfer ist freilich auch gedacht. Dieser kann nicht nur vom Korb, sondern auch vom Bedienungsstand unten am Fahrzeug über Joysticks gesteuert werden. Das eröffnet die Chance, ein Feuer auch dann von oben zu löschen, wenn es zu gefährlich wäre, den Korb mit Einsatzkräften zu besetzen.

Bis die neue DLK zum ersten Mal im Löschzug mitgefahren wird, wird es allerdings noch eine ganz Weile dauern. „Wir wollen die Fahrzeuge noch in diesem Jahr tauschen“, sagt Marco Schmidtke. Aber das könne November oder sogar Dezember werden: „Für uns stehen unsere Leute im Vordergrund, die das Fahrzeug bedienen müssen.“ Möglichst alle der derzeit 52 Feuerwehrleute sollen lernen und üben, mit der DLK umzugehen. Und die Ausbildung kann nicht nur wegen der Corona-Beschränkungen nur in Kleingruppen absolviert werden. „Es soll einfach jeder die Chance bekommen, richtig mit der neuen Technik zu trainieren, und das geht eben nicht, wenn 20 Leute gleichzeitig ausgebildet werden sollen.“

Die Ausbildung ist in sieben Module aufgeteilt, die von den sogenannten Drehleiter-Maschinisten und von den anderen Feuerwehrleuten gelernt werden, die später vom Rettungskorb aus ihre Arbeit tun sollen. Drei Samstage hat ein Teil der Heusenstammer Brandschützer bereits mit der neuen Drehleiter verbracht. Etliche weitere Samstage sowie Abende unter der Woche werden folgen. (Von Claudia Bechthold)

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