Aus Timm Thaler wird Emilio

Ganz in Schwarz spielten die Gymnasiasten ihr selbst geschriebenes „Millionenspiel“ auf der Bühne des ARG.
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Ganz in Schwarz spielten die Gymnasiasten ihr selbst geschriebenes „Millionenspiel“ auf der Bühne des ARG.

Heusenstamm - Schüler schreiben eigenes Theaterstück und führen „Das Millionenspiel“ auf. Träume und die Welt des Fußballs, aber auch unvorsichtig unterschriebene Verträge werden darin thematisiert. Von Jürgen Roß 

Die Themen des Theaterstücks hatten sich die Schüler selbst ausgesucht, versichert Sina Müller, Lehrerin für Darstellendes Spiel am Adolf-Reichwein-Gymnasium (ARG). Direkt nach den Sommerferien hatte der Kurs der Klassenstufe Q2, das entspricht der zwölften Klasse, begonnen, sich mit dem Stück zu befassen. Daraus ist „Das Millionenspiel“ geworden, das die Schüler am vergangenen Wochenende zweimal in der Aula des Gymnasiums aufgeführt haben. Gelungen ist ihnen ein kritisches Stück, das auch unterhaltsam ist.

Als Vorlage diente der Roman „Timm Thaler“ von James Krüss, der sein Lachen verkauft für die Fähigkeit, jede Wette zu gewinnen. Die Schüler haben es übertragen auf die Welt des Fußballs. In mehreren Unterrichtseinheiten und bei einem Probenwochenende haben sie ein eigenes Regiebuch geschrieben.

Der fußballbegeisterte Junge Emilio Salvador wächst mit seiner Familie in den Favelas Brasiliens auf. Der Sport und seine Familie geben ihm Halt in seinem Leben. Wie viele Jugendliche träumt er von der großen Karriere als Fußballstar. Nachdem plötzlich seine Mutter stirbt, kümmern sich die Geschwister um die Familie, während der Vater seine Probleme und Sorgen in Alkohol ertränkt. Als eines Tages die Managerin eines englischen Fußballclubs in die Favelas kommt, um Nachwuchstalente zu suchen, wird dem jungen Brasilianer Emilio ein scheinbar lukrativer Vertrag angeboten: Für jedes erzielte Tor in einem Spiel erhält er eine Million Pfund. Dass er das Kleingedruckte im Vertrag nicht liest und gewissermaßen über den Tisch gezogen wird, wird er später bereuen.

Soziale Netzwerke als Thema

Dramaturgisch geschickt unterbrechen die Schüler an dieser Stelle das Stück: „Wer liest schon den Vertrag den er unterschreibt?“ fragen die schwarz gekleideten Spieler ins Publikum und präsentieren eine Vielzahl an Verträgen und Vereinbarungen, die jeder Tag für Tag eingeht, ohne sie wirklich gelesen zu haben. Mit Zitaten aus den Geschäftsbedingungen sozialer Netzwerke wie Facebook oder dem Nachrichtendienst What’s App halten sie dem Publikum den Spiegel vor. Sie zeigen, dass Gefahr läuft, sich unwissend auf Vereinbarungen einzulassen, die später zu Problemen führen können.

Eingebettet in ein Interview erzählt dann Emilio seine Geschichte weiter. In seinem Fußballclub in England fehlt es ihm an nichts: Die Sportstätten sind purer Luxus und er taucht ein in eine Welt von Macht, Anerkennung, Geld und Reichtum. „Alles ist so anders als zu Hause: Ihr habt fließendes Wasser und das auch noch warm“, stellt der junge Brasilianer fest. In einer gelungenen Parodie greifen die Schüler auch das Verhalten von Sportjournalisten auf, die nach Fußballspielen Spielern seltsame Fragen stellen und scheinbar tiefgreifende Spielanalysen erwarten.

Dass Emilio weiterhin Kontakt zu seiner Familie in den Favelas halten will, wird von den Vereinsmanagern unterbunden. Als er eines Tages in der Zeitung liest, dass die Favelas, in denen seinen Familie lebt, einem Luxusresort seines Vereines weichen soll, und die Manager dort einen Brand legen ließen, kommen Emilio große Zweifel. Er lehnt sich auf, reist nach Brasilien und mit einem Trick gelingt es ihm schließlich, sich aus dem Vertrag zu lösen. Erst jetzt ist er frei.

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