Theater-Schnitzeljagd am Bahnhof

Gymnasiasten spielen spontane Szenen im Freien

„Die Jagd“ heißt die Szene, die von Schülerinnen und Schülern des Adolf-Reichwein-Gymnasiums am „Alten Bahnhof“ dargestellt wird.
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„Die Jagd“ heißt die Szene, die von Schülerinnen und Schülern des Adolf-Reichwein-Gymnasiums am „Alten Bahnhof“ dargestellt wird.

Es läuft alles ein bisschen chaotisch, doch dafür können die Schülerinnen und Schüler nichts. Sie machen das Beste aus der Situation. „Zehn Theatergruppen aus Hessen, Workshops, Nachbesprechungen, ein Förderpreis und viele theaterbegeisterte Menschen“ lautet das Motto des zweitägigen „Hessischen Schultheatertags“ (HSTT), den der „Hessische Landesverband der Schultheater“ veranstaltet. Und die Theatergruppe des Adolf-Reichwein-Gymnasiums (ARG) ist dabei.

Heusenstamm – Die jungen Schauspieler besuchen die Qualifikationsstufe 2 (Q2) und machen nächstes Jahr ihr Abitur. Tag eins – der Freitag – dient der Vorbereitung und des gegenseitigen Kennenlernens. Alle zehn Schauspielgruppen versammeln sich in ihren Schulen, stellen sich über eine Online-Plattform vor und tauschen ihre Erfahrungen aus.

Am zweiten Tag folgt der praktische Teil, das Theaterspiel. Da das für Schultheater in geschlossenen Räumen noch nicht gestattet ist, findet das Spiel im öffentlichen Raum, also an frei zugänglichen Plätzen statt. Um die Spannung für die jungen Menschen zu erhöhen, kennen sie aber weder Ort noch Aufgabe, denn es soll eine „digitale Schnitzeljagd“ werden. „Wir erhalten unsere Anweisungen sehr kurzfristig vom Veranstalter“, sagt Kristina Stein-Hinrichsen, Leiterin der Theater-AG am ARG: „Dazu haben wir die App Toto-Go installiert, die uns sagt, wohin wir gehen und was wir machen sollen.“

Zuerst marschiert die 14-köpfige Gruppe in Richtung des Bahnhofs. Die ersten Aufgaben lauten, die Szenen „Flucht“ und „Jagd“ darzustellen. Die 13 jungen Schauspieler wählen dazu den Vorplatz des Bahnhofs und die Bahnhofsgaststätte. Filmisch festgehalten werden die Szenen von ARG-Theaterschauspieler Maximilian Schubert. „Die Kamera haben wir vom Hessischen Landesverband gestellt bekommen“, erläutert er. Eigentlich sollen die Bilder live auf die Homepage gestellt werden, doch es gibt Verbindungsprobleme.

Als nächstes soll „Rotkäppchen und der Wolf“ dargestellt werden. „Wir brauchen etwas Rotes“, ruft Stein-Hinrichsen. „Da steht ein rotes Motorrad“, entgegnet Henri Ruff, der auch den Wolf in der Szene darstellt. So folgen viele weitere Szenen wie „Außerirdische“ und „Helden des Universums.“ Eigentlich sollen auch Passanten zum Mitspielen gewonnen werden, aber dies ist aus Zeitgründen und wegen fehlender Passanten schwierig.

Über die App folgt die nächste Anweisung, doch damit beginnt eine kleine Irrfahrt: „Wir sollen zum Schloss und dort eine Kontaktperson treffen“, erläutert Stein-Hinrichsen. Die Koordinaten des genauen Treffpunkts kommen über die App. Doch am Schloss kommen die Schüler nicht an, denn die Koordinaten stimmen nicht. Also macht die Gruppe kehrt und geht Richtung Allee. Es ist nicht die einzige Fahrplanänderung an diesem Tag, denn eigentlich sollte das Theaterspiel mit einem großen „Flashmob“ an der Kirche St. Cäcilia enden. Doch auch dort gibt es technische Probleme. Deshalb wird die Aktion kurz entschlossen auf den Parkplatz neben dem Bahnhof verlegt.

Jury-Mitglied und Theaterregisseur Jorgi Slimistinos entschuldigt sich nachher für die Unannehmlichkeiten. Er vermutet, dass die Koordinaten versehentlich falsch übermittelt wurden. „Es war halt auch für uns Neuland“, meint er. Am Ende des Tages trafen sich trotzdem alle gut gelaunt am ARG. Und nebenbei überreicht Slimistinos einen Scheck über 1 500 Euro. Dieses Fördergeld will die AG nun in moderne Technik investieren. (Von Burghard Wittekopf)

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