Eine eigene Mannschaft gründen

TSV Heusenstamm bietet für Mädchen Schnuppertraining im Fußball an

Teamwork steht im Vordergrund: Trainer Josi Moos hat die Erfahrung gemacht, dass es bei Mädchenmannschaften mehr auf den Ball und weniger auf die eigene Person ankomme.
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Teamwork steht im Vordergrund: Trainer Josi Moos hat die Erfahrung gemacht, dass es bei Mädchenmannschaften mehr auf den Ball und weniger auf die eigene Person ankomme.

Die Hoffnung auf den EM-Titel hat sich für die Fans der Deutschen Nationalmannschaft zerschlagen. Doch schon in einem Jahr darf wieder mitgefiebert werden, denn dann behauptet sich die Nationalelf des Frauenfußballs gegen die übrigen europäischen Mannschaften. Dass weiblicher Fußball deutlich mehr Aufmerksamkeit verdient hat, findet auch die TSV Heusenstamm. Der Verein bietet bis zum Ferienstart ein Schnuppertraining für die Jahrgänge 2009 bis 2012 an, um schließlich nach der Sommerpause mit einer Mädchenmannschaft durchzustarten.

Heusenstamm - Das Schnuppertraining lockt zwar auch die Mädchen an, die zurzeit schon in den gemischten Juniorenmannschaften der TSV kicken, aber auch Neulinge trauen sich aufs Feld an der Martinseestraße 6. Um die Ball- und Zielsicherheit zu prüfen, stellt Trainer Josi Edward Moos ein kleines Tor auf. Nacheinander kicken die Nachwuchsspielerinnen den Ball ins Netz, die einen mehr, die anderen weniger selbstbewusst. Zunächst ein kritischer, prüfender Blick gen Tor, dann ein zaghafter Tritt gegen den Ball, schließlich: ein kleiner Jubel. „Mädchen denken prinzipiell mehr nach als Jungs, bevor sie einen Schritt wagen“, berichtet Moos, der schon in Mörfelden als Trainer Erfahrung mit Mannschaften von Spielerinnen gesammelt hat. Das sei eine „ganz andere Dynamik“. Eugen Kern, Vizevorsitzender des Vereins und Vorsitzender der Fußballabteilung, erläutert: „Die gemischten Mannschaften funktionieren gut, aber ab einem Alter von 16, 17 Jahren werden die Unterschiede zu groß.“ Die Jungen werden schneller und laufen den Mädchen davon. Im Schnuppertraining gehen es die Neulinge ohnehin erst einmal langsam an. Nach den Kickübungen, bei denen jedes Mädchen für sein eigenes rundes Leder verantwortlich ist, spielen Pässe, üben sich im Ballbesitz. „Und beim nächsten Mal kommt Krafttraining dazu“, kündigt der Trainer an.

In Heusenstamm gab es bereits 1971 – ein Jahr, nachdem der Deutsche Fußballbund (DFB) das Verbot aufgehoben hat – eine Frauenmannschaft. Zuletzt wurde der Ball vor fünf Jahren von Damen ins Netz befördert. Diese Mannschaft brach auseinander, als die Spielerinnen nach der Schule neue Wege einschlugen. Und selbst der Weg von der Schlossstadt in die Nationalmannschaft wurde bereits mit Stollenschuhen bestritten: Katharina Rust, die bei der TSV anfing, nahm in ihrem ersten Länderspiel als U15-Nationalspielerin einen Sieg gegen die Schweiz mit nach Hause. Ein guter Grund, für weitere Nachwuchstalente zu sorgen.

Katharinas kleine Schwester Johanna schaut sich das Schnuppertraining ebenfalls an. Es sei zwar für sie „keine Herausforderung, sondern einfach mal zum Spaß.“ Deswegen könne sie sich vorstellen, neben dem Training der E-Jugend auch die Mädchenstunden zu besuchen. „Die anderen lernen schnell“, resümiert sie nach wenigen Terminen. Entsprechend motiviert ist auch die 16-jährige Dunja. Sie hat bereits bei den „Schulmeisterschaften“ der Adolf-Reichwein-Schule Gefallen an dem Mannschaftssport gefunden. „Aber die Jungs nehmen einem immer den Ball weg, das hat mich bisher abgehalten, ins Training zu gehen.“ Abteilungsleiter Eugen Kern sieht sich bestätigt: „Es ist ein Stück weit Zeitgeist, eine Mädchenmannschaft zu etablieren.“

Auf lange Sicht soll auch die Verantwortung in Frauenhand liegen. Mit Karin Straub steht eine Trainerin in Aussicht, die Josi Moos ablösen könnte. Bis dahin genießt er aber die neue Herausforderung. „Bei den Mädels geht es mehr um Teamwork als bei den Jungs“, sagt er. Der Fokus sei auf dem Ball, nicht auf der eigenen Person.

Am Ende der Schnupperstunde scharen sich etwa zehn Neulinge um den Trainer, um Fragen zu stellen oder Anmeldeformulare mitzunehmen. Damit ist die Resonanz groß genug, nach den Sommerferien mit dem regulären Training zu beginnen – zu dem nach wie vor alle Interessentinnen eingeladen sind. Montags und freitags wird dann von 16.30 bis 18 Uhr auf dem TSV-Gelände (Martinseestraße 6) trainiert. Und auch darüber hinaus stehen weitere Pläne an: Am 5. September findet der vom DFB und den Landesverbänden organisierte „Tag des Mädchenfußballs“ statt, an dem die TSV als Gastgeber fungiert. Kern erzählt: „Wir haben uns als Austragungsort beworben und freuen uns, dass wir andere Mannschaften begrüßen dürfen.“ Das gilt übrigens auch für das Training an sich. „Jedes Mädchen aus Heusenstamm und der Umgebung ist willkommen“, betont Moos. Wer gerne teilnehmen möchte, kann sich per Mail an maedchen@tsvheusenstamm-fussball.de melden. (Lisa Schmedemann)

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