Swingend die  Nische erobert

Stadtkapelle Heusenstamm punktet beim Frühjahrskonzert mit Stimmen

Fröhlich bunt ist nicht nur die selbst gebastelte Dekoration im Saal der Martinseehalle zur Matinee der Stadtkapelle Heusenstamm. Auch die Musik des Orchesters verbreitet gute Laune, wie auch Vorsitzender Ralf Zenker betont: „Mit Swing im Bauch geht alles besser!“ - Fotos (2): Bechthold
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Fröhlich bunt ist nicht nur die selbst gebastelte Dekoration im Saal der Martinseehalle zur Matinee der Stadtkapelle Heusenstamm. Auch die Musik des Orchesters verbreitet gute Laune, wie auch Vorsitzender Ralf Zenker betont: „Mit Swing im Bauch geht alles besser!“

Heusenstamm - Zwei Orchester in einer Stadt mit nicht einmal 20 .000 Einwohnern, das ist schon vergleichsweise viel. Da gilt es, sich voneinander abzugrenzen, um sich nicht gegenseitig Konkurrenz zu machen. Das ist der Stadtkapelle Heusenstamm jetzt gelungen. Von Claudia Bechthold

Sie hat eine neue Richtung eingeschlagen: Schon im fünften Jahr bietet die Stadtkapelle Heusenstamm mindestens dreimal im Jahr einen Tanztee mit Livemusik im Saal für Vereine an. Damit hatte das traditionsreiche Orchester schon eine Lücke gefunden, die zuvor noch keiner gefüllt hatte. Und der wachsende Erfolg dieser Veranstaltungsreihe gibt den Musikern Recht. Doch mit dem Repertoire war man bislang nicht mehr so recht glücklich, suchte nach einer Nische, die verwaist war. Mit ihrer Frühlings-Matinee hat die Stadtkapelle nun präsentiert, welche musikalische Richtung sie künftig einschlagen will: Es ist der Swing, der Sound der Big Bands vor allem in den 1930er und 1940er Jahren.

Dass sie damit nicht zu viel versprechen, haben die Aktiven mit ihrem Konzert sehr eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Fröhlich, jazzig geht es los in der Halle des Kultur- und Sportzentrums Martinsee mit „On the Sunny Side of the Street“ von Jimmy McHugh. Wobei das Lied durchaus auch einen politischen Hintergrund hat, wie Dirigentin Kerstin Assmann-Schulz (rechts) später verrät, denn in Zeiten der Rassentrennung war die sonnige Seite der Straße stets den Weißen vorbehalten.

Zu den Gästen, die Assmann-Schulz nach dem Intro begrüßen darf, zählten unter anderen Landrat Oliver Quilling, Bürgermeister Halil Öztas, Stadtverordnetenvorsteher Gerd Hibbeler sowie Vertreter etlicher Vereine und der Präsident des Hessischen Musikverbandes Christoph Degen.

Eine Überraschung folgt schon beim zweiten Titel „Have You Met Mrs. Jones?“. Mit Chris Stöcker tritt der Sänger der Stadtkapelle erstmals in den Vordergrund. „Wir sind unglaublich stolz und froh, Chris Stöcker nun als festen Sänger zu haben“, betont die Dirigentin am Ende des Konzerts.

Melodien aus der Gershwin-Oper „Porgy and Bess“ zu einem Medley zusammengefasst spielen die Musikerinnen und Musiker erneut mit Bravour. Gerade dieses Stück mit mehreren Tempo-Wechseln dürfte keine leichte Aufgabe sein, die die Stadtkapelle nicht nur wunderbar bewältigt, sie verleitet so manchen Zuschauer auch zum Mitwippen – zumindest mit den Händen oder Füßen.

„What a Wonderful World“, der Louis-Armstrong-Song, zählt nicht zur Swing-Ära, ist aber dennoch längst ein Klassiker und Jazzstandard. Chris Stöcker singt das 1968 veröffentlichte Stück, als hätte er nie etwas anderes gesungen.

Richtig jazzig wird es im Anschluss mit „Makin’ Whoopee“, ebenfalls ein Standard. Auch mit diesem Song beweist Chris Stöcker, was für eine hervorragende Ergänzung zum Orchester er darstellt.

Über erste Bravo-Rufe aus dem Publikum darf sich Stöcker für „Cry Me a River“ freuen, bevor ein kleines Brass-Ensemble dio Bühne einnimmt: Ralf Zenker (Trompete), Reinhold Sattler (Trompete), Alexander Günther (Euphonium), Stefan Keller (Posaune) und Klaus Zenker (Bariton-Saxophon) spielen den St. Louis Blues und „Chattanooga Choo Choo“ – so gut, dass man das für diese Melodien gewohnte große Orchester vergisst. „Sie haben bei und im Wohnzimmer geprobt – das Haus steht noch“, kommentiert Kerstin Assmann-Schulz lachend im Anschluss.

Das ist unmittelbar vor der zweiten großen Überraschung dieses Konzerts, in der die Dirigentin selbst die Hauptrolle übernimmt. Beim Titel „It’s oh so Quiet“ greift sie nämlich selbst zum Mikrofon und singt. Zunächst ganz zart und leise legt sie los, um dann eine unglaubliche Stimmgewalt zu beweisen, dass so manchem Zuschauer der Mund offen stehen bleibt. „Sie hat aber auch eine Röhre“, hört man aus dem Publikum.

Bilder: „Die Fahrgass' swingt“ in Dreieichenhain

„Die Fahrgass' swingt“ in Dreieichenhain
„Die Fahrgass' swingt“ in Dreieichenhain
„Die Fahrgass' swingt“ in Dreieichenhain
„Die Fahrgass' swingt“ in Dreieichenhain
Bilder: „Die Fahrgass' swingt“ in Dreieichenhain

„Mack the Knife“ spielt die Stadtkapelle diesmal als Gruß an die befreundete „Sevenoaks & Tonbridge Concert BandB“ aus Heusenstamms britischer Partnerstadt Tonbridge & Malling. Es sei gute Tradition, jeweils ein Stück aus dem Programm des anderen Orchesters zu übernehmen, heißt es. Mit „But Not For Me“ und „Ain’t that a Kick in the Head“ endet die Matinee – allerdings nicht ohne die lautstark geforderte Zugabe. Es ist ein Discofox aus dem Tanztee-Programm, „Can’t Take My Eyes Off“, mit dem die Stadtkapelle nicht zum ersten Mal unter Beweis stellt, dass die Musiker richtig gut und vielseitig sind. Vielleicht sollten Kerstin Assmann-Schulz und Chris Stöcker mal über ein ein Duett nachdenken, der Swing bietet davon mehr als genug.

Tanztees sind an den Sonntagen 23. April, 11. Juni und 5. November, jeweils um 15 Uhr.

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