„Unzertrennlich“ auf Goldkurs

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Philippe Schmidt

Heusenstamm - Sie sind es nicht nur, sie heißen auch so: die Unzertrennlichen. Und gemeinsam mit seinen kleinen afrikanischen Papageien ist der Heusenstammer Züchter Philippe Schmidt seit Jahren auf Goldkurs. Von Claudia Bechthold

Jetzt ist er aus dem spanischen Almeria mit einem Weltmeister-Titel zurückgekehrt. Das ist nicht sein erster Titel auf dieser Ebene.

Farbenfroh sind die lebhaften Vögel, deren wissenschaftlicher Name „Agapornis“ übersetzt „Liebesvogel“ bedeutet. Und vor allem treu. Eine einmal geschlossene Verpaarung hält ein Leben lang. „Und wenn eines der Tiere mal wegfliegt, dann setzen wir seinen Partner im Käfig in den Garten“, berichtete Philippe Schmidt. Das Tier ruft dann so lange nach dem anderen, bis dieser wieder da ist. 40 bis 50 Vögel hält der Heusenstammer meist als „Stammbesetzung“. Wenn die Brutzeit vorbei ist, sind es auch schon mal 130 bis 140.

Mitgründer des Vogelzuchtvereins

Freilich hält Philippe Schmidt nicht nur „Unzertrennliche“. Auch Sperlingspapageien gehören zu seinem Bestand. Und zierliche Fledermauspapageien, die ihren Namen erhalten haben, weil sie kopfüber hängend schlafen. Die meisten Käfige in seinem Keller gehören aber jenen „Unzertrennlichen“.

Seit 1980 züchtet der gelernte Heizungsmonteur Papageien. Und 1982 zählte er gemeinsam mit seinem verstorbenen Bruder Patrick sowie unter anderem dem langjährigen Vorsitzenden Dieter Späth zu den Gründern des Heusenstammer Vogelzuchtvereins.

Geboren wurde Philippe Schmidt in Frankreich, in Melun südöstlich von Paris. Sein Vater war Deutscher, „deshalb der Nachname“, erläutert der 57-Jährige mit einem Schmunzeln. 1971 übersiedelte die Familie aus verschiedenen Gründen nach Oberroden. Dort hat er dann seine Frau Anita kennen gelernt, eine Heusenstammerin. Seit 1975 lebt die Familie in der Schlossstadt.

Das aufwendige Hobby ihres Mannes hat Anita Schmidt immer akzeptiert. Und wenn es einmal ganz eng wird mit der Zeit, springt sie auch ein bei der Vogelpflege. Aber das ist eher selten. Umso mehr genießt sie, ihn auf Reisen zu den Weltausstellungen zu begleiten. In Almeria war sie auch dabei. „Es macht Spaß, bei den Ausstellungen Menschen aus aller Welt kennen zu lernen“, begründet das Anita Schmidt.

Im Keller wird ein Tagesablauf simuliert

Im Keller hat Philippe Schmidt zwei Räume für seine Tiere eingerichtet. Taghell ist darin. Die Lampen sind so geschaltet, dass es morgens langsam - wie bei einem Sonnenaufgang - hell und abends ebenso langsam wieder dunkel wird. Im Sommer allerdings leben die Papageien in Volièren im Garten der Schmidts. „Unsere Nachbarin mag das Gezwitschere zum Glück, so dass es keine Probleme gibt“, sagt Anita Schmidt.

Schon morgens kümmert sich Philippe Schmidt eine halbe Stunde um die Tiere. Und abends verbringt er dann noch einmal etwa eineinhalb Stunden mit Pflege und Fütterung. „Wenn ich alle zwei Wochen die Käfige reinige, dann ist ein kompletter Samstag weg.“ Aber für ihn bedeutet das Ausgleich.

Bei der Zucht kommt es darauf an, dass die Tiere in Form, Größe und Farbe dem Ideal so nahe wie möglich kommen. Aber auch die Qualität des Federkleids und die Kondition der Vögel werden beurteilt. Und die Harmonie. Denn ausgestellt wird zum Beispiel ein so genannter Stamm, das sind vier Tiere. Und diese müssen auch miteinander harmonieren. Währenddessen klettert der kleine Liebesvogel, der für das Foto aus dem großen Käfig geholt wurde, unruhig immer wieder an den Gitterstäben entlang. „Der ist noch jung“, sagt Philippe Schmidt fast entschuldigend.

Den Weltmeister-Titel für seine „Unterzertrennlichen“ und Silber für seine Sperlingspapageien hat er aus Almeria mitgebracht. Und Bronze für die Kanaren von Vereinskamerad Ralf Wentz.

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