Umbau des Rainbow-Hauses

Umzug im Prüfungsstress

Heusenstamm - Seit zwei Jahren leben im ehemaligen Rainbow-Hotel im Seligenstädter Grund junge Männer, die als unbegleitete minderjährige Flüchtlinge nach Deutschland gekommen sind. Jetzt soll die Einrichtung umfunktioniert werden zur allgemeinen Unterkunft für Asylbewerber. Von Claudia Bechthold 

Die jungen Leute müssen ausziehen – mit weitreichenden Folgen. Sie stehen fast alle kurz vor einem Abschluss. Viele der jungen Männer aus Afghanistan, Eritrea oder Äthiopien besuchen derzeit Hauptschulklassen, stecken bereits in den ersten Prüfungen. Andere wollen das Sprachdiplom ablegen, um danach mit der Schule oder einer Ausbildung weitermachen zu können. Und sie haben Pläne. Dawit zum Beispiel will Tischler werden, hat schon eine gute Chance für eine Lehrstelle. Shah Razul und Abel wollen weiter zur Schule gehen, um den Realschulabschluss anzufügen.

Doch jetzt steht ihnen eine Zäsur bevor. Noch vor Ostern sollen sie umziehen in den Johannishof, eine Einrichtung, die zwar zu Rödermark gehört, aber südlich der Bundesstraße 45 im Wald am Ortsrand von Eppertshausen gelegen ist. Damit würde der Weg zu ihren Schulen in Offenbach, Dreieich und Obertshausen wesentlich weiter und komplizierter.

Außerdem hat der Kreis Offenbach den mittlerweile Volljährigen mitgeteilt, dass sie zum Ende des Monats keine Jugendhilfe mehr erhalten sollen. Damit wird ihnen zwar die staatliche Unterstützung nicht verwehrt. Die erhalten sie weiterhin, aber aus einem anderen Topf. „Das bedeutet, sie müssen alle neue Anträge auf Unterhalt bei der Pro-Arbeit stellen“, erläutert Brigitte Nötzel, Diplom-Pädagogin und eine der Betreuerinnen. Und dies alles mitten im Prüfungsstress. Dazu komme, dass mancher der zum großen Teil bereits anerkannten Flüchtlinge in Heusenstammer Vereinen aktiv ist.

Natürlich habe man sich Gedanken über die Situation der jungen Männer gemacht, bevor man diese Entscheidungen getroffen habe, versichert Carsten Müller, als Kreisbeigeordneter unter anderem für die Asylbewerber zuständig. Den Vorwurf etwa, für den Schulweg benötigten die jungen Leute sehr viel länger, könne er entkräften: „Mit dem Zug ist man innerhalb von 32 Minuten von Eppertshausen aus in Offenbach.“ Und zum Bahnhof könnten sie mit den Fahrrädern gelangen, die man ihnen überlassen habe.

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Auch die Entlassung aus der Jugendhilfe sei eine begründete Entscheidung, da alle volljährig seien. „Die jungen Leute sollen lernen, selbstständig zu leben“, sagt Müller. Dazu gehöre auch, eigenverantwortlich Anträge zu stellen. Freilich lasse man sie auch dabei nicht allein.

Fest stehe, das Rainbow-Haus verliere seine Zulassung als Jugendhilfe-Einrichtung, auch die Verträge mit dem Träger seien zum 31. März gekündigt. Man werde sich Anfang der Woche die Fälle noch einmal ansehen, verspricht der Dezernent. Er habe aber wenig Hoffnung, dass sich etwas ändert, denn „wir haben nicht genug Kapazitäten“. Sollten Betroffene zum Beispiel selbst eine Wohnung finden, werde man sich dem nicht verschließen. „Aber wir müssen wirtschaftlich handeln“, dazu sei diese Einrichtung zu teuer.

Rubriklistenbild: © dpa

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