Bedenken zum Vertrag über den Sandabbau in Martinsee

„Uns geht es um die Natur“

Der Sandabbau im Wald bei Martinsee von oben gesehen. Der Vertrag mit Braas soll verändert werden Foto: HÄSLER

Heusenstamm – Bis Ende des Jahres 2021 soll im Wald hinter dem Kultur- und Sportzentrum Martinsee noch Sand abgebaut werden. So zumindest sieht es der Vertrag vor, der einst mit dem Dachsteinhersteller Braas an der Rembrücker Straße vereinbart worden war. VON CLAUDIA BECHTHOLD

Ob es dabei bleibt, scheint inzwischen allerdings fraglich. Und auch über die Rückverfüllung des dort mittlerweile entstandenen Sees ist das letzte Wort offenbar noch nicht gesprochen.

Das zumindest ist der Eindruck, der am Mittwochabend in der Sitzung des parlamentarischen Bauausschusses entstanden ist. Bürgermeister Halil Öztas hatte den Ausschussmitgliedern die Neufassung des Vertrags zur Sandförderung vorgelegt. Eine Entscheidung darüber ist am Mittwochabend noch nicht gefallen. In der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses am nächsten Mittwoch soll erneut überlegt werden, wie man mit dem Vertrag umgeht.

Fakt ist, dass unter den Stadtverordneten – fast fraktionsübergreifend – Unzufriedenheit über den Sandabbau und den damit verbundenen Vertrag herrscht. So bemängelte der CDU-Stadtverordnete Peter Jakoby, man sei immer davon ausgegangen, dass mindestens 50 Prozent des Sandes, der im Heusenstammer Wald gewonnen wird, für die Herstellung der Dachsteine im Werk an der Rembrücker Straße benötigt würden: „Anfangs hieß es sogar 85 Prozent.“ Inzwischen seien es nur noch 20 Prozent.

Dazu äußerte sich auch der Grünen-Fraktionsvorsitzende Heiner Wilke-Zimmermann in einer Pressemitteilung: „Der Sandabbau wurde nur gebilligt, um damit die Dachsteinproduktion aufrecht zu erhalten. Von einem Sandabbau allein zum Verkauf auf dem freien Markt war nie die Rede. Das muss sofort unterbunden werden.“ Das forderte er auch während der Ausschusssitzung, Auch die von Braas zugesagte Erhaltung von Arbeitsplätzen in der Schlossstadt sei nicht eingehalten worden.

Für die Grünen müsse nun zunächst erst einmal festgestellt werden, ob es besser sei, den See wieder zu verfüllen oder so zu belassen, wie er ist. Entscheiden müsse dies die Stadt, der das Grundstück gehört: „Denen geht es um das Geld, uns um die Natur“, fügte er an.

Denn auch für die vertraglich festgelegte Verfüllung und Renaturierung haben sich die Voraussetzungen geändert. Während zu Vertragsbeginn klar war, dass dort gewonnenes Material genutzt werden muss, um das „Loch“ wieder aufzufüllen, ist es inzwischen gestattet, auch Fremdmaterial dazu zu nutzen. „Was ist, wenn dort etwas hineingekippt wird, mit dem das Grundwasser verseucht wird“, nannte Karsten Sigl von der SPD weitere Bedenken. Er schlug vor, über den Vertrag zunächst nicht abzustimmen.

Am Ende bat Bürgermeister Öztas um weitere Gespräche über den Umgang mit dem Vertrag zum Sandabbau, eventuell auch im Ältestenrat. Er müsse eine klare Richtung wissen, in der verhandelt werden soll.

Notwendig wurde der Neuvertrag, weil Braas darum gebeten hatte, mit dem Rückbau erst nach 2021 beginnen zu dürfen. Eigentlich sollte dieser nach und nach mit dem fortschreitenden Sandabbau erfolgen. Dieses Ansinnen wurde von der Aufsicht genehmigt.

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