Blick auf den Orion

Kinderstube für Himmelsjäger

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Viel Glück mit dem Wetter hatten Besucher beim Blick auf den Orion-Nebel. Martin Fuchs vom Verein Sternfreunde lieferte passende Informationen.

Heusenstamm - Die Sternwarte des Adolf-Reichwein-Gymnasiums dient nicht nur Schülern zum Blick über die Wolken. Betreut, gewartet und genutzt wird sie auch vom Verein Sternfreunde Kreis Offenbach, dessen Mitglieder an Abenden das Teleskop für Besucher nach oben richten. Von Jürgen Roß

Diesmal galt die Aufmerksamkeit dem Himmelsjäger Orion. Regentropfen prasseln leise an die Fenster des Kunstsaals im Adolf-Reichwein-Gymnasium, als Martin Fuchs die Gäste begrüßt. Gekommen sind rund 30 Interessierte jedes Alters. Neuerdings haben die Sternfreunde beschlossen, ihre Vorträge und Himmelsbeobachtungen wetterunabhängig anzubieten. Ist es bewölkt, müssen Fotos ausreichen. Auch an diesem Abend, so scheint es, bleiben die Sterne verborgen. Fuchs hat für die Besucher eine Präsentation vorbereitet. Er gibt fundierte Informationen zum Sternbild Orion. Und holt weit aus. Das ist auch nötig, schließlich sind Sternengeschichten alt. Sehr alt. Fuchs geht nicht nur ein paar tausend Jahre zurück in die griechische Mythologie, aus der das Sternbild seinen Namen hat. Er zeigt auch Fotos der Himmelskörper, deren helles Leuchten sich schon vor etwa 1 500 Jahren auf den Weg zur Erde gemacht hat.

Zunächst umreißt Fuchs die mythischen Erzählungen des griechischen Jägers Orion, der in Böotien und auf Kreta gelebt haben soll. Der jagdbesessene Grieche hat, so besagt es die Legende, alle wilden Tiere auf der Insel Chios getötet. Er selbst kam durch einen Skorpionstich ums Leben und nicht einmal Asklepios konnte ihm mehr helfen. Begleitet wurde Orion von seinen beiden Jagdhunden Sirius und Procyon. Die griechische Mythologie findet sich, erläutert Fuchs ausführlich, in den Sternen am nördlichen Winterhimmel wieder. Auf einem Foto zeigt er das „Wintersechseck“, eine Ansammlung von relativ hellen Sternen, deren gedachte Verbindungen ein Sechseck ergeben und die nur in den kalten Monaten zu sehen sind. Im Wintersechseck befindet sich auch Orion, der durch seine drei hellen „Gürtelsterne“ leicht zu erkennen ist. „Wenn sie sich nicht sicher sind, dann können sie eine Astro-App fürs Mobiltelefon herunterladen“, empfiehlt Fuchs den Besuchern. Damit lassen sich per Kamera Sternbilder bestimmen.

Langsam tastet sich Fuchs an die Details heran und erklärt den Besuchern Unterschiede zwischen einem Reflexionsnebel, einem Emissionsnebel und einem Dunkelnebel. Er erläutert, was Doppel- und Mehrfachsterne sind, woher ihre unterschiedlichen Farbtöne kommen. Nicht ohne Stolz präsentiert er auch eine Fotografie von Jonas Fiedler, der ebenfalls Mitglied im Verein der Sternfreunde Kreis Offenbach ist. „Dieses Bild hat Jonas mindestens drei Stunden belichtet“, erklärt Fuchs. Bei anderen Detailaufnahmen aus dem Sternenhimmel liegt die Aufnahmezeit noch wesentlich höher. Das beeindruckende Foto zeigt den Orion. „Im heißen Zentrum des Nebels werden junge Sterne geboren“, erklärt Fuchs. Auf einem Bild, das vom Weltraumteleskop Hubble aufgenommen wurde, kommen erstaunliche Details zum Vorschein. Fuchs verdeutlicht, dass sich der Mensch kaum die Kräfte vorstellen kann, die bei der Geburt eines neuen Sterns frei werden: „Bei 15 Millionen Grad entstehen neue Himmelskörper, die die umgebende Materie gleichsam an sich ziehen“, führt Fuchs aus.

Bilder: Abiball des Adolf-Reichwein-Gymnasiums

Im Gegensatz zu dem bläulich-hellen Orionnebel ist der Pferdekopfnebel ein eher rötlicher Geselle. Auch davon zeigt Fuchs wieder ein Foto von Jonas Fiedler, das auch den Flyer des Vereins ziert. Am Ende des einstündigen Vortrags hat es aufgehört zu regnen und der Himmel ist klar. Selbst Fuchs ist über das Glück überrascht. „Wir haben einen einwandfrei klaren Winterhimmel mit einer wunderbaren Sicht.“ Die Besucher haben Gelegenheit, einen Blick auf den Mond zu werfen, bevor das Teleskop auf das Sternbild des Orion gerichtet wird. Passend zu den neugierigen Augen der Beobachter zeigt sich der Himmelsjäger Orion dann von seiner schönsten Seite.

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