Bürgermeister sieht Probleme

150 junge Flüchtlinge ziehen ins Rainbow-Hotel

Heusenstamm - Unter den Menschen, die derzeit aus Syrien, Afghanistan und Eritrea nach Deutschland kommen, sind auch viele Jugendliche, die ganz allein auf der Flucht sind vor Krieg, Anschlägen, politischer Verfolgung oder Hunger. 150 von ihnen ziehen nach Heusenstamm. Von Claudia Bechthold

Seit Dienstag wissen es die Verantwortlichen. Rund 150 sogenannte unbegleitete Jugendliche sollen spätestens Mitte Dezember nach und nach im Kreis eintreffen und nach Heusenstamm kommen. Und diese Jungen und Mädchen müssen anders untergebracht und betreut werden als etwa erwachsene Asylbewerber.

Noch seien die Verträge nicht unterschrieben, betont Kreisbeigeordneter Carsten Müller, aber die Vereinbarungen stünden fest. Platz werden diese 150 Jugendlichen im Rainbow-Hotel am Seligenstädter Grund finden. Diese Immobilie sei ideal für diesen Zweck, erläutert er.

So sei das Hotel über drei Etagen verteilt, was das Bilden von Betreuungsgruppen erleichtere. Den jungen Leuten stünden Doppelzimmer mit eigener Nasszelle zur Verfügung, so dass man auf die Belegung Einfluss nehmen, auf passende Paarungen, was Herkunft, Sprache und Religion betreffe, achten könne. Die Trägerschaft und damit die Betreuung der Einrichtung werde eine Tochtergesellschaft des Paritätischen Wohlfahrtverbandes übernehmen.

Die meisten Jugendlichen seien 16 Jahre alt. Die zweitgrößte Gruppe bilden 15- und 17-Jährige. Viele seien erst 14 Jahre alt, wenige sogar erst 12. Die Zahl der im Rainbow-Hotel untergebrachten Jugendlichen werde der Schlossstadt selbstverständlich angerechnet, versichert Müller.

Bilder: Umgang mit Flüchtlingen in der Region

Nicht gerade glücklich äußert sich Bürgermeister Peter Jakoby zu dieser Nachricht. So gehe der Stadt auf diese Weise Hotelkapazität verloren, die bislang auch von benachbarten Firmen genutzt worden sei. Er habe die Unternehmer schon zu einem Informationsgespräch eingeladen. Zum anderen müssten die Jugendlichen ja auch Schulen besuchen, was nicht ganz leicht werde. Er sehe diese als eine der Aufgaben an, die erfüllt werden müsse: „Aber wir kommen allmählich an das Limit unserer Möglichkeiten. Die große Politik muss sich überlegen, wie sie dieses Problem europäisch regeln will. Wir Kommunen sollen auf der einen Seite unsere Haushalte sanieren und müssen gleichzeitig auf kleinem Terrain die Weltpolitik lösen.“

Der Kreis will das Hotel für zehn Jahre anmieten. Sobald der Vertrag unterschrieben sei, sagt Carsten Müller, müssten noch kleinere Umbauten erledigt werden. So müssten zum Beispiel kleine Teeküchen eingerichtet werden. Da man nicht wisse, wann wie viele Jugendliche kommen, könne man freie Kapazitäten auch mit anderen Asylbewerbern belegen.

Es seien immer wieder neue Herausforderungen, meint Müller. Denn diese Jugendlichen seien zum größten Teil traumatisiert.

Alles zu Flüchtlingen in der Region finden Sie hier

Rubriklistenbild: © dpa

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