Ein verborgener Schatz

Adolf-Reichwein-Schule steht nun unter Denkmalschutz

Eher unscheinbar ist das Schild, das nach außen den Schutz der Landesdenkmalbehörde signalisiert. Udo Schreiber, Landrat Oliver Quilling, Bürgrmeister Halil Öztas und Schulleiterin Margit Breen (von links) schraubten es fest.

Sie haben einander vermutlich nie getroffen, obwohl sie Zeitgenossen waren: der Pädagoge Adolf Reichwein und der Architekt Ernst May.

Heusenstamm – Für die Schüler der nach Reichwein benannten Schule war das allerdings kein Grund, sich nicht ein Gespräch zwischen diesen beiden Männern auszudenken. Der Dialog, vorgetragen von Amina Khalifa und Andy Le Hoang, war Teil der großen Feier zur Aufnahme des Gebäudekomplexes an der Leibnizstraße in das Verzeichnis denkmalgeschützter Gebäude in Hessen.

„Ich bin schon ein wenig stolz, dass wir eine von drei Schulen, die Ernst May gebaut hat, im Kreis Offenbach haben“, sagte Landrat Oliver Quilling und gratulierte der Stadt, deren damalige Verantwortliche sich für den großen Architekten entschieden hatten. Dass dem Kreis durch den Schutz des Landes für das Gelände der Adolf-Reichwein-Schule (ARS) der Plan durchkreuzt worden war, eine weitere Grundschule auf dem Grundstück zu errichten, sah Quilling gelassen: „Wir haben ja eine Lösung gefunden.“

Viele Gäste konnte Schulleiterin Margit Breen begrüßen, darunter deren Vorgänger Josef Eckstein, Gerhard Länder und Matthias Lippert, Udo Schreiber vom Landesamt für Denkmalpflege sowie Vertreter der in Frankfurt ansässigen Ernst-May-Gesellschaft. „Visionär“ geplant habe May diese Schulgebäude, die auf großer Fläche und dank der Großzügigkeit des Ensembles heute ermögliche, 550 Schüler in Förderstufe, Haupt- und Realschule zu unterrichten sowie ihnen bei der Berufsorientierung zu helfen, führte Breen weiter aus.

Ein fiktives Gespräch zwischen Ernst May und Adolf Reichwein führten Amina und Andy. Fotos (2): BECHTHOLD

Heusenstamm habe jede Menge Schätze, betonte Bürgermeister Halil Öztas, die Adolf-Reichwein-Schule sei ein verborgener Schatz gewesen. Vermutlich wäre dieser bis jetzt nicht entdeckt worden, hätte der Kreis nicht die Idee gehabt, auf diesem Gelände jene Grundschule zu bauen. Öztas dankte vor allem Thorsten Krahn, Lehrer an der ARS, der das Projekt „Denkmalschutz“ begleitet hat.

Krahn selbst warf einen Blick auf das Leben Ernst Mays (1886 - 1970) und erläuterte die Ideen des Frankfurters, die an der ARS umgesetzt wurden: „Mays Idee der Freiflächenschule in Pavillonbauweise, die stets vorhandene Möglichkeit, zwischen den Teilräumen über Sichtachsen zu kommunizieren, die Grün- und Freiflächenplanung des Neuen Frankfurt wird man ebenso wieder erkennen wie die Laubengänge, den Schulgarten oder die Obstwiese, deren Bewirtschaftung Ernst May sehr wichtig war und uns heute noch ist.“

Zu den Klängen von „Freude schöner Götterfunken“ aus Beethovens neunter Sinfonie schraubten schließlich Quilling, Breen, Öztas und Schreiber vom Landesdenkmalamt das kleine Schild an das Hauptgebäude der Adolf-Reichwein-Schule, an der nun baulich nichts mehr verändert werden darf.

VON CLAUDIA BECHTHOLD

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare