5000 Euro für Schlossstädter „Könige“

Sternsinger: Nicht jeder will den Segen

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Die kleine Sternsinger-Gruppe aus Maria Himmelskron macht sich auf den Weg.

Heusenstamm - Drei Tage lang waren die Sternsinger der katholischen Pfarrgruppe Heusenstamm unterwegs, um den Bewohnern den Segen zum neuen Jahr zu bringen und Spenden für mehr als 2000 Projekte für Kinder in Not zu sammeln. Schwerpunkt sind diesmal Projekte in Bolivien.

Es herrscht ein klein wenig Nervosität im Pfarrheim von Maria Himmelskron, als sich die 30 Kinder und Jugendlichen in vier Gruppen aufteilen. Gemeindereferentin Michaele Althapp instruiert ein letztes Mal die Gruppenleiter und erinnert die Kinder daran, sich vor den Hausbesuchen zu einigen, wer welche Texte vorträgt. Auch Pfarrer Martin Weber ist gekommen, um die jungen Gemeindemitglieder zu bestärken. Schließlich tragen sie eine der größten Spendenaktionen überhaupt.

Emilia, Dayana, Johanna und ihr Zwillingsbruder Philipp sind in einer der vier Gruppen unterwegs, die an diesem Tag durch Heusenstamm ziehen. Für die vier ist es mittlerweile der zweite Tag, an dem sie zum „Sternsingen“ unterwegs sind und sie haben schon einige Erlebnisse vom ersten Tag mitgebracht. Positiv beeindruckt waren die vier Drittklässler von großzügigen Einzelspenden und davon, dass sie in einer Bäckerei reichlich mit Gebäck versorgt wurden. Negativ aufgefallen ist ihnen, dass es auch Geschäftsleute gibt, die sie unfreundlich aus deren Läden verwiesen haben.

Die Kinder berichten, es sei schon merkwürdig, wenn man zum Einkaufen willkommen ist, aber bei der Bitte um eine Spende vor die Tür gesetzt werde. Eine Erfahrung, die nicht nur diese Sternsingergruppe gemacht hat. Traditionell besuchen alle Sternsinger gemeinsam das Rathaus. Für Bürgermeister Halil Öztas war der königliche Besuch zugleich sein erster öffentlicher Auftritt als Rathauschef.

Michaele Althapp organisiert die Sternsingeraktion in Heusenstamm. Schon Wochen zuvor läuft die Vorbereitung an. „Unser größtes Problem ist mittlerweile, genügend Kinder zu finden, die in den Weihnachtsferien Zeit haben und nicht im Urlaub sind“, berichtet Althapp. Rund 40 Kinder aus Heusenstamm konnte Althapp gewinnen. „Wir haben uns vorher sehr intensiv mit dem diesjährigen Schwerpunkt Bolivien befasst, denn die Kinder sollen schon genau wissen, warum und für wen sie sammeln“, sagt Althapp.

Sternsinger bei Ministerpräsident Bouffier

Neben einem Partnerland für die Spendenaktion gibt es auch jedes Jahr ein Motto, unter dem die Sternsinger unterwegs sind. „Respekt für dich, für mich, für andere!“, lautet es in diesem Jahr und die Gemeindereferentin ist froh über diesen Ansatz: „Wir erleben so viel Respektlosigkeit und Rücksichtslosigkeit gegenüber anderen, gegenüber Fremden, da ist dieses Motto einfach sehr gut“. Respekt und Respektlosigkeit erleben die Kinder schließlich auch an den Heusenstammer Haustüren, die ihnen geöffnet oder eben gelegentlich vor der Nase zugeschlagen werden. „Manchmal werden wir auf der Straße angesprochen, manchmal auch ausgelacht“, erzählt die neunjährige Emilia.

Rund 150 Heusenstammer haben sich vor Weihnachten im Pfarrbüro gemeldet und um den Besuch der Sternsinger gebeten. An deren Haustüren haben die jungen Spendensammler keine bösen Überraschung zu fürchten. Neben einer Geldspende für das Kinderhilfsprojekt gibt es dann auch Süßigkeiten für den ehrenvollen Einsatz. Dort, wo die Sternsinger unangemeldet erscheinen sammeln sie vor allem viele Erfahrungen. „Wir waren bei einer Familie, bei denen wir singen und unsere Texte vortragen durften, aber keinen Segen spenden sollten“, berichtet die 8jährige Johanna. Gemeindereferentin Althapp weiß, dass auch gerade muslimische Familien die Spendenaktion gerne unterstützen, aber mit dem christlichen Segen nichts anfangen können. Nach dem Sonntagsgottesdienst, zu dem alle Sternsinger zusammenkommen, haben. Rund 5000 Euro aus Heusenstamm fließen am Ende in Kinder-Hilfsprojekte. 

jro

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