Adolf-Reichwein-Schule

Verständigung im Discotakt

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Vor der Schülerbibliothek trafen sich Jugendliche aus Ladispoli, Rodez und von der Adolf-Reichwein-Schule bei Disco-Klängen. Bei einer Feier begrüßten sie mit Lehrkräften eine Gruppe aus Rodez in Frankreich und verabschiedeten Teenager aus dem italienischen Ladispoli.

Heusenstamm - „Es ist alles so schön grün“, schwärmt Valeria „und ich liebe das Radfahren!“ Glaubten ihre Gastgeber, dass es in Italien keine ausgewiesenen Pfade für Zweiräder gibt, kannten sie Heusenstamms Partnerstadt Ladispoli nicht.

„Wir haben viele Radwege!“, verteidigt die 13-jährige Austausschülerin ihre Heimatstadt vor den Toren Roms. Hat die Generation ihrer Großeltern vor 60 Jahren die Spaghetti mitgebracht, nehmen ihre Enkel den Drahtesel mit an die Mittelmeerküste. Bereits 1955 seien die ersten Landsleute Valerias in die Schlossstadt gekommen, um im Dachziegelwerk zu arbekten, informierte der Rathauschef die 17 Jugendlichen vom Instituto Corrado Melone. Seiner Meinung nach ist es wichtig, „dass auch die Jugend die Partnerschaft trägt“.

Die jungen Leute aus Italien verbrachten eine Woche mit Gleichaltrigen von der Adolf-Reichwein-Schule und wohnten bei ihren Gastfamilien. Die Reichwein-Schüler hatten bereits im Februar die junge, 37.500 Einwohner zählende Kommune in der Provinz Latium kennen gelernt. Verständigt haben sich die Teenager stets auf Englisch, und „das bringt echt viel“, stellt Nicole fest, die in den vergangenen Monaten ihre Sprachkenntnisse tüchtig aufgemöbelt hat.

Freundschaft übers Internet

Freilich, ein bisschen Italienisch versteht die 16-jährige Gastgeberin von Valeria auch schon. Im Sommer wird sie ihren Wortschatz erweitern, dann reist sie nämlich nach Ladispoli. Valerias Eltern haben sie eingeladen, und bis dahin pflegen die Mädchen ihre Freundschaft übers Internet. „Klar, Rom ist schöner als Frankfurt“, bestätigt die Südeuropäerin. Aber sie mag auch das Schifffahren auf den Main und die Wolkenkratzer der Bankenmetropole. „Es ist halt anders.“

Die Schüler von Direktor Ricardo Agresti und Englischlehrerin Carmella Panzella lieben auch die vielfältige Zubereitung des Mittagessens in Hessen. Wenn die Mahlzeiten und das Zu-Bett-Gehen für viele auch ungewohnt früh statt fänden. „Die Leute hier essen eigentlich ständig“, analysiert Jean-Pierre Andriot. Der Deutsch-Lehrer vom Collège St. Joseph in Rodez in Südfrankreich führt seit 24 Jahren Schüler nach Rodgau und Heusenstamm. Im Juli geht er in Pension und hofft, dass eine Nachfolgerin seine Begeisterung für die deutsche Sprache an den Nachwuchs weitergibt. „Das machen nur noch Frauen“, skizziert er die Situation im französischen Schulwesen. Spanisch sei dort deutlich beliebter als Deutsch. Mit seiner Kollegin Claudette Marot und Jean Paul Vergely, dem Vater eines einstigen Austauschschülers, kam er am Sonntag per Bus. 35 Jugendliche wohnen bei Teenagern der Rodgauer Georg-Büchner-Schule, 15 bei ARS-Schülern der Klassen 7 bis 9. Ihr Rektor Matthias Lippert pflegt den Kontakt nach Rodez seit seiner Zeit an der Rodgauer Heinrich-Böll-Schule 1990.

Mai-Fire in der Bürgerhalle Eppertshausen

Mai-Fire in der Bürgerhalle

Lippert dankte den Lehrkräften Margit Breen und Patrick Weiser sowie Angelika Banck vom Freundeskreis Partnerstädte, die bei den Begegnungen mit den Italienern übersetzte. „Mächtig stolz“ ist auch der Bürgermeister. Peter Jakoby freut sich, dass „so ein wunderschönes Stück Europa“ gelebt wird. Die Italiener unternahmen unter anderem Stadtführungen durch ihre Partnerstadt und durch Frankfurt, besuchten Senckenberg- und Geldmuseum, erklommen den Commerzbank-Turm und starteten eine Flughafen-Rundtour. Sie fuhren mit der Seilbahn zum Niederwald-Denkmal und mit dem Schiff zur Burg Rheinstein. In Wiesbaden waren sie im Landtag und auf dem Neroberg.

Zum Abschied feierten sie jetzt ein trinationales Treffen mit französischen und hiesigen Schülern, lauschten der ARS-Schulband unter Leitung von Alexander Richter. Danny Srodzinski begleitet den Abend an der Gitarre. Er lebte lange in Ladispoli, wohnt jetzt in Heusenstamm, wo er Englisch-Stunden und bald ein eigenes Konzert gibt. Die Franzosen besichtigten den Point Alpha sowie das Bergwerk Merkers. Gestern stand Frankfurt auf dem Programm, heute schippern sie zur Loreley und bummeln durch Mainz. Morgen wird gemeinsam gekocht, abends in Jügesheim gefeiert, und am Montag geht’s zurück nach Rodez.

M.

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