Verbote interessieren viele nicht

+
Mit drei Containern auf dem „Buckel“ rollten gestern Mittag zwei Schwerlastwagen ausgerechnet durch die Frankfurter Straße. Warum die Fahrer durch die Einkaufsstraße fahren mussten statt auf kürzestem Weg auf die Ringstraße zu gelangen, war nicht zu ergründen. Die Frankfurter ist jedenfalls für Lastwagen gesperrt.

Heusenstamm ‐ Ihr Leben wird bestimmt von der Kreuzung rund um den Bahnübergang an der Frankfurter Straße. Die Familie wohnt direkt an diesem Übergang. „Morgens um 5 Uhr werden wir geweckt vom Hupen der Busfahrer, denen es nicht schnell genug gehen kann“, sagt der Vater. Von Claudia Bechthold

Und nachts etwa zwischen Mitternacht und ein Uhr werde man regelmäßig aus dem Schlaf gerissen, wenn S-Bahnfahrer ihr pfeifendes Warnsignal abgeben müssten, weil Fußgänger oder Autofahrer das Rotlicht am Bahnübergang mit Halbschranken missachteten und noch schnell über die Schienen wollten. Seit Sonntag haben diese Geräusche einen zusätzlichen Schrecken.

Die Mutter war allein zu Hause, als der Unfall passierte. Ihr Mann war mit dem Fahrrad unterwegs, ihr Sohn hatte angekündigt, mit Freunden per S-Bahn in Richtung Offenbach fahren zu wollen. „Und dann war da dieser furchtbare Schlag. Ich hab sofort gewusst, dass da etwas passiert sein musste, und bin auf die Straße gerannt. Ich hab an meinen Sohn und meinen Mann gedacht.“ Sie ist eine der ersten, die den tödlich Verunglückten erreicht. „Zum Glück waren einer der Sanitäter und zwei andere Männer sofort neben mir“, sagt sie. Aber die Bilder, die Eindrücke von diesem schlimmen Unfall am frühen Sonntagabend (wir berichteten), das alles bleibt im Kopf.

Richtig wütend wird sie, wenn sie an das Verhalten von Passanten während der Rettungsarbeiten und der Unfallaufnahme denkt. Da seien Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienstangehörige übel beschimpft worden, berichtet sie. Und sie sei sogar gefragt worden, ob man auf ihre Terrasse dürfe, weil man von da aus vielleicht besser sehen könne. „Da fehlen einem die Worte.“

Beschimpfungen statt Verständnis

Irgendwann habe so etwas einmal passieren müssen, meint auch ihr Mann. Gerade in den vergangenen beiden Monaten hätten sie immer wieder beobachtet, dass Fußgänger oder Radfahrer über die Schienen wollten, obwohl die Ampel Rot zeige und die Schranke runter gehe. Aber auch sonst halte sich rund um diese Kreuzung fast niemand an die Regeln. Da werde aus der Hohebergstraße und aus der Eisenbahnstraße ständig nach links abgebogen, obwohl es untersagt ist. Schwere Lastwagen hielten sich nicht an das für sie bestehende Durchfahrverbot für die Frankfurter Straße. Und zwischen Linienbussen und Autos wuselten Radler und Fußgänger kreuz und quer über die Fahrbahnen. Dass da nicht schon mehr passiert sei, sei ein Wunder, meinen nicht nur die beiden Anwohner.

Erster Stadtrat Uwe Michael Hajdu versichert, dass rund um den Bahnübergang regelmäßig Fahrzeuglenker aufgeschrieben würden, weil sie sich nicht an die Regeln hielten. Aber auch die Mitarbeiter des Ordnungsamtes müssten sich dann Beschimpfungen gefallen lassen, wenn sie Autofahrer erwischten. Aber auch grundsätzlich wisse man, dass Verbotsschilder viele Verkehrsteilnehmer schlicht nicht interessierten. Und wenn man Fußgänger anspreche, die bei geschlossener Schranke über die Gleise wollten, dann gebe es oft genug Antworten wie „ist doch mein Leben“ oder ähnliches.

Dennoch verspricht Hajdu, in nächster Zeit wieder verstärkt gerade an dieser Kreuzung kontrollieren zu lassen.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare