Tapfer Orkan und Regen getrotzt

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Auch in Rembrücken hatte der Sturm viele Dächer abgedeckt.

Heusenstamm - Der letzte Bolzen ist gerade in den dritten Bogen aus blankem Stahlgitter geschlagen und festgemacht, als das Unwetter losbricht. Ein Autokran hatte die drei riesigen Bögen kurz zuvor nacheinander auf die große Bühne vor dem Schloss gehievt. Von Claudia Bechthold

Die schwarzen, bedrohlich wirkenden Wolken, die sich zu dieser Zeit gerade von Westen her nähern, interessieren die Bühnenbauer im Schlossgarten nicht besonders.

Bange Blicke wandern zur selben Zeit, es ist kurz nach 17 Uhr, vor dem barocken Garten am Platz der Verschwisterung neben der roten Telefonzelle immer wieder zum Himmel. Mitglieder der TSV haben sich dort eingefunden, um die mit einem Zelt überdachte Theke vorzubereiten für die Vorführungen, die Aktive verschiedener Abteilungen ab 18 Uhr auf der daneben stehenden Bühne präsentieren wollen. Noch sind die Männer und Frauen guten Mutes, dass der dunkle Himmel bald wieder hell wird.

Doch die Hoffnung ist vergeblich. Es wird windig, stürmisch, und dann, binnen kürzester Zeit, bricht das Unwetter los. Die TSVler flüchten unter das Zeltdach der Theke. Doch das droht von orkanartigen Böen mit bis zu 110 Stundenkilometern abgehoben zu werden. Mit aller Kraft hängen sie sich an das Zeltgestänge. Der Sturm reißt immer wieder an dem Dach, Regen peitscht den TSVlern von der Seite ins Gesicht. Aber sie bleiben tapfer. Geschätzte 20 Minuten hängen sie an dem Gestänge und retten so das Zeltdach.

Bilder aus Heusenstamm nach dem Gewitter

So wütete das Unwetter in Heusenstamm

Während dieser Zeit sind erste Bäume umgestürzt, Äste fliegen - nicht nur - durch den Schlossgarten. Ein anderes Zelt für die 800-Jahr-Feier zerschellt förmlich an der Mauer zur Schlossmühle.

Inzwischen treffen erste Aktive der beiden Freiwilligen Feuerwehren in den Wachen ein. Noch hat es nicht alarmiert. Aber erfahrene Brandschützer wissen, dass es dazu kommen wird. Um 17.42 Uhr ist es so weit. Danach geht es Schlag auf Schlag. An mehr als 80 Einsatzstellen zersägen die Ehrenamtlichen bis weit nach Mitternacht Bäume, die auf Straßen liegen, dichten abgedeckte Dächer notdürftig ab und pumpen Wasser aus Kellern. Ebenso mehrere Stunden unterwegs sind etliche Mitarbeiter des städtischen Bauhofs, die aus dem Feierabend geholt werden.

Ringstraße, die Landesstraße 3117 nach Neu-Isenburg, die L 3001 nach Dietzenbach und die ehemalige L 3405 nach Rembrücken sind zeitweise gesperrt, weil Bäume auf den Fahrbahnen liegen. An der Heusenstammer Straße in Rembrücken ist ein Schornstein abgerissen und in das Dach des Hauses gestürzt. An der Ostendstraße in Heusenstamm hat es das Flachdach eines viergeschossigen Mehrfamilienhauses auf einer Fläche von etwa 750 Quadratmetern abgerissen. Reste des Daches werden in Gärten an der parallel verlaufenden Balthasar-Neumann-Straße gefunden. Entlang des Radwegs zwischen Heusenstamm und Rembrücken liegen zehn entwurzelte oder abgeknickte Alleenbäume. Und die Bühne an der roten Telefonzelle wird vorübergehend gesperrt. Die Böen hatten zu sehr an der Stahlkonstruktion gerüttelt.

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