„Verloren haben dabei alle“

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Mit einem sehr persönlichen offenen Brief an Willi Jaschek hat inzwischen auch TSV-Vorstandsmitglied Eugen Kern reagiert.

Heusenstamm - Es ist inzwischen Tagesgespräch in der Schlossstadt: Im mit knapp 2 550 Mitgliedern größten Verein, der TSV Heusenstamm, rumort es derzeit hörbar. Von Claudia Bechthold

In der Auseinandersetzung um die Beschäftigung des erfolgreichen Turnertrainers Julian Olariu ist es in der vergangenen Woche zum Bruch gekommen. Gestern nun hat Turnerlegende Willi Jaschek, 1968 als „Held von Mexiko“ in die Geschichte der olympischen Spiele eingegangen, seine Sicht der Dinge in Form einer bezahlten Anzeige in unserer Zeitung veröffentlicht.

„Das Kunstturnen in Heusenstamm ist tot“, überschreibt Jaschek seinen Text, in dem er sehr detailliert seine Sicht auf die Vorgänge schildert, die sich in den vergangenen Monaten innerhalb des Vereins abgespielt haben.

Worum geht es: Wie ausführlich berichtet, ist das Arbeitsverhältnis zwischen Trainer Olariu und dem TSV-Gesamtvorstand der Schwerpunkt der Auseinandersetzung. Es geht um einen Arbeitsvertrag und dessen Gestaltung, nicht zuletzt aber auch um die Kunstturner in der Turnabteilung des Vereins. Mentor von Julian Olariu ist Willi Jaschek.

„Maßlos enttäuscht“

Jaschek ist nach dem Scheitern aller Bemühungen, den Streit beizulegen, aus der TSV ausgetreten. Solches taten auch das Nachwuchstalent Kevin Wittig und einige andere aktive Kunstturner. Gemeinsam mit Julian Olariu wechselten sie zum Verein Eintracht Frankfurt.

Maßlos enttäuscht sei er über das Verhalten aller Verantwortlichen, schreibt Jaschek. Dabei bezieht er auch politisch Verantwortliche wie den Magistrat ein. Zumal sowohl der TSV-Vorsitzende Thomas Horsch als auch der Finanz-Vorstand der TSV, Heinz Dassinger, CDU-Stadtverordnete sind. Aus seiner Sicht, so Jaschek, seien so das Stillschweigen der Stadtverwaltung und das Einwirken der lokalen Politik in den Verein erklärbar.

Bürgermeister Peter Jakoby bestätigte gestern auf Anfrage, dass Willi Jaschek auch seine Mitwirkung im „Kulturkreis 63150“ aufgekündigt habe. Die von Jakoby initiierte Gesprächsrunde befasst sich derzeit mit der Gestaltung der 800-Jahr-Feier der Schlossstadt. Zu den Auseinandersetzungen innerhalb des Vereins wollte sich der Verwaltungschef gestern nicht äußern.

Zu Wort gemeldet haben sich Heike und Horst Wittig, die Eltern des Kunstturn-Nachwuchstalents Kevin Wittig. Sie fordern, verbunden mit Vorwürfen, den Rücktritt des TSV-Vorstands.

Verquickung zwischen Politik und TSV

Der TSV-Vorsitzende Thomas Horsch bedauert vor allem, dass viele Menschen in der TSV sehr viel Kraft und Zeit in eine Angelegenheit investiert haben, ohne dass es zu dem Ergebnis gekommen sei, das man sich gewünscht hätte. Der Arbeitsvertrag, um den es gehe, und in dem einige Passagen von Olariu und Jaschek als nicht annehmbar bezeichnet werden, sei inzwischen auf der Homepage der TSV im Internet unter „Aktuelles“ nachzulesen. Und wenn mehrere Mitglieder des Vereins der Meinung seien, dass der Vorstand des Vereins abzuwählen sei, dann sollten sie diesen Weg gehen. „Allerdings müssen sie dann auch Alternativen präsentieren“, fügt Horsch noch an.

Finanz-Vorstand Heinz Dassinger betont, eine Verquickung zwischen Politik und den Vorgängen in der TSV um Olariu habe es nie gegeben. Auch habe seine Arbeit in der Politik nichts mit der in der TSV zu tun.

Mit einem sehr persönlichen offenen Brief an Willi Jaschek hat inzwischen auch TSV-Vorstandsmitglied Eugen Kern reagiert. Jaschek trage bewusst Falschaussagen in die Öffentlichkeit, schreibt er darin. Verloren hätten in dieser Auseinandersetzung alle Beteiligten. Und dennoch seien die Turner, die jetzt zur Eintracht gewechselt sind, falls sie zurückkommen wollten, jederzeit willkommen.

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