Viel Herzlichkeit in Saint-Savin

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Die Abteikirche von Saint-Savin liegt am idyllischen Ufer des Flüsschens Gartempe. Fotos (2):

Heusenstamm ‐ Sie sind gastfreundlich, sie sind herzlich, sie sind fröhlich und sie sind bereit, sich zu engagieren für den europäischen Gedanken. Von Claudia Bechthold

Den Menschen in Heusenstamms französischer Partnerstadt Saint-Savin ist es wichtig, dass sich ihre deutschen Freunde aus der Schlossstadt wohlfühlen, wenn sie in den zum Teil mehr als 1000 Jahre alten Mauern dieses kleinen Fleckens im Department Vienne zu Besuch sind. Und es gelingt ihnen, jeden einzelnen ihrer Gäste mitzureißen. Selbst Jugendliche spüren schnell, dass es um mehr geht. Und auch sie werden angesteckt von dem gewissen Zauber, der diese Städtepartnerschaft trägt. Ein Zauber, der im Lauf der Jahre nicht nur viele persönliche Freundschaften hat entstehen lassen, der auch dann den Funken der Sympathie überspringen lässt, wenn man sich wegen fehlender gegenseitiger Sprachkenntnisse kaum oder gar nicht verständigen kann.

Dabei wäre der Ort Saint-Savin mit seinen etwa 850 Einwohnern für Nicht-Heusenstammer kaum der Erwähnung wert, gäbe es da nicht die Kirche der Abtei, idyllisch gelegen am Ufer des Flüsschens Gartempe. Im 11. Jahrhundert wurde mit dem Bau dieser romanischen Hallenkirche begonnen. Das allein schon macht sie sehenswert. Ihren Schatz aber verbirgt die Kirche unter ihrem Dach an der Decke des Mittelschiffs und in der – zurzeit leider nicht zugänglichen – Krypta. Es sind Fresken, Wandgemälde also, die aus dem 11. Jahrhundert stammen und vermutlich die einzigen noch erhaltenen dieser Art sind. 1987 wurden sie zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt und bis zum Jahr 2008 mit großem Aufwand restauriert.

Bilder vom Besuch in der Partnerstadt

Besuch in Saint-Savin

Den Menschen in Saint-Savin allerdings hilft dies bislang nicht viel. Man kämpft dort mit ähnlichen Problemen wie hierzulande. Drei Fabriken, von denen die Menschen der Region gelebt haben, haben in den vergangenen Jahren ihre Tore geschlossen. Junge Menschen bleiben nicht in dem Ort, weil sie kaum Aussicht auf eine Zukunft haben. Erst wenn die Menschen aus Saint-Savin im Ruhestand sind, kehren sie zurück in den Ort, der so romantisch wirkt und vom milden Klima profitiert. Der Tourismus scheint ihre Chance zu sein, doch bislang kommen Fremde nur zum Besichtigen der Kirche in das Städtchen. Vielleicht könnte sich das ändern, denn es gibt Pläne, die erhaltenen Gebäude der zur Kirche gehörenden Abtei in ein Hotel und Restaurant umzubauen.

Herzlich werden die Ankömmlinge aus Deutschland nach rund 14 Stunden Busfahrt begrüßt. Und diese Herzlichkeit begleitet die Gruppe mit Bürgern, Politikern, Kindern des Rugby-Klubs und den Mitgliedern des TSV-Blasorchesters während des gesamten Aufenthalts. Da wird ohne Scheu immer wieder das Gespräch gesucht, es wird jeder Wunsch erfüllt und es wird immer wieder bewirtet. Das Programm, dass die Organisatoren aus Saint-Savin für ihre Gäste zusammengestellt haben, füllt den Aufenthalt mit vielerlei Aspekten und Eindrücken. Und immer wieder sind die Schlossstädter eingeladen zu einem Aperitif, stets gereicht mit Gebäck oder Häppchen.

Man besucht das „Futuroscope“ in Poitiers, einen Freizeitpark, der unterhalten, aber auch auf Veränderungen aufmerksam machen soll, die nachfolgende Generationen beschäftigen werden. Junge Rugby-Spieler treten gegen ein Team aus dem Kanton Saint-Savin an. Man besichtigt die eindrucksvolle Abteikirche und eröffnet eine kleine Ausstellung. Man genießt ein Konzert, bei dem sich Blasorchester und Künstler aus Saint-Savin abwechseln, um am Ende gemeinsam die Europa-Hymne zu singen.

„Ein Europa der Freundschaft“

Man feiert, dass diese deutsch-französische Freundschaft nun schon mehr als 40 Jahre hält und unterzeichnet noch einmal eine Verschwisterungsurkunde. Wobei Saint-Savin sieben Bürgermeister, zwei Bürgermeisterinnen und einen „Conseiller Général“ aufbieten kann. Denn eigentlich ist es eine Freundschaft mit einem „Canton“, der aus neun zum Teil sehr kleinen Gemeinden besteht, und dem jener Rat übergeordnet ist, der vielleicht mit einem Landrat zu vergleichen wäre. Ausgelassen wird am Ende gefeiert, gemeinsam gelacht, getanzt und gesungen. Auch Abordnungen aus dem belgischen Malle und Saint-Savins englischer Partnerstadt Hartley-Wintney sind dabei.

Getragen wird die Arbeit rund um diese Partnerschaft von Menschen wie Marie-Christine Bouffard, Jean Schneider und Remy Berthon auf der Seite von Saint-Savin oder Angelika Banck, Vera Terpitz und Bernd Fischer in Heusenstamm.

„Wir bauen ein Europa der Freundschaft“ hatte Jean Schneider während des offiziellen Festakts gesagt. Bürgermeister Peter Jakoby und seine französischen Amtskollegen unterstreichen dies. Partnerschaften sollten vor allem dazu dienen, eine friedliche Zukunft zu schaffen, betonte Jakoby dazu. Und alle sind sich einig, dass der Schüleraustausch wieder gestärkt werden sollte.

Nach nur drei Tagen steigen die Heusenstammer wieder in den Bus, um die lange Heimreise anzutreten. Sie sind gut gelaunt. Und im Gepäck haben sie viele Erinnerungen, aber auch die Gewissheit, alte Freundschaften gestärkt sowie neue geschlossen zu haben.

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