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30 Millionen Euro: Viel Geld fließt ins Abwasser

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Von: Claudia Bechthold

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Ausführlich erläuterte Andreas Stolz (mit Plan in der Hand), Leiter der städtischen Kläranlage an der verlängerten Schlossstraße, den Stadtverordneten und Magistratsmitgliedern die anstehenden Sanierungsarbeiten. Das Bild zeigt einen Teil des gerade im Bau befindlichen Mischwasserpumpwerks. - Foto: Bechthold
Ausführlich erläuterte Andreas Stolz (mit Plan in der Hand), Leiter der städtischen Kläranlage an der verlängerten Schlossstraße, den Stadtverordneten und Magistratsmitgliedern die anstehenden Sanierungsarbeiten. Das Bild zeigt einen Teil des gerade im Bau befindlichen Mischwasserpumpwerks. © Bechthold

Heusenstamm - Viel Geld wird in den kommenden Jahren in die städtische Kläranlage fließen. Die Mitglieder des Bauausschusses im Stadtparlament haben sich jetzt über die Gründe für die hohen Investitionen informiert. Von Claudia Bechthold

Es gibt Stellen in Heusenstamms Kläranlage, da stinkt es bestialisch. Vor allem dort, wo das noch unbehandelte Abwasser auf dem Gelände am Ende der Schlossstraße eintrifft, im sogenannten Rechenhaus, ist es für empfindlichere Nasen kaum auszuhalten. Doch die Parlamentarier kommen nicht darum herum, sich mit diesem Thema zu befassen. Denn es muss in den kommenden Jahren viel Geld in die Kläranlage investiert werden. Etwa 30 Millionen Euro werden es am Ende im Jahr 2030 sein, schätzt Andreas Stolz, zuständiger Sachgebietsleiter.

Interessiert lauschen die Stadtverordneten an diesem heißen Abend den Ausführungen des Anlagenchefs und des Fachdienstleiters Tief- und Straßenbau, Volker Hake. Zwei Gründe gibt es für die Sanierung des Wasserreinigungswerks: Zum einen sind Teile der Anlage weit mehr als 30 Jahre alt, haben damit eigentlich ihre durchschnittliche „Lebensdauer“ überschritten. Und zum anderen steigen die Anforderungen an die Qualität jenes Wassers, das am Ende der Säuberung in die Bieber geleitet wird, immer weiter. So werden zum Beispiel die Grenzwerte für Phosphor zum 1. Januar 2019 weiter gesenkt. Ein weiterer Punkt sind die Arzneimittel-Rückstände, die aus dem Wasser geholt werden müssen. Diclofenac etwa sei ein Problem. Aber auch gegen Multiresistente Keime kämpfe man.

Auf eine Nutzung durch 40.000 Einwohner ist das Klärwerk nahe der Autobahn ausgelegt. Damit sei man auch auf Stoßbelastungen eingestellt, erläutert Stolz, etwa nach einem Starkregen.

Schon vor einigen Jahren hatte man in der Stadtverwaltung darüber nachgedacht, ob sich eine Kommune von der Größe Heusenstamms überhaupt eine eigene Kläranlage leisten muss. „Man hätte das Abwasser ja auch in die große Anlage der Stadt Frankfurt weiterleiten können“, berichtet der frühere Bürgermeister Peter Jakoby am Rand der Besichtigung. Doch weder in Offenbach, noch in Neu-Isenburg hätten die Kapazitäten der Abwassersysteme für eine Durchleitung der Heusenstammer Mengen ausgereicht. So musste diese Idee wieder verworfen werden.

Schon jetzt wird am neuen Mischwasserpumpwerk der Kläranlage gearbeitet. In einer spektakulären Aktion waren die riesigen Bauteile aus Beton vor wenigen Wochen durch die Schlossstadt transportiert worden (wir berichteten). Dieses Pumpwerk kann künftig bei Starkregen mit der Hilfe von zwei Tauchmotor- und drei Rohrschachtpumpen bis zu 750 Liter Regen- und Schmutzwasser pro Sekunde aus dem Kanalnetz in das Regenüberlaufbecken auf dem Kläranlagengelände schaffen.

Noch in diesem Jahr wird mit dem Neubau des Sandfangs begonnen. Wenn das Abwasser aus dem Rechenhaus, in dem alle Grobteile aufgefangen werden, herauskommt, fließt es über jenen Sandfang, der eben Sand aufhält. Zuviel feinere Körnchen würden noch in den Faulturm gelangen, klagt Andreas Stolz. Ein Teil dieses Sandes könne im Straßenbau verwendet werden, der andere Teil müsse zum Sondermüll.

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