Berufung gegen Urteil des Verwaltungsgerichts

Streit um Pferdestall nahe Martinsee

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Die Anlage am verlängerten Niederröder Weg, um die nun schon seit vielen Jahren gestritten wird.

Heusenstamm - Um die Reitanlage mit Ställen am Waldrand nahe Martinsee streiten Eigentümer Markus Wöhl und Behörden des Kreises schon seit Jahren – auch vor Gericht. Nun wird es eine weitere Runde in dieser Auseinandersetzung geben. Von Claudia Bechthold

Ein Ende im Streit um die Reitanlage am Waldrand zwischen verlängertem Niederröder Weg und Martinsee ist derzeit nicht zu erkennen. Es geht um einst offenbar ohne Genehmigung errichtete Gebäude, die vor allem als Ställe für Pferde genutzt werden. Landwirt Markus Wöhl hatte die in den 1970er Jahren entstandene Anlage 2006 gekauft, auch um einen Teil seiner Existenz abzusichern. Als er die Anlage mit einem Bauantrag legalisieren wollte, antwortete ihm der Kreis Offenbach mit einer Abrissverfügung. Vor allem Mitglieder des 1974 gegründeten Reitvereins haben die Ställe von Markus Wöhl gemietet. Der Haupterwerbslandwirt verfügt unter anderem über zehn Hektar Wiesen, deren Heu er zum größeren Teil an die Mieter der Ställe verkauft. Das sei eine von drei Säulen, auf die er seinen Betrieb stützt. Gemüse und Kartoffeln sowie Getreide, Raps und Mais sind die beiden anderen Säulen.

Etwa 15 bis 20 Pferde stehen auf der Anlage. Gepflegt und gefüttert werden sie von ihren Eigentümern, zumeist Heusenstammer. Tagsüber sind die Tiere auf dem großen Auslauf, der sich an Gebäude und Reitplatz anschließt. Abwasser wird über eine Güllegrube entsorgt, Frischwasser darf aus einem Brunnen geholt werden. Gegen die Abrissverfügung des Kreises aus dem Jahr 2012 hatte Wöhl Widerspruch eingelegt und schließlich beim Verwaltungsgericht in Darmstadt geklagt. Das hat aufschiebende Wirkung.

Im Januar 2016 urteilte das Gericht. Es hat „die materielle Rechtmäßigkeit“ der von Markus Wöhl betriebenen Pensionspferdehaltung bestätigt. Sein Anwalt Lutz Eiding aus Hanau erläuterte damals: „Das Gericht hat keinen Zweifel daran gelassen, dass die Pensionspferdehaltung durch den Landwirt Markus Wöhl eine privilegierte landwirtschaftliche Nutzung darstellt und daher bauplanungsrechtlich anders zu beurteilen ist, als die Nutzung durch den Voreigentümer, einen Nicht-Landwirt.“

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Gegen dieses Urteil hat der Kreis Berufung eingelegt. Und diese hat der Verwaltungsgerichtshof in Kassel nun zugelassen. Es wird also eine neue Verhandlung geben. Dabei wird es nach der Einschätzung von Lutz Eiding wohl vor allem um die Frage gehen, ob die Anlage einst in den Wald gebaut wurde oder nicht. Unter anderem anhand von alten Luftbildern habe man das Gericht überzeugen können, dass an jener Stelle vor dem Bau der Anlage kein Wald gewesen, berichtete Eiding auf Anfrage. Und auch ein Baum-Sachverständiger habe bestätigt, dass es sich bei jenem Grund nicht um Wald handele.

In der Begründung zur Zulassung einer Berufung soll es unter anderem heißen, Landwirt Wöhl könne, um seine Existenz zu sichern, ja eine solche Anlage in Höhe seiner Feldhalle am Rand des Stadtteils Sommerfeld errichten. „Der Grund dort gehört mir gar nicht allein“, sagt Markus Wöhl. Außerdem sei dort in direkter Nachbarschaft Wohnbebauung, die Anfahrt müsste mitten durch das Gebiet verlaufen: „Ich möchte Konflikte mit der Bevölkerung eigentlich vermeiden“.

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Getroffen hat sich Wöhl inzwischen auch mit Bürgermeister Halil Öztas. Dieser hält die Anlage an ihrem Standort für „städtebaulich verträglich“ und sicherte dem Landwirt nach eigenen Angaben seine Hilfe zu, wenn diese benötigt werde. Nach der Zulassung der Berufung, muss es eine mündliche Verhandlung geben. Einen Termin dafür hat Markus Wöhl noch nicht.

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