Kooperation beantragt Zusatzzahlungen

Tagesmütter in Heusenstamm wünschen mehr Anerkennung

Kindertagespflege: Die Tagesmütter in Heusenstamm wünschen sich mehr Anerkennung für ihre Arbeit.
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Die Tagesmütter in Heusenstamm wünschen sich mehr Anerkennung für ihre Arbeit.

Sie wünschen sich Anerkennung als gleichwertiges Betreuungsangebot für Kinder, aber auch eine finanzielle Unterstützung durch die Stadt. Zwei Tagesmütter haben sich am Dienstagabend den Mitgliedern des Ausschusses für Jugend, Soziales, Sport, Kultur und Freizeit vorgestellt. Anlass war ein Antrag des SPD-Fraktion, Tagesmüttern vom nächsten Juli an jeweils 100 Euro pro Monat zu bezahlen.

Heusenstamm – Der Antrag wurde am Ende zurückgezogen zugunsten eines gemeinsamen Antrags der Kooperation aus SPD, Freien Wählern und Grünen. Damit sollen für die Kindertagespflege je Kind mit Wohnsitz in Heusenstamm und Betreuungsstunde von Juli an zwei Euro bezahlt werden. Über den Antrag wurde noch nicht abgestimmt, die CDU-Fraktion machte Beratungsbedarf geltend, weil der Antrag erst am Nachmittag vor der Sitzung zugestellt worden war. Man stehe dem Anliegen aber grundsätzlich positiv gegenüber, sagte Michael Kern.

Vor zwölf Jahren habe es in der Schlossstadt sechs Tagesmütter gegeben, berichtete zunächst Petra Beißel vom zuständigen Familienbüro der Stadt. Derzeit sind zehn Frauen in der Kindertagespflege tätig, die 49 Kinder betreuen. Der Verdienst der Frauen sei minimal, für Investitionen in ihren Wohnungen erhielten sie vom Kreis Offenbach als Träger der Jugendhilfe einen einmaligen Zuschuss. Weitere Kosten müssten sie selbst tragen.

Verändert habe sich die Ausbildung für die Tagespflege, erläuterte Petra Beißel weiter. Von 45 Stunden auf mittlerweile 160 Stunden sei der Umfang dazu inzwischen gewachsen. „Und demnächst werden 300 Stunden gefordert“, ergänzte sie.

Seit 2008 ist Astrid Kunkel als Tagesmutter tätig, in Heusenstamm seit ihrem Umzug vor fünf Jahren. Fünf Kinder unter drei Jahren kommen täglich zu ihr. „Es ist schön, eine so große Familie zu haben“, betont sie. Die Kindertagespflege, bei der sich die Kleinen in den privaten Räumen der Betreuerinnen aufhalten, sei ein zusätzliches Angebot zu den Kindertagesstätten, das attraktiv und vielschichtig sei. Vor allem seien die Tagesmütter flexibel bei den Betreuungszeiten, sagte Astrid Kunkel. Da sei auch abends und mal am Wochenende was möglich. Vor allem aber sei man eine kleine Familie, die Kinder hätten eine feste Bezugsperson. „Wir gehen mit den Eltern eine Erziehungspatenschaft ein“, betonte sie.

Die Unterstützung der Stadt bestehe vor allem in der Betreuung der Aktiven durch das Familienbüro, der Bereitstellung von sogenannten Kinderbussen und anderen Utensilien sowie Fachliteratur und Müllsäcken für Windeln. Dennoch werde die Kindertagespflege immer noch als eine Art Notlösung gesehen. „Wir wollen die Anerkennung als gleichwertiges Angebot zu den anderen Betreuungsformen, aber auch finanzielle Unterstützung“, forderte Astrid Kunkel.

Katrin Heidenreich ist seit 2011 in der Tagespflege aktiv. Zu den 160 Stunden Ausbildung kämen jährlich mindestens 20 Stunden Fortbildung, erläuterte sie den Ausschussmitgliedern. Schwachstelle des Systems sei der Ausfall, wenn eine Tagesmutter krank werde. Nicht alle Eltern könnten dies durch Großeltern auffangen. Zwei Möglichkeiten sehen sie: Zum einen das Tandem-Modell, bei dem sich zwei Tagesmütter regelmäßig gegenseitig besuchen, damit die Kinder beide als Bezugsperson anerkennen. Dazu müssten aber beide Betreuerinnen jeweils einen Notfall-Platz freihalten. Zum anderen gebe es die Standortvertretung, bei der eine von der Stadt angestellte Betreuerin in ihr zur Verfügung gestellten Räumen arbeitet.

Finanziell gelten die Tagesmütter als Selbstständige mit dem entsprechenden Risiko. Vom Kreis Offenbach erhalten sie fünf Euro je Kind und Stunde, zudem die Hälfte der Zahlungen in die Renten- und Krankenkasse. (Von Claudia Bechthold)

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