Suche nach dem Traum

Theatergruppen unterwegs auf großen Bühnen

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Die sechsten Klassen führten „Betraumrufe“ in der Fahrradhalle des Gymnasiums auf. Im September fahren sie nach Dresden.

Heusenstamm - Bühnenbretter bedeuten auch am Adolf-Reichwein-Gymnasium seit Jahren eine kleine Welt. Gleich zwei Schülergruppen vertreten Heusenstamm in diesem Jahr auf professionellen Theatertagen. Von Selbstfindung, Lichtmomenten und der Kunst des Zuhörens. Von Eva-Maria Lill 

Der Boden in der Fahrradhalle ist kalt. Ein bisschen Gegenlicht huscht durch schmale Fenster. Vor Bühnenelementen stapeln sich Bücher. Darauf: Mützen, Kopfhörer, hingeworfene Kleidungsstücke. Ein paar zerplatzte Träume und Fragen, die niemand beantworten kann. Wohin geht’s? Was bringt die Zukunft? „Betraumrufe“ heißt das Theaterstück, das Schüler der sechsten Klassen am Adof-Reichwein-Gymnasium in der vergangenen Woche aufgeführt haben. Der Titel setzt sich zusammen aus den Silben des Forschungsthemas „Traumberufe“. Unter Leitung von Lehrerin Sina Müller beschäftigte sich die Theater AG „Young Actorz“ mit Jobwahl und Zukunftsangst. Aus Fragebögen und Internet-recherche bastelten sie das rund 45-minütige Stück.

Erstaunlich, mit wie viel professionellem Mut und Charme die Sechstklässler ihren Auftritt meistern. Das findet auch die Jury der Schultheatertage der Länder. Vom 20. bis 26. September dürfen die 19 Young Actorz Hessen im „theater junge generation“ in Dresden vertreten. Mit dabei: 15 Gruppen aus den Bundesländern, alle älter. Beworben hatten sich die Sechsklässler mit einem Proben-Video. „Als wir ausgewählt wurden, war unser Freudenschrei so laut, dass uns bestimmt die halbe Stadt gehört hat“, sagt die zwölfjährige Victoria. „Für mich ist Theater so toll, weil man direkt die Reaktion des Publikums sieht. Ob die lachen. Oder ganz still sind. Endlich hört einem jemand richtig zu.“ Mitschülerin Yasmin Amelie ergänzt: „Auf der Bühne stehen ist mein Traumberuf. Wenn ich Theater spiele, dann geht so richtig ein Licht in mir auf.“

Doch nicht nur die Sechstklässler hissen die Heusenstamm-Fahne auf einem Festival. Denn die Klasse Darstellendes Spiel der Q2 fährt am Montag zu den hessischen Schultheatertagen. In Schlitz zeigen sie zwei Tage lang ihr Können vor Fachpublikum und fünf anderen Gruppen. Premiere hatte ihr Stück „Das Millionenspiel“ bereits Ende Februar auf der Aula-Bühne des Gymnasiums. Die 17 Schüler haben es selbst geschrieben, thematisch orientiert es sich an James Krüss’ Roman „Timm Thaler“. Pappblöcke, Klarsichtfolie, schwarzer Stoff, Gedichtfetzen, fragmentarischer Text: Ähnlich wie „Betraumrufe“ ist auch „Das Millionenspiel“ experimentell, anders, nachdenklich. „Das Besondere an Theater ist, dass alles möglich ist“, schwärmt Schülerin Esra. Austoben, ausprobieren, lernen. Und am Ende unter Applausregen begreifen, dass die Mühe lohnt.

Theateraufführung „Barfuß im Park“

Sina Müller ist die Leiterin beider Gruppen. Seit 2011 unterrichtet die 31-Jährige Darstellendes Spiel am Adolf-Reichwein-Gymnasium. In der Oberstufe dürfen die Schüler zwischen Musik, Kunst und Schauspiel wählen. Seit vergangenem Jahr kann sogar die Abiturprüfung im Fach abgelegt werden. Für die Lehrerin allerhöchste Zeit: „Viele Jugendliche und Kinder blühen auf der Bühne auf. Theater ist das beste Mittel zur Persönlichkeitsentwicklung. Es bietet einen Schutzraum, in dem Fehler gemacht werden dürfen.“ Der 17-Jährige Hendrik fügt hinzu: „Wenn man Musik wählt, kann man schön singen. Wenn man Kunst wählt, schön zeichnen. Schauspiel bringt meinem ganzen Auftreten, meinem ganzen Leben etwas.“ Am Mittwoch steht für die Q2 in Schlitz ein großes Fest auf dem Programm. Dort bekommen sie den Förderpreis der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen. Die 1 500 Euro möchte Sina Müller in eine Lichtanlage für den Theaterraum investieren. Denn: „Leider hat unsere Schule immer noch keine eigene Bühne. Und dass, obwohl hier Theater immer wichtiger wird“

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